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„Lasermann“ John Ausonius : Wie das netteste Kind zum Mörder wurde

  • -Aktualisiert am

Laserman John Ausonius auf einem Foto von 1994 Bild: danapress

Der schwedische „Lasermann“ John Ausonius soll eine Garderobiere in Frankfurt getötet haben. 25 Jahre nach der Tat rollt ein Gericht den Fall nun wieder auf.

          7 Min.

          Vielleicht würde Jimmy Ranjbar noch leben, wenn John Ausonius in seinem Leben mehr Glück mit Frauen gehabt hätte. Am 8. November 1991 trat Ausonius in Stockholm von hinten mit einem Gewehr an Ranjbar heran, hielt ihm die Mündung an den Kopf und drückte ab. Ranjbar war 34 Jahre alt, Familienvater, angehender Ingenieur, Iraner – und das fünfte von insgesamt elf Opfern, auf die Ausonius Anfang der neunziger Jahre in Schweden schoss. Zehn von ihnen überlebten schwer verletzt. Weil der zunächst unbekannte Schütze in den meisten Fällen ein Gewehr verwendete, das mit einem Laserzielgerät versehen war, nannte die schwedische Presse ihn „Lasermann“. Auch in Deutschland soll Ausonius einmal geschossen und eine Frankfurter Garderobiere getötet haben. Deshalb muss er sich von Mittwoch an vor dem Landgericht verantworten.

          Der Fall, um den es geht, scheint auf den ersten Blick in die Anschlagserie des „Lasermanns“ zu passen. Denn Ausonius gilt als rechtsextrem, weil er Migranten töten wollte und seine Opfer in Schweden wegen ihrer dunklen Haut- und Haarfarbe auswählte. Dem schwedischen Journalisten Gellert Tamas, der 2002 ein Buch über den Serientäter veröffentlichte, sagte er, er habe Zuwanderung als gesellschaftliches Problem empfunden und mit den Schüssen „zur Lösung beitragen“ wollen: „Ich wollte die Einwanderer wissen lassen, dass sie hier sehr unerwünscht waren.“

          Frust über Frauen

          Die Anschlagserie könnte aber auch in Wahrheit ein Ventil gewesen sein, um seinen Frust über Frauen abzureagieren. Die Frau, die er im Februar 1992 in Frankfurt mit einem Kopfschuss getötet haben soll, war die 68 Jahre alte Blanka Zmigrod. Zmigrod war Jüdin, und es erscheint zunächst mithin nicht abwegig, dass Antisemitismus das Motiv eines rechtsextremen Täters gewesen sein könnte. Woher aber hätte Ausonius wissen sollen, dass die Frau, die er kaum kannte, Jüdin war? Möglicherweise war dieser Mord der Tiefpunkt einer jahrzehntelangen Entwicklung, in der aus einem auffallend netten Kind ein brutaler Mörder wurde, der unter psychischen Störungen litt.

          Ironischerweise hat der „Lasermann“, der gezielt auf Zuwanderer schoss, selbst einen Migrationshintergrund. Er wurde 1953 unter dem Namen Wolfgang Alexander John Zaugg als Sohn eines schweizerischen Kochs und eines deutschen Hausmädchens bei Stockholm geboren. Der Vater war ein charmanter und sensibler Mann, der gut aussah und bei Frauen beliebt war. Er zeugte mehrere eheliche und uneheliche Kinder. Die Mutter fiel durch außergewöhnliche Schönheit auf, aber auch durch Härte und Dominanz. Fast täglich verprügelte sie den Sohn und warf ihren Mann gewaltsam aus der Wohnung, als sie seine Affären satthatte.

          Das prägte Ausonius. Er entwickelte Minderwertigkeitskomplexe, wohl auch weil er als Kind zum Mobbingopfer wurde. Mit den dunklen Haaren und Augen, die er vom Vater geerbt hatte, fiel er in Schweden auf, und die anderen Kinder beschimpften ihn als „Neger“ und als „Schwarzen“. Vielleicht bemühte er sich deshalb, nicht negativ aufzufallen. Ein Nachbar beschrieb ihn später als „das netteste und umsichtigste Kind, das ich in meinem ganzen Leben getroffen habe“.

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