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Prozess gegen Gotteskrieger : Ein Selfie mit dem Finger am Abzug

  • -Aktualisiert am

Auf der Suche nach Antworten: Ob und wie Soufiani K. unter den Einfluss von Dschihadisten geriet, soll in dem Prozess erörtert werden. Bild: dpa

Der Rüsselsheimer Soufiani K. steht vor Gericht in Frankfurt. Als Gotteskrieger soll er sich der Terrorgruppe Jabhat Al-Nusra angeschlossen haben. Über sein Facebook-Profil hat er verdächtige Fotos veröffentlicht.

          Vom anerkannten Kriegsdienstverweigerer zum Kämpfer für einen „Gottesstaat“: Soufiani K. sitzt vor dem Frankfurter Oberlandesgericht (OLG), angeklagt der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung und der Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat. Durch seinen Verteidiger ließ der freundlich lächelnde Mann, der in Rüsselsheim geboren wurde und dessen Familie aus Marokko stammt, ausrichten, er sei unschuldig. Mehr will der 27 Jahre alte Vater zweier Kinder vorerst nicht sagen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Bundesanwaltschaft ist überzeugt, beweisen zu können, dass K. im Juli 2013 samt Familie mit dem Auto über die Türkei nach Syrien fuhr. Dort habe er sich der islamistischen Terrorgruppe Jabhat Al-Nusra angeschlossen und die übliche Ausbildung an Waffen absolviert, um sich dann am Kampf gegen das Regime Assad zu beteiligen. In der Anklageschrift sind als strafbare Unterstützungshandlungen neben dem Akquirieren von Spenden für Al-Nusra auch die Eskorte des Sarges eines Emirs der Terrorgruppe aufgelistet. Er war im Kampf gegen die Konkurrenzorganisation „Islamischer Staat“ getötet worden.

          Belastende Bilder vom Facebook-Profil

          Laut Bundesanwaltschaft ist die Al-Nusra-Front, die dem Netzwerk Al Qaida zugerechnet wird, von einer unbedeutenden Splittergruppe Ende 2011 inzwischen zu einer Armee mit vier- bis sechstausend Kämpfern aus aller Welt aufgestiegen. Nach den Erkenntnissen der Geheimdienste haben sie inzwischen rund 8700 Menschen getötet.

          Ob und wie Soufiani K. unter den über das Internet auch nach Deutschland getragenen Einfluss der Dschihadisten geriet, soll in dem Prozess nachgezeichnet werden. Zu Beginn zeigte das Gericht Bilder vom Facebook-Profil des Angeklagten und aus dem Dienst Whatsapp, jeweils als Al-Nusra-Kämpfer. Einmal ist er mit Dreitagebart zu sehen, dann mit deutlich längerer Haar- und Barttracht im Salafisten-Look, und schließlich lächelt er mit dem Finger am Abzug eines Sturmgewehrs für ein Selfie. Zu den Beweismitteln gehört auch ein Briefwechsel der Justiz mit dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. Darin wird bekannt, dass K., gelernter Einzelhandelskaufmann, vor Jahren als Kriegsdienstverweigerer anerkannt worden ist. Der Prozess soll bis Ende August dauern.

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