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: Proteste für die Schule

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Die meisten Eltern, sollte man annehmen, haben in diesen Tagen Besseres zu tun, als Spruchbänder schwenkend auf kalten Schulhöfen und vor Rathäusern herumzustehen, wenn sie nicht arbeiten müssen. Besorgen ...

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          Die meisten Eltern, sollte man annehmen, haben in diesen Tagen Besseres zu tun, als Spruchbänder schwenkend auf kalten Schulhöfen und vor Rathäusern herumzustehen, wenn sie nicht arbeiten müssen. Besorgen sie nicht Geschenke, nehmen an Ballett-Aufführungen und Adventsfeiern im Sportverein teil, schreiben die Weihnachtspost? Viele Erziehungsberechtigte in Hessen haben in den vergangenen Wochen und Tagen statt dessen der Landesregierung etwas ins Stammbuch geschrieben: ihre Unzufriedenheit darüber, daß der Bildungssektor von den Sparmaßnahmen nicht ausgenommen wurde.

          Entzündet hat sich der Protest vor allem daran, daß im nächsten Jahr von den erwarteten 1500 wegen Pensionierungen frei werdenden Lehrerstellen nur 450 neu besetzt und gleichzeitig Mittel für Vertretungsverträge gekürzt werden sollen. Letzteres, so die Rechnung im Kultusministerium, soll wie die Stellenstreichungen mit der angeordneten Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung verrechnet werden. Heraus kommt zwar immer noch ein Minus, aber ein nicht ganz so großes, hieß die Botschaft. Doch die sie hörten, gaben sich mit ihr nicht zufrieden. Nun haben sie, wie verbindlich auch immer, die Zusage aus dem Hause von Kultusministerin Karin Wolff (CDU), daß alle Vertretungsverträge dort, wo sie unabdingbar notwendig sind, auch verlängert werden. "Erfolg für uns" sagen die Organisatoren vor allem des Eltern-Aktionstages vom vergangenen Donnerstag. Anders sei es nie gewesen, sagt dagegen Karin Wolff und verweist darauf, daß ihr Ministerium von allen die geringste Kürzung der Haushaltsansätze habe hinnehmen müssen.

          Dennoch ist unleugbar, daß die Ministerin unter Druck steht. Nicht anders läßt sich wohl erklären, daß sie im Zusammenhang mit dem Aktionstag von "Hysterie" gesprochen hat, anstatt die Proteste als das zu benennen, was sie mehrheitlich bestimmt sind: ein Ausdruck von Engagement für die Schule. Sie sind wohl auch ein Ausdruck von Enttäuschung, denn mit dem Versprechen, vor allem in die Schulen zu investieren, hatte die CDU bewußt auch bei denen Erwartungen geweckt, die ihr sonst nicht unbedingt nahestehen. Und wer die Latte sehr hoch legt, darf sich nicht darüber beschweren, wenn der Versuch, unter ihr durchzulaufen, besonders kritisch begleitet wird. Jacqueline Vogt

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