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Projekt Straßenblick : Haste mal Lust auf ’ne Stadtführung?

  • -Aktualisiert am

Sieht sich selbst als Komatrinker

Seine Rundgänge beginnt Adam dort, wo zwischen 1990 und 2006 seine Tage als Schnorrer begannen. Am Eisernen Steg seien morgens nicht zu viele und nicht zu wenige Leute unterwegs, sagt er. Kleine Gruppen, großer Gewinn, so lautet eine der Faustformeln des Straßenlebens. Zum Glück ist Adam nur Alkoholiker gewesen, nicht Junkie. Ein Drogenabhängiger brauche 100 Mark am Tag, ein Säufer nur zehn, sagt er, zuzüglich Inflationsrate seit Einführung des Euro. Trotzdem musste Adam hin und wieder zu halb- oder illegalen Methoden greifen, um über die Runden zu kommen. Doch zum Kriminellen ist das Nordlicht nicht geboren worden. Das zeigte sich nicht nur in der Nacht im Kaufhaus, sondern auch an dem Tag, als er in der Nähe des Römer eine herrenlose Tasche mitnahm. Darin fand er Landschaftsbilder, die er zu Geld machen wollte. Also postierte er sich auf dem Eisernen Steg und organisierte eine kleine Ausstellung. Wieder machte die Polizei dem Spuk ein Ende. Immerhin konnte Adam die 80 Mark behalten, die er als Kunsthändler schon „verdient“ hatte.

So lustig sich vieles anhört, Adam beschönigt nichts. „Der Alkohol hat mein Leben bestimmt“, sagt er. Der „Flattermann“ sei sein ständiger Begleiter gewesen, so nennt er das Gefühl, nur mit Alkohol funktionieren zu können. Dass er anders trank als andere, ist ihm früh aufgefallen, spätestens auf dem Bau, wo er eine Lehre zum Schlosser absolvierte. Bis das Saufen zum Problem wurde, dauerte es viele Jahre, doch dann ging es schnell. Erst verlor er seinen Job, dann seine Frau, dann die Wohnung. Adam nennt sich einen Komatrinker. „Ich habe erst aufgehört, wenn ich alles verloren hatte.“ Von der Besinnung bis zum sozialen Umfeld. Schließlich landete er in Frankfurt mit nichts als dem, was er tragen konnte.

„Wer hier hungert, ist selber schuld“

Es folgten 15 Jahre, die Adam meist auf der Straße, manchmal in Männerwohnheimen und bisweilen in den Wohnungen von Bekannten verbrachte. Das alles habe er nur durch einen Schleier wahrgenommen, sagt er. Durch einen Nebel, den der ständige Rausch mit sich brachte. Die auf seine rechte Wange tätowierte Spinne ist in dieser Zeit zu einem blau-grünen Klecks verschwommen. „Reeperbahn, 40 Mark“, sagt er. Sich vom Leben zeichnen zu lassen, ist nicht teuer.

Mit seinen Touren kann Adam belegen, dass sich in Frankfurt eine Menge Leute um die Obdachlosen kümmern. Zum Frühstück konnte er damals in die St.-Katharinen-Kirche gehen, wo er auch heute noch bekannte Gesichter trifft, wenn er eine Gruppe dorthin führt. Ein Metzger verteilte Suppenreste, ein Kiosk belegte Brötchen, von einem italienischen Restaurant bekam er Pizza und Salat, wenn er bloß keine Kippen vor der Tür hinterließ und die Gäste nicht anschnorrte. Und so weiter und so fort. „Wer in dieser Stadt hungert, ist selber schuld“, meint Adam. Auf der Straße übernachten muss, zumindest im Winter, auch niemand. In den Männerwohnheimen und in der B-Ebene der Hauptwache gibt es genug Schlafplätze. Aber dort halten es Männer wie Adam nicht auf Dauer aus. Zu viele Regeln, zu viel Gewalt und zu viele Sozialfuzzis, die einen auf den rechten Weg bringen wollen. Und mit dem Konkurrenzkampf zwischen alteingesessenen Tippelbrüdern und Neuankömmlingen aus Südosteuropa habe sich das Klima auf der Platte noch einmal verschlechtert.

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