https://www.faz.net/-gzg-7k168

Projekt „Mehr Männer in Kitas“ : Die Quote steigt nur langsam

Es geht langsam voran: Das große Ziel einer Männer-Quote in Kindertagesstätten von 20 Prozent konnte nicht erreicht werden. Bild: dpa

Nach drei Jahren zieht das Projekt „Mehr Männer in Kitas“ Bilanz. Von den ehrgeizigen Zielen bleiben bescheidene Erfolge. Der Weg zur richtigen Quote scheint noch lang.

          Drei Jahre lang ist in 1300 Kindertageseinrichtungen in Deutschland für „Mehr Männer in Kitas“ geworben worden. An einem der 16 Modellprojekte war auch die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) beteiligt, die Trägerin von etwa 600 Kitas ist. Zum Abschluss der vom Bundesfamilienministerium und dem Europäischen Sozialfonds geförderten Erzieher-Kampagne zog die Projektleiterin der EKHN, Sabine Herrenbrück, nun eine positive Bilanz. Über die verschiedenen Werbeaktionen seien mehr als 4200 junge Leute erreicht worden.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          „Wir sind auf dem Weg zu mehr Männern in Kitas gemeinsam ein Stück weitergekommen“, bilanzierte Herrenbrück. Allerdings habe sich auch gezeigt, dass das ehrgeizige Ziel, den Männeranteil auf 20 Prozent zu steigern, nur langfristig zu erreichen sei.

          Männer unter „Generalverdacht“

          Wie lang der Weg ist, machen die Vergleichszahlen deutlich. Nach der aktuellen Statistik des Statistischen Bundesamtes sind in Kindertagesstätten bundesweit rund 20000 Männer beschäftigt, davon gut drei Viertel als ausgebildete Fachkräfte. Der Männeranteil macht damit 3,6 Prozent aus, was im Vergleich zum Jahr 2011 eine Verbesserung um 0,7 Punkte bedeutet. Ähnlich ist die Entwicklung in den Kitas der EKHN. Dort arbeiten derzeit 5399 Erzieherinnen und Erzieher. Der Männeranteil hat sich von 131 Personen (2,3 Prozent) im Jahr 2009 auf 170 (3,15 Prozent) in diesem Jahr erhöht. Eine „sehr erfreuliche Entwicklung“, so Herrenbrück, gebe es bei den Sozialassistenten. 2011 seien von 181 Sozialassistenten nur 16 männlichen Geschlechts gewesen und damit 8,8 Prozent, heute liege die Quote bei 22,31 Prozent (83 Männer bei 381 Sozialassistentenstellen).

          Wie die Projektleiterin in ihrer Abschlussbilanz hervorhebt, sind für die EKHN aber nicht nur diese harten Fakten ausschlaggebend für eine positive Bewertung. So sei es gelungen, für den Beruf des Erziehers auf Berufsbildungsmessen sehr effektiv zu werben und durch neu entwickelte Vater-Kind-Projekte mehr Männer zur ehrenamtlichen Tätigkeit in Kitas zu bewegen. Gemeinsam mit den beteiligten Kindertagesstätten hätten Vorbehalte gegen die Beschäftigung von Männern in der Kindererziehung aufgegriffen werden können. So habe man sich auf Veranstaltungen mit dem „Generalverdacht“ gegen Männer in Kitas auseinandergesetzt oder über „professionelle Sexualpädagogik“ gesprochen. „Hier wurde ein Signal gesetzt für die weitere Arbeit an dieser Thematik“, sagte Herrenbrück.

          Der Fachbereich Kindertagesstätten im Zentrum Bildung der EKHN wolle das Ziel „Mehr Männer in Kitas“ daher auch nach Abschluss des bundesweiten Projekts weiterverfolgen und in seine Arbeit integrieren. Als letzte Publikation vorgelegt wurde die Broschüre „Best Practice: Männer in Kitas“, die die Ergebnisse des Projekts dokumentiert und zu weiteren Diskussionen animiert.

          Weitere Themen

          Mehr Männer in die Kitas!

          Fachkräftemangel : Mehr Männer in die Kitas!

          In vielen Berufen wird über Frauenquoten diskutiert – bei Erziehern herrscht dagegen Männermangel. Neue Statistiken zeigen: Männer als Tagesväter oder Kita-Personal sind noch immer höchst selten. Das hat Folgen.

          Topmeldungen

          Brexit-Kommentar : Mays Plan B ist Plan A

          Bei keiner wichtigen Frage änderte Premierministerin May ihre Haltung. Sie will nun wieder reden – mit den Abgeordneten und der EU. Dass es jetzt schnell gehen muss, kann sogar ein Vorteil sein.

          Personalie Patzelt : Zwischen den Fronten

          Werner Patzelt soll der sächsischen CDU helfen, ihr Wahlprogramm auszuarbeiten. Seit das feststeht, ist um ihn eine Kontroverse entbrannt – die auch alte Konflikte mit der TU Dresden wieder befeuert.
          Wie ausradiert: Die Zerstörung immer größerer Teile des Gehirns führt zum großen Vergessen und am Ende sogar zum Verlust der Persönlichkeit.

          16 Jahre vor der Demenz : Ein Bluttest für Alzheimer

          Unheilbar, aber nicht unsichtbar: Nachdem deutsche Forscher entdeckten, dass Alzheimer-Spuren lange vor Krankheitsbeginn im Blut zu finden sind, haben sie einen Bluttest entwickelt. Anwendungsreif ist er nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.