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Hochtaunuskreis : Protest gegen Windkraftpläne wird fortgesetzt

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Standortfrage: Im Februar konnten Bürger sich an der Windmessanlage bei Neu-Anspach über geplante Windräder informieren Bild: Cornelia Sick

Ob der Bau von Windkraftanlagen im Hochtauus nahe Neu-Anspach nach dem Rückzug des Versorgers Süwag gescheitert ist, muss sich erst noch zeigen. Politiker fordern eine Neubewertung.

          Der Rückzug des Energieversorgers Süwag aus dem Windkraftprojekt bei Neu-Anspach bewegt weiter viele Gemüter im Usinger Land. Die Bürgerinitiative Naturpark ohne Windräder in Neu-Anspach (N.o.W.) sprach in einer Mitteilung von einem „entscheidenden Schritt in die richtige Richtung zum Erhalt des Naturparks“. Die Süwag demonstriere damit, dass sie Sorgen und Bedenken der Bürger aus Neu-Anspach und den angrenzenden Gemeinden ernst nehme, sagte Sprecher Ralph Bibo. Für Hessenpark-Gründungsdirektor Eugen Ernst, der das Bürgerbegehren gegen die Windräder im Neu-Anspacher Wald unterstützt, ist der Ausstieg des Unternehmens nur ein Etappensieg. Der Kampf müsse so lange weitergehen, bis klar sei, dass der Windpark nicht gebaut werde. Die Initiative für das Begehren will deswegen weiter Unterschriften sammeln.

          Die Bürgerinitiative N.o.W. will ebenfalls weiterarbeiten wie bisher. Denn ob der Ausstieg der Süwag aus dem Bieterkonsortium mit dem Projektentwickler Juwi tatsächlich das Ende der Pläne für die fünf Windräder bedeutet, daran lässt zumindest die Erklärung von Juwi zweifeln. Noch am Dienstagabend teilte das Unternehmen mit, es halte an dem Windpark fest. Das Genehmigungsverfahren werde weiterlaufen, und der Standort sei gut geeignet, sagte Juwi-Prokurist Thomas Broschek. Die seit einigen Monaten laufende Windmessung mit einem auf dem Langhals aufgestellten Mast bestätige die sehr gute Ausgangsbasis für den wirtschaftlichen Betrieb der Anlagen. Zudem hätten die Träger öffentlicher Belange im Genehmigungsverfahren keine grundsätzlichen Einwände vorgebracht. „Weder bei Schall-, Natur- noch Umweltschutz gibt es nennenswerte Beeinträchtigungen“, sagte Broschek.

          Protest trotz fortgeschrittener Vorarbeit

          Das sehen die Vertreter der Bürgerinitiativen, die sich in Neu-Anspach und den anderen potentiellen Windkraftstandorten im Hochtaunuskreis gebildet haben, anders. Auch in Weilrod, wo die Flächen für sieben Anlagen schon gerodet sind, und in Schmitten gibt es Protest. Dort engagiert sich die Windpark-Entwicklungs GmbH (WPE), ein 2012 gegründetes Gemeinschaftsunternehmen des Frankfurter Energieversorgers Mainova und des Wiesbadener Windpark-Entwicklers Abo Wind. Für die Mainova gibt es nach Worten eines Sprechers derzeit keine Notwendigkeit, das Engagement in den beiden Taunusgemeinden zu überdenken. Man sei mit allen Beteiligten im Dialog und habe einen recht guten Überblick über die Stimmungslage am jeweiligen Ort. „Wir haben aber schon 2010 gesagt, dass wir keine Projekte gegen die Kommunen oder Bürger durchsetzen.“

          Der Sprecher machte zugleich deutlich, dass nicht Mainova, sondern WPE für die Erbauung der Windparks zuständig sei. Es sei kein Automatismus, dass der Energieversorger die Anlagen übernehme. WPE hat bisher vier Windparks in Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz errichtet. Für die fünf Windräder in NeuAnspach haben sich Süwag und Juwi hingegen als Bietergemeinschaft beworben und eigens die Neu-Anspach Wind GmbH & Co. KG gegründet. Sie war als Planer, Bauherr und Betreiber der Windkraftanlagen vorgesehen.

          Bürgermeister: Projekt „gestorben“

          Nicht nur die Bürgerinitiativen bewegt die Frage nach den Folgen des Süwag-Rückzugs. Die Zukunft des Projekts liege in den Händen der verbliebenen Partner Juwi und Stadt, sagte ein Süwag-Sprecher. Deren Entscheidung werde man sich nicht in den Weg stellen. Es gehe nicht darum, den Windpark unter allen Umständen zum Scheitern zu bringen. Neu-Anspachs Bürgermeister Klaus Hoffmann (CDU) hob noch einmal hervor, eine Voraussetzung für den Zuschlag an die Bietergemeinschaft sei die Beteiligung des vertrauten Partners Süwag gewesen. Das sei eine bewusste Entscheidung für das „Doppelpack“ gewesen.

          Für ihn sei das Projekt mit dem Süwag-Rückzug „gestorben“, sagte Hoffmann. Für den CDU-Fraktionsvorsitzenden Uwe Kraft ist klar, dass der Wegfall eines Partners bei der Politik zwangsläufig zu einer Neubewertung führen werde. Natürlich müsse man auch auf die Proteste reagieren. „Es ist ein Konfliktpotential entstanden, das bei den Bürgerinformationen vor den damaligen Grundsatzbeschlüssen überhaupt nicht absehbar war.“

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