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Investitionsstau : Privatisiertes Uni-Klinikum in Finanznot

Verbund: Die Universitätsklinik Gießen gehört wie der Standort Marburg zum Rhön-Klinikum und damit auch zu Asklepios Bild: dpa

Weil das Land kein Geld für Investitionen hatte, hat es das Uni-Klinikum Gießen und Marburg vor 15 Jahren privatisiert. Nun mangelt es dort wieder an Geld in dreistelliger Millionenhöhe.

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          Werner Seeger hilft als Mediziner jeden Arbeitstag anderen Menschen. Nun aber ruft der Lungenspezialist vom Uni-Klinikum Gießen und Marburg selbst um Hilfe. Der Grund ist zwar keine Krankheit, jedoch schwerwiegend. Dem bisher einzigen privatisierten Uni-Klinikum in Deutschland mangelt es an Geld. In den vergangenen Jahren ist ein Investitionsstau in dreistelliger Millionenhöhe entstanden, wie der langjährige Hochschullehrer und Klinikdirektor sagt. Im Rückblick auf 2021 spricht er vom schwierigsten Jahr des Hauses, an das er sich erinnern könne. Das habe zum einen an der Corona-Pandemie gelegen – das Klinikum habe viel mehr schwere Covid-19-Fälle betreut, ohne andere schwerst Erkrankte zu vernachlässigen, als andere Kliniken. Zum anderen spricht Seeger von einer „dramatischen Unterfinanzierung mit Investitionsmitteln“.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Investitionen in innovative Geräte seien schon seit mehreren Jahren kaum mehr möglich. Selbst der Ersatz unverzichtbarer Routinegeräte, wie zum Beispiel Ultraschallgeräte, sei mittlerweile kaum zu finanzieren. Dieser Mangel drohe sich nun auf die medizinische und pflegerische Arbeit auszuwirken. Die Belegschaft habe versucht, trotz dieser widrigen Bedingungen den Notwendigkeiten universitätsklinischer Patientenversorgung ohne Abstriche nachzukommen. „Wir stehen jetzt aber definitiv an der Schwelle, dass durch den fehlenden Ersatz von Medizingeräten und ausbleibende Geräteinnovation Betriebsabläufe und Patientenversorgung gefährdet werden“, erläutert Seeger.

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