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Eintracht Frankfurt : „Problemverein“ an der Schwelle

  • -Aktualisiert am

Die Eintracht-Fans geben alles für ihren Verein - manchmal zu viel Bild: dpa

Das DFB-Sportgericht verzichtet auf die ganz große Keule. Doch der Stehblock 40 bleibt gegen Bayern leer. „Das tut uns weh“, sagt Axel Hellmann. Im Pokal werden auch weniger Zuschauer dabei sein.

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          Von einem „milden Urteil“ sprach Hans E. Lorenz am Montag nicht. Aber die „ganz große Keule“ habe das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) gegen die Frankfurter Eintracht wegen strafmildernder Gründe nicht herausgeholt, sagte dessen Vorsitzender. Aufgrund der Vorkommnisse beim DFB-Pokal-Erstrundenspiel der Hessen in Magdeburg am 21. August wurde die Eintracht zu zwei Zuschauerteilausschlüssen in den Heimspielen gegen Bayern München und Ingolstadt (DFB-Pokal) verurteilt.

          Außerdem müssen die Frankfurter als weitere Sanktion von der Rückrunde an ein personalisiertes Ticketsystem für die Auswärtsspiele einführen und ab sofort 30 bis 50 eigene Ordner mitbringen. „Wir müssen ein gewisses Zeichen setzen“, sagte Anton Nachreiner, der Chef des DFB-Kontrollausschusses. In Magdeburg waren aus dem Frankfurter Fanblock mehrere Leuchtraketen sowie ein Rauchtopf in die Zuschauerränge des Drittliga-Klubs geflogen. Bengalische Feuer, Rauchtöpfe und Böller sind ebenfalls gezündet worden. „Nur der Besonnenheit des Schiedsrichters“ sei es zu verdanken gewesen, „dass das Spiel nicht abgebrochen und zugunsten von Magdeburg gewertet wurde“, betonte Lorenz, der diesmal keine Geldstrafe gegen die Eintracht verhängte.

          Vor den Plädoyers hatten beide Seiten in einem Konsensgespräch eine „einvernehmliche Lösung“ (Nachreiner) gefunden. Rechtsmittel gegen das Urteil legte die Eintracht nicht ein. „Es ist kein leichtes Urteil für uns“, sagte das Frankfurter Vorstandsmitglied Axel Hellmann. „Die Sanktionen in diesem Umfang und in dieser Härte müssen wir schlichtweg akzeptieren.“ Es war in diesem Jahr schon das dritte Sportgerichtsurteil, das gegen die Eintracht erging. „Die Eintracht ist ein regelmäßiger Kunde und Mandant“, sagte Lorenz. „Sie ist einer der Problemvereine in den alten Bundesländern.“ Die „zahlreichen Vorbelastungen“ der Eintracht waren für den Vorsitzenden „strafschärfende Gesichtspunkte“.

          „Ultra-Block“ wird gesperrt

          Hellmann rechnet damit, dass das Gesamtpaket der Sanktionen die Eintracht einen Betrag „im unteren sechsstelligen Bereich“ kosten werde. Beim kommenden Heimspiel am 15. Oktober gegen Bayern München, das die Frankfurter schon als ausverkauft vermeldet hatten, muss nun der Stehblock 40 geschlossen bleiben.

          Das betrifft rund 2000 Zuschauer. Der Block wird vor allem von den Ultras benutzt. Diese Strafe war im DFB-Urteil im Juli zur Bewährung verhängt worden. Das Sportgericht widerrief jetzt die Bewährung. „Das tut uns weh“, sagte Hellmann im Hinblick auf das Bayern-Spiel. Viel weniger Zuschauer werden die Frankfurter am 25. Oktober beim DFB-Pokal-Zweitrundenspiel gegen Ingolstadt empfangen können.

          „Personalisierte Kartenabgabe für Auswärtsspiele“ auferlegt

          Der Zugang ins Stadion wird nur den Sitzplatzkarteninhabern auf der Haupt-, der Gegen- und der Osttribüne gestattet. Das wären etwa 14.000 Personen, sofern sie ihre Option auf den Kauf einer Karte wahrnehmen würden. Ingolstädter Anhänger können die Begegnung ohne Einschränkung besuchen. Die Frankfurter erwarten nun insgesamt rund 10.000 Zuschauer.

          Weil im DFB-Pokal die Einnahmen geteilt werden, muss sich die Eintracht mit dem Gegner auf eine Entschädigungszahlung für entgangene Einnahmen einigen. Der Strafenkatalog des Sportgerichtsurteils sieht zudem vor, dass die Eintracht Frankfurt Fußball AG in Zusammenarbeit mit der Hauptabteilung Prävention und Sicherheit des DFB bis Ende Oktober 2016 ein Auswärtsticketing-System entwickeln und unverzüglich umsetzen muss, „das eine kontrollierte und personalisierte Kartenabgabe für Auswärtsspiele in der Rückrunde sicherstellt“. Die Maßnahme gelte bis zum Rundenende, sagte Lorenz. „So etwas muss funktionieren. Wir werden es sehr ernst nehmen“, sagte Hellmann dazu.

          Hellmann: „Wir stehen an der Schwelle“

          Zu einer Reduzierung des Strafmaßes trug Anwalt Christoph Schickhardt bei. Der Jurist argumentierte mit einem „Quantensprung“ und einer „kompletten Zeitenwende“, die bei der Eintracht eingetreten sei. Seit den Vorfällen von Magdeburg sei „kein Stein auf dem anderen geblieben – auch bei den Fans nicht“. Erstmals habe ein „mutiger Fan“ aus der Kurve eine Täterbeschreibung abgegeben und Videomaterial zur Verfügung gestellt, sagte Schickhardt.

          Nach Darstellung der Eintracht soll der Einzeltäter zu keiner Fangruppe gehören. „Die Polizei sagt, der Fahndungsdruck ist groß“, teilte Schickhardt mit. Nach der dreieinhalbstündigen Verhandlung sagte Hellmann: „Wir wissen, dass wir in einer Phase sind, in der sich entscheiden wird, tritt ein Lerneffekt ein und werden solche Dinge in Zukunft keinen Platz bei uns haben. Oder reißt uns womöglich das weitere kriminelle Verhalten einiger weniger auch als Klub in die Tiefe. Das muss jedem klar sein, dass wir an dieser Schwelle stehen.“

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