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Proteste in Frankfurt : Rosa Rauch in der Rothofstraße

Linke Gegendemonstranten zündeten in der Alte Rothofstraße Pyrotechnik. Bild: Max Kesberger

Nach dem Ende des Marsches der Teilnehmer der rechtsgerichteten „Widerstand Ost/West“-Kundgebung kam es zu Ausschreitungen. Linke Gegendemonstranten waren zwischenzeitlich eingekesselt und hatten Pyrotechnik gezündet.

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          Der Demonstrationszug von „Widerstand Ost/West“ ist im abgesperrten Gelände auf dem Roßmarkt in Polizeibegleitung marschiert. Der 700 Meter lange Aufzug ging vom Roßmarkt über die Steingasse bis zum Goetheplatz und zurück zum Versammlungsort. Eigentlich wollte „Widerstand Ost/West“ außerhalb der Absperrungen eine 1,7 Kilometer lange Route ablaufen, die jedoch von den Gegendemonstranten an mehreren Stellen blockiert worden war. Auf Höhe der Kaiserstraße errichteten einige Autonome eine Barrikade aus Gittern und einem Schirm eines angrenzenden Cafés, die von der Polizei aber rasch weggeräumt wurde.

          Polizisten durchsuchen die Autos der WOW-Teilnehmer. Ergebnis: Schutzweste und Champagner beschlagnahmt – und die Umweltplakette fehlt. Bilderstrecke
          Polizisten durchsuchen die Autos der WOW-Teilnehmer. Ergebnis: Schutzweste und Champagner beschlagnahmt – und die Umweltplakette fehlt. :
          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Während des Demonstrationszuges haben einige Gegendemonstranten Gegenstände  geworfen, ein paar Teilnehmer aus den Reihen des „Widerstand Ost/West“-Aufzuges warfen ihrerseits Flaschen in Richtung der pfeifenden und buhenden Protestler. Die Polizei setzte Pfefferspray und Schlagstöcke ein, nachdem auch Beamte mit Flaschen und Steinen beworfen wurden.

          Auch nach dem Umzug ist es zu Ausschreitungen zwischen Gegendemonstranten und der Polizei gekommen. Teile des Schwarzen Blocks wollen die Abreise der „Widerstand Ost/West“-Teilnehmer verhindern, die Polizei hat nach Böllerwürfen 120 Gegendemonstranten in der Junghofstraße eingekesselt. Die Polizei will insgesamt rund 150 Personen wegen möglicher Straftaten kontrollieren. Etwa 500 Personen versuchten laut Polizei die Maßnahme zu stören.

          Unterdessen geht die Kundgebung auf dem Roßmarkt weiter, der Großteil der Hooligans der „Berserker Pforzheim“ trinkt jedoch lieber Bier im Schnellrestaurant Vapiano, das gleich neben dem Goetheplatz noch in der abgesperrten Zone liegt.

          200 Teilnehmer auf dem Roßmarkt

          Mit rund einer Stunde Verspätung hatte die Kundgebung der islamfeindlichen Bewegung „Widerstand Ost/West“ begonnen. Knapp 200 Teilnehmer waren um 14 Uhr auf dem Roßmarkt zusammengekommen, darunter etwa 30 Mitglieder des „Bündnisses Deutscher Hools“ und die „Beserker Pforzheim“, eine Hooligan-Gruppe, die auch bei den gewaltsamen Hogesa-Protesten in Köln teilnahm.

          Auf dem Roßmarkt steht neben einer Videoleinwand die Demonstrationsanmelderin Ester Seitz in einem gemieteten Lastwagen und warnt vor einer drohenden Islamisierung. „Ich freue mich, dass ihr alle hergekommen seid“, sagt Seitz. Vereinzelt ragen Deutschlandfahnen aus der Menge hervor, die sich unter Schirmen vor dem Regen schützt, häufiger ist die „Flagge Deutscher Widerstand 20. Juni“ zu sehen, das Philippuskreuz in schwarz-rot-gold, das auch bei den Pegida-Versammlungen häufig von den Demonstranten mitgebracht wird. 1000 Teilnehmer hatte Seitz für ihre Kundgebung angemeldet. Diese Zahl haben die Gegendemonstranten mittlerweile weit überschritten. 2000 Menschen haben sich in Frankfurt versammelt, um gegen die Kundgebung zu demonstrieren.

          Frankfurt : Rangeleien bei „Widerstand Ost/West"-Kundgebung

          Vereinzelt kam es noch vor dem Marsch zu Rangeleien mit der Polizei, die an den Straßensperren Wasserwerfer aufgefahren hat. Nach Polizeiangaben seien zwei Gegendemonstranten wegen Körperverletzung und ein Demonstrant wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz vorläufig festgenommen worden. An der Junghofstraße hatte die Kontaktfrau der Polizei mehrfach darum gebeten, „das Abbrennen von Feuerwerkskörpern“ zu unterlassen. Wie auf linken Demonstrationen üblich, liefern sich die Autonomen eine Art „Katz-und-Maus“-Spiel mit der Polizei: So rannten plötzlich gut 200 linke Jugendliche vom Willy-Brandt-Platz zu einer anderen Straßenkreuzung, weil sie gehört hatten, dass die Polizei dort Demonstrationsteilnehmer von „Widerstand Ost/West“ herein schleuse.

          Demonstrationsroute fast völlig blockiert

          Nördlich des Roßmarktes am Goetheplatz hatten von 12 Uhr am Mittag das Römerbergbündnis für zwei Stunden demonstriert, dazu hatten neben Kirchenvertretern und dem DGB auch Grüne und Linke aufgerufen. Es sprachen unter anderem Günter Burkhardt, Bundesgeschäftsführer von Pro Asyl, die Caritas-Direktorin Gaby Hagmans und Harald Fiedler vom DGB Stadtverband Frankfurt. Am Weltflüchtlingstag sprachen sich die Redner dafür aus, Flüchtlinge willkommen zu heißen und sich nicht gegen andere Religionen auszusprechen. „Kein Mensch ist illegal“, sagte Burkhardt. Man müsse den rechtspopulistischen Strömungen wie Pegida und „Widerstand Ost/West“ entschlossen entgegentreten. „Wir wollen die Rechten heute blockieren. Wer hetzt, gehört nicht in diese Stadt“, sagte Burkhardt.

          Die Organisatoren von „Widerstand Ost/West“ planen, nach der Kundgebung eine Demonstrationsroute von der Katharinenkirche über den Willy Brandt-Platz und die Neue Mainzer Straße zu laufen. „Ob das stattfinden kann, ist noch fraglich“, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage von FAZ.NET. Fast alle Wendepunkte der Demonstrationsroute sind blockiert.

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