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Sterben des Kinos : Kultur im Dunkeln

Leere Sitzreihen: Das Kino kämpft im digitalen Wandeln ums Überleben. Bild: Picture-Alliance

Im Zeitalter des digitalen Wandels droht das große Kinosterben. Denn wer mag sich noch für einige dunkle Stunden auf einen Film konzentrieren – abseits des Smartphones? Ein Kommentar

          1 Min.

          „Im Kino gewesen. Geweint“, hat Kafka vor 105 Jahren in sein Tagebuch notiert. „In den Laptop gestarrt. Geweint“ – schriebe er das heute? Kino ist schließlich mehr als nur der Film auf der großen Leinwand. Wobei schon allein das etwas ganz anderes ist als das digitale Mäusekino auf dem Rechner. Ins Kino zu gehen bedeutet, eine bewusste Entscheidung zu treffen für eine Zeit, einen Ort und einen Film. Oder sich bei einer Sneak Preview überraschen zu lassen. In jedem Fall also bedeutet der Kinobesuch auch Vertrauen in das, was die Programmplaner bieten, und die Bereitschaft, in einem dunklen Raum mit fremden Leuten in eine neue Welt einzutauchen. Kino ist kultureller und sozialer Ort zugleich.

          Nicht nur Pädagogen sehen heute noch einen weiteren riesigen Vorteil darin, mit Kindern und Jugendlichen ins Kino zu gehen: Die Smartphones bleiben aus – das auszuhalten bereitet heute auch Erwachsenen große Schwierigkeiten. Film im Kino verlangt eine Konzentration, die es draußen nur noch selten gibt. Und ein Klassiker in ruhigen Einstellungen, ohne schnelle Schnitte und reißerische Musik, vielleicht sogar in Schwarzweiß, kann völlig neue Perspektiven eröffnen.

          Kinos haben einen schweren Stand

          Es sind die Programmkinos, die ungewöhnlichen, fordernden, anspruchsvollen Filmen Raum geben. Sie haben einen schweren Stand, obwohl sie sich schon viel haben einfallen lassen: Veranstaltungen mit Regisseuren oder Schauspielern, Diskussionen sind regelmäßig ausverkauft, Live-Übertragungen von Oper und Ballett erfreuen sich größter Beliebtheit. Es sind neue Strategien nötig, um die Kinos, gerade auch auf dem Land, in Zeiten des medialen Umbruchs zu erhalten. Weil sie Filmkunst pflegen, den Dialog ermöglichen und weil bewegte Bilder lesen zu lernen eine essentielle Kulturtechnik in einer multimedialen Welt ist.

          Die eine Frage ist also, wie den Kinos geholfen werden kann, ihre Kulturarbeit zu tun. Die andere, wie Jüngere an diese Kultur herangeführt werden. Heute beginnt im Deutschen Filminstitut die nächste Staffel eines Projekts zur Filmbildung ab Kindergartenalter. Es wäre entsetzlich, wenn es für die nächste Generation dieses kostbare Dunkel des Kinos nicht mehr gäbe.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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