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Prozess gegen Alexander Falk : Nächste dubiose Volte

Prozesse gegen Unternehmer: Alexander Falk soll einen Mord in Auftrag gegeben haben. Bild: EPA

Alexander Falk wird vorgeworfen, einen Auftragsmörder auf einen Frankfurter Rechtsanwalt angesetzt zu haben. Der Prozess gegen den Hamburger Unternehmer wird zunehmend zum Kuriosum.

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          Es ist schon viel Unglaubliches behauptet worden im Prozess gegen Alexander Falk. Und so manches ist passiert, bei dem man sich fragte, ob das gerade wirklich geschehen ist. Schon die Anklage, wonach der Hamburger Unternehmer einen Auftragskiller auf einen Frankfurter Rechtsanwalt angesetzt haben soll, wirkt wie aus einer anderen Welt.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Prozess vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts um den Anschlag mit einem Schuss ins Bein im Februar 2010 hat viele bemerkenswerte Figuren ins Rampenlicht gebracht. Er ist so mühselig, weil immer wieder neue Aspekte auftauchen, die ausgeleuchtet werden müssen, und ständig neue, interessante Personen. Seien das nun seltsame Anwälte, Zeugen mit einer Affinität zu Waffen oder LKA-Beamte, die sich ständig auf ihre beschränkte Aussagegenehmigung berufen.

          Kein Ende in Sicht

          Seit August wird verhandelt, und es ist kein Ende in Sicht. Im Moment stehen Termine bis Mitte Juni auf der Liste. Die aufwendige Vernehmung des Kronzeugen ist inzwischen abgeschlossen, der Vorsitzende Richter hat zwei Befangenheitsanträge überstanden, und der Ermittlungsführer der Frankfurter Mordkommission, den die Verteidigung wegen Urkundenunterdrückung und Verrat von Dienstgeheimnissen angezeigt hat, hat am Mittwoch seinen zweiten Vernehmungstag hinter sich gebracht. Falks Rechtsanwälte versuchen alles, um Gericht und Öffentlichkeit klarzumachen, dass ihr Mandant mit dem Schuss auf den Frankfurter Anwalt nichts zu tun habe und endlich aus der Untersuchungshaft entlassen gehöre, wo er seit Herbst 2018 sitzt.

          Sie sagen, dass die Glaubwürdigkeit des Kronzeugen spätestens durch ein aussagepsychologisches Gutachten vernichtet worden sei, dass er nicht nur ein Lügner, sondern auch in die Erpressung der Familie Falk involviert sei. Bestätigt sehen sie sich außerdem dadurch, dass ein Freund des Kronzeugen ausgesagt hat, er sei von diesem gezwungen worden, gegen Falk auszusagen. Und drittens fällt ihrer Ansicht nach eine Tonbandaufnahme des über den Schuss jubelnden Falk als Beweismittel weg, weil sie laut einem Gutachten an einigen Stellen geschnitten worden ist.

          Mit ihrem ersten Antrag auf Entlassung ihres Mandanten aus der Untersuchungshaft war die Verteidigung vor einigen Monaten nicht durchgekommen. Am Mittwoch bat sie die Strafkammer eindringlich, noch einmal darüber nachzudenken und Falk unter Auflagen aus dem Gefängnis zu entlassen. Auch wegen der Corona-Krise: Diese verlangsame zum einen das Verfahren, weil Zeugen nicht kommen könnten – insbesondere eine Schlüsselperson für das Verfahren aus der Türkei, die nach langem Hin und Her nun doch aussagen will. Die Folgen der Pandemie verschärften außerdem die Haftbedingungen für den Angeklagten und machten eine Flucht, die dieser sowieso nicht im Sinn habe, faktisch unmöglich.

          Vernichtung von Beweismitteln

          Zuletzt warf die absurde Aktion eines anderen Zeugen ganz neue Fragen auf. Er war dem Gericht vom Kronzeugen als Beobachter einer mutmaßlichen Bestechungsszene mit einem weiteren Zeugen genannt worden, woraufhin ihn die Strafkammer zum Prozess lud. Doch dann stellte sich heraus, dass er Anfang 2020 unter falschem Namen der Verteidigung gegen viel Geld eine Tonbandaufnahme angeboten hatte. Auf der sei der Kronzeuge zu hören, wie er zugebe, sich die Vorwürfe gegen Alexander Falk ausgedacht zu haben.

          Die Verteidigung informierte Gericht und Staatsanwaltschaft und bat den Mann zum Gespräch in ihre Kanzlei. So geschah es auch, allerdings observierten ihn Polizeibeamte. Als er die Kanzlei verließ und die Beamten erkannten, dass er das Beweismittel vernichten wollte, griffen sie zu. Doch da hatte er die Speicherkarte, die er den Rechtsanwälten gezeigt hatte, um zu beweisen, dass er etwas in der Hand habe, schon zerkaut. Das LKA untersucht nun, ob noch etwas zu retten ist. Für diesen Donnerstag ist im Prozess der Anwalt als Zeuge geladen, der beim Gespräch in der Kanzlei dabei war. Er war bis vor kurzem ebenfalls Verteidiger von Falk, hat das Mandat aber inzwischen niedergelegt.

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