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Turnunterricht in Frankfurt : Zum Schulsport quer durch die Stadt

Volltreffer: Glücklich sind die jungen Fußballerinnen der Carl-von-Weinberg-Schule, die eine große Halle haben. Bild: Wonge Bergmann

Der Turnunterricht leidet darunter, dass es zu wenige Hallen gibt. Die Schulen improvisieren, aber langfristige Lösungen sind schwer zu finden.

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          Der alten, seit fast einem Dreivierteljahr geschlossenen Turnhalle trauert an der Holzhausenschule niemand hinterher. Schon am Eingang bei den Toiletten hat es bestialisch gestunken und auch ansonsten war die Bausubstanz völlig heruntergekommen. Wie es jetzt um den Sportunterricht an der Grundschule im Westend bestellt ist, lässt sich allerdings auch kaum als ideal bezeichnen. In Ermangelung einer eigenen Sportstätte müssen die ersten und zweiten Klassen auf Hallen der benachbarten Gymnasien ausweichen, die Drittklässler gehen ein Jahr lang schwimmen und die Viertklässler fahren zum Turnen nach Rödelheim.

          Matthias Trautsch
          Koordination Reportage Rhein-Main.

          Mit dem Problem fehlender oder zu knapper Hallenkapazitäten haben derzeit viele Frankfurter Schulen zu kämpfen, wie auch Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) kürzlich eingestehen musste. Die Ursachen liegen in der oft jahrzehntelang vernachlässigten Bauunterhaltung und Modernisierung sowie in einer Schulentwicklungsplanung, die auf die wachsende Schülerzahl lange nicht reagiert hat. Inzwischen ist die Stadt bereit, hohe Summen zu investieren, aber das scheitert oft an den Standorten. Insbesondere in den zentrumsnahen Stadtteilen sind die Schulgrundstücke so dicht bebaut, dass schlicht kein Platz mehr ist, um eine Turnhalle zu errichten oder zu erweitern.

          Architektonische Lösungen

          Wo es geht, greift die Stadt zu architektonischen Lösungen, auch wenn das teuer kommt. Schon vor zehn Jahren wurde am Heinrich-von-Gagern-Gymnasium eine Halle mit zwei übereinander liegenden Spielfeldern eröffnet, für die Holzhausenschule war eine größtenteils unterirdische Halle im Gespräch. So hätte das Dach als Pausenhof dienen können, allerdings erwies sich das Vorhaben als äußerst aufwendig und kaum zu bezahlen.

          Nicht weniger kompliziert ist die Lage an der Schillerschule in Sachsenhausen. Die Turnhalle ist viel zu klein, manche Schüler fahren bis nach Niederrad zum Sportunterricht und verbringen somit die Hälfte der Doppelstunde in der Straßenbahn. Eine neue Halle ist dem Gymnasium seit langem versprochen und soll nun auch entstehen. Allerdings ist ein Mindestabstand zur Nachbarbebauung einzuhalten – mit der Folge, dass der Bau nicht direkt an der Grundstücksgrenze liegen kann und somit noch mehr als ohnehin vom Schulhof verloren geht.

          Sportunterricht im Klassenzimmer

          Überhaupt keine Halle hat die Falkschule im Gallus. Oft fällt der Sportunterricht deshalb aus, teils findet er auf dem Hof oder bei Regen im Klassenzimmer statt. Die älteren Jahrgänge fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einer Vereinsturnhalle nach Bockenheim. Die Hoffnung von Schulleiter Detlef Lack richtet sich deshalb auf das benachbarte Gelände des alten Polizeipräsidiums. Bei den derzeitigen Verhandlungen von Stadt und Land über das Areal müsste es nach seiner Meinung doch möglich sein, einen kleinen Streifen dem Schulgelände zuzuschlagen, das somit groß genug für eine Turnhalle wäre.

          Das Problem trifft nicht nur die öffentlichen, sondern auch die privaten Bildungsstätten. Die Mundanisschule zum Beispiel ist gerade erst in den früheren Sitz der Frankfurt School of Finance ins Ostend gezogen – ein überaus repräsentatives Gebäude, allerdings ohne Turnhalle und ohne Platz, eine zu bauen. Viele Eltern, die ihr Kind auf die trilinguale Privatschule geben wollen, zögern mit Blick auf die fehlenden Sportmöglichkeiten. Wie es langfristig ohne Halle gehen kann beziehungsweise muss, zeigt die ebenfalls private Rackow-Schule im Nordend. Sie lässt die Jugendlichen zur Eintracht an den Riederwald fahren und kooperiert mit einer Kette von Fitnessstudios.

          Solche Behelfslösungen haben allerdings immer den Nachteil, dass sie logistische, teils auch aufsichtsrechtliche Schwierigkeiten mit sich bringen und die Fahrtzeit vom Unterricht abgeht. Melanie Bootz, Elternbeirätin an der Holzhausenschule, sorgt sich außerdem um die Sicherheit auf dem Weg, zum Beispiel beim Ein- und Aussteigen aus den Bussen in unübersichtlichen Verkehrssituationen. Im Fall ihrer Schule sei die Halle in Rödelheim auch nicht wirklich für Grundschüler geeignet: Die Kinder dürften die vereinseigenen Sportgeräte nicht nutzen und weil in der Halle auch Abendveranstaltungen stattfänden, rieche es dort nach Rauch und Essen.

          „Für ein Schuljahr ist so eine Sache hinnehmbar“, sagt Konrektor Markus Witte. „Aber wir brauchen eine Perspektive.“ Diese besteht langfristig in der Generalsanierung der Holzhausenschule und dem Neubau einer Turnhalle, die gemeinsam mit dem Gymnasium Nied genutzt werden soll. Im Sommer 2019 sollen jedoch beide Schulen zunächst in einen provisorischen Bau zwischen Westend-Campus der Universität und Miquelallee umziehen. Ob es dort eine Turnhalle geben wird, kann Dezernentin Weber noch nicht sagen. Wünschenswert sei es jedenfalls.

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