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Protest gegen Fluglärm : Occupy Niederrad - Aufstand der Bürgerlichen

Ein Flugzeug über Niederrad. Bild: Röth, Frank

Die neue Landebahn am Frankfurter Flughafen bringt mehr Lärm - und auch etablierte Frauen und Männer zum Protest. Drei Beispiele.

          5 Min.

          Die Nordwest-Landebahn muss wieder weg. Da gibt es für Helmut Mader, Simone Heinrich und Jochen Krauß keine Alternative. Ihre Forderung ist radikal, sie selbst sind es nicht. Mader, Krauß und Heinrich sind etabliert - beruflich, wirtschaftlich, privat. Sie wohnen in Niederrad. Ein Banker und Vater erwachsener Kinder, eine Kommunikationsfachfrau und Mutter zweier Dreijähriger, ein Unfallchirurg mit zwei kleinen Töchtern. Vielbeschäftigt alle drei, interessiert, informiert und zu Engagement bereit. Sie lassen sich dem für Frankfurt seit je typischen Bürgertum zuordnen.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Und ebendessen Tradition nehmen die drei aktiven Mitglieder der Bürgerinitiative „Eintracht gegen Fluglärm“ für sich in Anspruch, wenn sie gegen den Krach der Flugzeuge und in der Konsequenz gegen die im Oktober in Betrieb gegangene vierte Bahn des Flughafens kämpfen. Occupy in Niederrad, wenn man so will.

          Forderung nach Schließung der neuen Bahn

          Für die „Eintrachtler“ wird die Zeit seither noch knapper. Montags am Flughafen zu demonstrieren, das ist inzwischen festes Programm, für die Eltern - der Kinder wegen - im Wechsel. Sie suchen Politiker im Landtag auf, den Ausbaugegner Frank Kaufmann von den Grünen zum Beispiel. Sie laden auch Frankfurter Oberbürgermeister-Kandidaten zum Gespräch, und die kommen auch brav. Zumindest im Ansatz funktioniert die Strategie der Niederräder Interventionsbürger: Sie wollen durch Druck auf die Politik ihr Ziel erreichen. Den Rechtsweg halten sie für zu langwierig.

          Die Forderung nach Schließung der Bahn stand nicht am Anfang der Auseinandersetzung mit dem Ausbauprojekt. Sie ist Ergebnis der Abwägung aller Möglichkeiten, den Lärm zu mindern, wie sie sagen.

          Noch nie war es ganz leise

          Alle drei sehen sich nicht als Flughafengegner. Auch der gebürtige Stuttgarter Mader nicht. Er war beruflich so häufig mit dem Flugzeug unterwegs, dass er bei der Lufthansa den Senatorstatus auf Lebenszeit hat. „Ich bin schon deshalb weder Flughafen- noch Wachstumsgegner, das wäre nicht glaubwürdig“, sagt Mader, der ruhig spricht und die Wörter mit Sorgfalt wählt. Die letzte Stufe des Flughafenausbaus sei aber gegenüber den Menschen in und um Frankfurt nicht mehr zu vertreten.

          Mader hat vor zwölf Jahren das Haus in Niederrad erworben, auch weil er von dort aus rasch am Flughafen sein kann, wie er sagt. Ganz leise war es in dem Stadtteil auch damals schon nicht, der Flughafen und die Autobahnen waren fast immer zu hören. Schallschutzfenster hat er längst in sein Haus eingebaut. Mader weiß, was er tut, und er neigt nicht zur Klage. Der Endsechziger war Bereichsleiter einer großen deutschen Bank, elf Jahre Investmentbanker in New York, drei Jahre in Tokio. Er fügt hinzu, ein Banker müsse immer auch ein ehrbarer Kaufmann sein, die Entwicklungen in Teilen des Bankenwesens sehe er sehr kritisch.

          Bald auch Wahlen in Frankfurt und dem Land

          Achtsamkeit ist dem Freund japanischer Kultur wichtig. In seiner Stiftung kümmert er sich um Scheidungswaisen, hilft auf dem Weg durch Schule und Studium. Achtsamkeit erwartet er auch von anderen - gerade auch von Politikern in der Frage der Lärm- und Emissionsbelastung durch den Flughafenausbau. „Es ist eine Fehlentscheidung gewesen, und die muss man im Interesse der Menschen revidieren“, hebt Mader hervor.

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