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Prozess gegen Unternehmer : Maschinengewehr im Gerichtssaal

Wird verdächtigt einen Mordauftrag erteilt zu haben: Unternehmer Alexander Falk Bild: EPA

Der Unternehmer Alexander Falk soll einen Mord in Auftrag gegeben haben. Im Prozess kommt der Hauptbelastungszeuge – und sagt dann doch nicht aus.

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          Es ist Tag sechs im Prozess um den mutmaßlichen Auftragsmord an dem Frankfurter Rechtsanwalt Wolfgang J., und der ganze Saal wartet seit neun Uhr, dass endlich der Zeuge auftaucht, auf den seit dem ersten Verhandlungstag alle warten. Der Hauptbelastungszeuge Etem E., ein dubioser Mann aus der Unterwelt, der dabei gewesen sein will, als Alexander Falk in einem Hamburger Steak-Restaurant den Auftrag erteilte, J. umzubringen. Der Rechtsanwalt arbeitete daran, Falk in einem Zivilprozess um viele Millionen aus seinem Privatvermögen zu bringen, worin die Staatsanwaltschaft das Motiv zum Mordauftrag sieht.

          Anna-Sophia Lang

          Freie Autorin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer diesen Prozess verfolgt, dem kommt es vor, als wisse er schon alles über Etem E. Dabei ist der noch gar nicht vor Gericht aufgetreten. Aber unter anderem dank breiter Berichterstattung vorab und einer Mappe, die die Verteidigung Journalisten zur Verfügung gestellt hat, ist schon vieles über ihn durchgesickert. Vor einer Woche dann hat ein Beamter des Landeskriminalamts Hamburg als Zeuge berichtet, wie E., ein „Handlanger“ aus dem Drogenhandel-Milieu, 2017 auf die Behörde zukam. Erst mit Informationen zu anderen Sachen, Monate später mit solchen über die Schüsse auf den Anwalt. Seine Motive seien „rein finanzieller Natur“ gewesen. Eine operativ arbeitende Vertrauensperson des LKA sei er nie gewesen. An diesem Tag sechs nun gibt es weitere Informationen zu E., die offiziell ins Verfahren eingeführt werden: Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen ihn wegen Erpressung der Familie Falk mit der Tonaufnahme, die den Angeklagten schwer belastet. Darauf ist Falk zu hören, wie er sich über den Schuss auf den Rechtsanwalt freut. „Schießen war genau richtig“, sagt Falk da, und: „Die einzige richtige Konsequenz, dem einmal ins Bein zu ballern.“ Zum ersten Mal wird an diesem Tag auch offiziell, dass die Staatsanwaltschaft Frankfurt ebenfalls ein Ermittlungsverfahren gegen E. eingeleitet hat – wegen Tatbeteiligung an den Schüssen auf J.

          „Showdown“ im Prozess

          Dieser Tag soll, wie die Verteidigung am Vortag in einer langen E-Mail geworben hat, der „Showdown“ in diesem Strafprozess werden. Sie hat angekündigt, dass die Ehefrau von Falk, ebenfalls Anwältin, E. auch selbst befragen wird. Sie hat einen Stenographen dabei, der jedes Wort protokolliert, und einen renommierten Aussagepsychologen. Der stellt die Hypothese auf, dass E. Informationen aus verschiedenen Quellen vermischt, Rückschlüsse auf vermeintlich Erlebtes zieht und eine Version als selbst beobachtet präsentiert, die er gar nicht erlebt hat. Außerdem haben Falks Anwälte beantragt, dass die Verhandlung in einen anderen Saal verlegt wird, damit auch alle Platz finden. Und weil Etem E. mit Polizeischutz kommen wird. Als es nach Stunden so weit ist, wird er von zwei vermummten Polizisten begleitet, einer davon mit Maschinengewehr.

          Der Showdown kann dann aber nicht stattfinden – es sei denn, man wertet die Androhung eines Verteidigers, wegen der bewaffneten Polizisten sofort den Saal zu verlassen („Ich lasse mich doch nicht erschießen“) als solchen. E. jedenfalls, ein bulliger Mann mit Beinahe-Glatze, sagt nicht aus. Er macht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, um sich nicht selbst zu belasten. Das hängt allerdings damit zusammen, dass er einen neuen Anwalt hat, der sich auf das Verfahren noch nicht vorbereiten konnte. Der ursprüngliche Anwalt ist inzwischen selbst als Zeuge geladen worden. Grundsätzlich aussagebereit ist E. aber – nur wann es so weit sein wird, bleibt offen.

          Dass die Kammer sich darauf einlässt, missfällt der Verteidigung. Wie so vieles, was der Vorsitzende und seine Beisitzer entscheiden. Auch an diesem Tag gibt es lange juristische Diskussionen, die nicht immer in einer friedlichen Einigung enden. Einen Befangenheitsantrag gegen den Vorsitzenden haben die Verteidiger schon nach dem vergangenen Prozesstag gestellt.

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