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Projekt Straßenblick : Haste mal Lust auf ’ne Stadtführung?

  • -Aktualisiert am

Ohne Moos nix los: Adam unterhält seine Zuhörerinnen mit Straßengeschichten und lässt sich das Rauchen nicht nehmen. Bild: Wonge Bergmann

Anderthalb Jahrzehnte verbrachte Adam auf Frankfurts Straßen und schlug sich als Schnorrer durch. Nun will ihm eine Gruppe geschäftstüchtiger Studenten eine neue Aufgabe geben.

          Es hätte die beste Nacht in Adams Leben werden können. Wenn er seine Sinne nur ein klein wenig beieinandergehabt, nur ein klein wenig mehr nachgedacht hätte. Aber es gab kein Nachdenken in dieser Nacht, die damit begann, dass Adam auf der Toilette des Hertie-Kaufhauses eine halbe Flasche Korn kippte, und damit endete, dass ihn Polizisten ins Gefängnis brachten. Es gab nur Schnaps und Kippen. Und weil Adam an nichts anderes denken konnte, machte er sich mit einem Werkzeug, das er in der Küchenabteilung aufgetan hatte, an dem Eisenkorb zu schaffen, der die Zigaretten vor Leuten wie Adam verbarg. Deshalb hörte er die Sicherheitsleute nicht kommen.

          Adam ärgert sich noch immer ein wenig darüber. Es war ein Samstag, an dem er, fast besinnungslos, in der Toilette des Kaufhauses an der Zeil eingeschlossen wurde. Er hätte das ganze Wochenende in dem Konsumtempel verbringen können. „Davon hatte ich schon als Kind geträumt“, sagt Adam. Von den teuren Lebensmitteln im Kellergeschoss naschen, der Schmuckabteilung einen Besuch abstatten. Aber nein, am Zigarettenregal war Endstation für den Obdachlosen Thomas Adam, den alle nur mit seinem Nachnamen ansprechen. Die Sicherheitsleute riefen die Polizei, die Polizisten schauten in ihren Akten nach. Dort fand sich eine noch nicht abgesessene Strafe für Schwarzfahren. Die nächsten 30 Tage verbrachte Adam in Preungesheim.

          Geschäftsidee mit sozialem Nutzen

          Mit einigen Jahren Abstand kann der knapp 54 Jahre alte Ex-Knacki und ehemalige Obdachlose dem Kaufhaus-Abenteuer auch lustige Seiten abgewinnen. Da, wo früher Hertie um Kunden warb, steht heute das Karstadt-Haus, und Adam steht mit einer Gruppe aufmerksamer Zuhörer davor. Adam ist einer, den die Leute in seiner norddeutschen Heimat einen Schnacker nennen. Er redet gern, viel und so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Mit seinem Hamburger Akzent könnte er gut und gerne Hafenrundfahrer auf Ausflugsbarkassen bespaßen. Eine Zeitlang arbeitete er als Abo-Verkäufer für Zeitschriften. Vermutlich wissen einige seiner Kunden bis heute nicht, dass er sie über den Tisch gezogen hat, um an Provisionen zu kommen.

          Genauso jemanden hat Krystyna Kotthaus gesucht. Jedenfalls, was die Lust am Erzählen angeht. Kotthaus studiert an der Goethe-Uni und arbeitet dort für eine Gruppe namens Enactus. Ihr Ziel ist es, Geschäftsideen zu entwickeln, die sozialen Nutzen stiften. Eines der jüngsten Projekte heißt Straßenblick. Adam ist die Kernfigur des jungen Businessplans. Von 1990 bis 2006 war er mit kleinen Unterbrechungen obdachlos. Seine Geschichten vom Leben auf Frankfurts Straßen sollen die Leute unterhalten, zum Nachdenken bringen und die Stadt aus einem anderen Winkel betrachten lassen.

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