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Prostitution auf Campus Bockenheim : „Einfallstor für schauerlichen Frauenhandel“

Der Bebauungsplan schließt derzeit auf dem Kulturcampus „Betriebe und Nutzungen, die der gewerblichen sexuellen Betätigung und Schaustellung dienen“, aus. Bild: Röth, Frank

In Frankfurt soll der Campus Bockenheim neu gestaltet werden. Die Stadtverordneten debattieren nun, ob dort Prostitution gestattet sein soll. Bisher war das per Bebauungsplan ausgeschlossen.

          Soll Prostitution auf dem Campus Bockenheim erlaubt sein? Über diese Frage haben  die Stadtverordneten im Planungsausschuss gestritten. Die Piraten hatten beantragt, eine entsprechende Passage aus dem Bebauungsplan für das Gebiet zu streichen. Die „diskriminierende und kriminalisierende Verfügung“ basiere auf überholten Moralvorstellungen, kritisiert die Fraktion. Der Stadtverordnete Herbert Förster nannte es verwerflich, dass ein „freier Beruf“ über den Bebauungsplan ausgegrenzt werde.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unterstützt wurde diese Argumentation von einer Vertreterin des Vereins Doña Carmen, der sich für die Rechte von Prostituierten einsetzt. Ihrer Ansicht nach zeugt das Verbot von Unkenntnis des Gewerbes. Die Arbeitsweise der Prostituierten sei heutzutage diskret und führe nicht zu einer Verwahrlosung der Viertel. Frankfurt sei eine weltoffene Stadt, sagte Juanita Hennig, die Vorsitzende des Vereins Doña Carmen. Zudem seien 70 Prozent der Bevölkerung in Bockenheim Singles. Ein Teil der Fläche ist planungsrechtlich ein Kerngebiet. Dort schließt der Bebauungsplan „Betriebe und Nutzungen, die der gewerblichen sexuellen Betätigung und Schaustellung dienen“, aus. In Wohngebieten sind sie ohnehin nicht zulässig. Wie Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) ausführte, wird Prostitution bei der Aufstellung neuer Bebauungspläne immer ausgeschlossen, um unerwünschte Nebeneffekte und Nutzungskonflikte, etwa mit Wohnungen in der Nachbarschaft, zu vermeiden. „Das hat nichts mit einer moralischen Wertung zu tun.“

          Prostitution sei „nichts Idyllisches“

          Auch Nils Kößler, planungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, sagte, Prostitution werde nicht in die Illegalität getrieben. Sie sei in bestimmten Zonen der Stadt weiterhin erlaubt. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein ist nicht der Auffassung, dass Prostitution in Bockenheim eine erwünschte Tätigkeit ist. Das Gewerbe sei „nichts Idyllisches“ und „das Einfallstor für schauerlichen Frauenhandel“. Prostitution sei in engen Gebieten zu dulden, nicht aber in der gesamten Stadt.

          Andere Fraktionen zeigten sich dem Anliegen von Doña Carmen gegenüber offenherziger. Wolfgang Hübner (Freie Wähler) fragte: „Warum nicht in Bockenheim?“ Und auch Elke Tafel-Stein (FDP) findet es falsch, einen Berufsstand in die Illegalität zu treiben. Dies sei der Gesellschaft „nicht dienlich“.

          Bebauungsplan für den Kulturcampus in Frankfurt Bockenheim

          Käufer noch nicht gefunden

          Planungsamtsleiter Dieter von Lüpke stellte den Stadtverordneten im Anschluss an die Debatte den Bebauungsplan für den Campus vor, der am Montag aber noch nicht beschlossen wurde. „Der Bebauungsplan kann nicht alle Erwartungen erfüllen und alle Probleme lösen“, sagte Lüpke. Es sei auch fraglich, ob Prostitution den gewünschten „urbanen Qualitäten“ auf dem Areal zuträglich sei. Noch keinen neuen Sachstand konnte Lüpke zum Philosophicum vermelden. Nach wie vor ist unklar, ob es erhalten und für Wohnzwecke umgenutzt werden kann. Die Frage, ob es einen Erwerber gibt, der sowohl die wirtschaftlichen Bedingungen als auch die Voraussetzungen des Denkmalschutzes erfüllen kann, sei noch nicht entschieden, sagte Lüpke. Auch die Anzahl der Wohnungen, die insgesamt auf dem Campus entstehen können, stehe noch nicht fest.

          Eine Anwohnerin, die sich in den Planungswerkstätten engagiert hatte, bat darum, dass der Bebauungsplan den Bürgern in Bockenheim noch einmal vorgestellt wird.

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