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Urlaub in Corona-Zeiten : Privater Reiseschutz ist wichtiger denn je

Notwendiges Accessoire: Auch in vielen Schweizer Skigebieten sind in dieser Wintersaison Schutzmasken vorgeschrieben. Bild: dpa

Die einen haben den Winterurlaub längst abgeschrieben, andere überlegen, ob sie trotz Reisewarnung in die Berge fahren. In jedem Fall sollten sich nicht ohne eine Auslandskrankenversicherung reisen, die Corona mit einschließt.

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          Wird es in diesem Winter überhaupt möglich sein, in die Berge zu reisen und Ski zu fahren? Diese Frage beschäftigt viele vor Beginn der Wintersaison. Österreich, Italien, Schweiz, Frankreich – alle Länder, in denen dies möglich wäre, hat das Auswärtige Amt angesichts der jeweiligen Infektionslage zu Risikogebieten erklärt und warnt vor nicht notwendigen, touristischen Reisen. Das heißt aber nicht, dass eine Reise in die Skigebiete verboten ist.

          Manch einer, dem es in den Oberschenkeln juckt, wird sich daher nicht vom Pistenvergnügen und der neuen Quarantänepflicht von mindestens fünf Tagen im Anschluss abhalten lassen – immer vorausgesetzt, die Lage spitzt sich nicht weiter zu und die Grenzen werden wieder geschlossen. In jedem Fall sollte, wer partout reisen will, sich um einen privaten Krankenzusatzschutz für das Ausland kümmern. Dieser war schon immer wichtig, um etwa für den Fall vorzusorgen, dass bei einer Erkrankung oder nach einem Unfall ein Rücktransport nach Deutschland nötig ist. Weil nun die Gefahr besteht, sich im Urlaub mit Corona anzustecken, kommt der privaten Police eine noch größere Bedeutung zu. Die Gefahr, teure Privatleistungen in Anspruch nehmen und dafür selbst zahlen zu müssen, ist wegen Corona höher.

          Dabei ist es nicht so, dass die gesetzlichen Krankenkassen ihre Versicherten im Ausland gänzlich im Stich lassen. Trotz Corona gelten nach Angaben des Spitzenverbandes GKV auch die bisherigen Regeln bei der Versorgung im EU-Ausland. Das heißt: Wer sich beim Skifahren in Österreich oder der Schweiz das Bein bricht und an Ort und Stelle operiert werden muss, für den springt in der Regel seine Krankenkasse ein.

          Immer erst die eigene Krankenkasse kontaktieren

          Ein Abkommen der gesetzlichen Krankenversicherung in der Europäischen Union ist dafür die Grundlage. Es gilt unter anderem auch in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz. In diesen Ländern ist die Europäische Versicherungskarte, kurz Ehic (für „European Health Insurance Card“) akzeptiert. Das Symbol dafür finden hiesige Versicherte auf der Rückseite ihrer Gesundheitskarte. Nach Angaben des GKV klappt der Einsatz der Karte jedoch nicht immer reibungslos. Weshalb eine Sprecherin empfiehlt, immer erst die eigene Krankenkasse zu kontaktieren, bevor man eine Rechnung im Ausland unterschreibt.

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          Grundsätzlich kommt es darauf an, dass der behandelnde Arzt oder die Klinik im Urlaubsland in einem Vertragsverhältnis mit der gesetzlichen Versicherung steht, also Patienten nicht ausschließlich privat behandelt. Genau hier liegt die Crux, wie der Sprecher der nationalen Kontaktstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung, einer Einrichtung des GKV-Spitzenverbandes, deutlich macht. Wegen Corona seien die Vertragskliniken der Gesetzlichen stark ausgelastet. „Die Wahrscheinlichkeit, dass man bei einem Unfall in eine Privatklinik gebracht wird, ist jetzt umso größer.“ Als Patient habe man keinen Einfluss darauf. Am Ende droht dann eine hohe Privatrechnung.

          Auslandskrankenversicherungen zahlen teure Rücktransporte

          Eine Extra-Reiseversicherung empfiehlt der Sprecher aber auch aus einem anderen Grund. Erstattet werden im Notfall von der Krankenkasse immer nur die Kosten für eine Behandlung, die auch Einheimische des Urlaubslandes von ihrer Versicherung bezahlt bekämen. In der Regel liegen die Leistungen unter dem Niveau des deutschen Gesundheitssystems. In Frankreich etwa müssen Kassenpatienten grundsätzlich 30 Prozent der Arzt- und 20 Prozent der stationären Behandlungskosten selbst übernehmen – das gilt dann auch für deutsche Urlauber.

          Die Auslandskrankenversicherung gleicht solche Differenzen aus. Und springt zudem ein, wenn teure Rücktransporte oder Hubschrauberflüge von der Unfallstelle in eine Klinik bezahlt werden müssen. Einen Rundum-Schutz für beliebig viele Urlaubsreisen von sechs bis acht Wochen gibt es schon für unter 20 Euro im Jahr. Tarife findet man über Vergleichsportale wie check24.de oder verivox.de. Wer schon eine Police hat, sollte in jedem Fall überprüfen, ob sie auch die Erkrankung an Corona im Ausland und im Risikogebiet mit abdeckt. Andernfalls empfiehlt es sich, den Versicherer zu wechseln.

          Infos

          Die nationale Kontaktstelle für grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung ist unter der Nummer (0228)9530800 zu erreichen; weitere Infos im Internet.

          Quarantäne-Ausnahmen

          Nach den neuen Vorschriften muss ein Einreisender aus einem Risikogebiet zwar nur noch für zehn statt bisher vierzehn Tage in Quarantäne. Dafür aber kann er erst frühestens nach fünf Tagen mit einem negativen Test seine Isolation beenden. Bis zum 7. November war es möglich, bei Einreise einen negativen Test vorzulegen, der nicht älter als 48 Stunden war. Anders als zur Zeit der geschlossenen Grenzen, als sich Familien und Lebenspartner über viele Wochen nicht sehen konnten, hat sich die Politik diesmal auf Ausnahmen von der Regel geeinigt, die jedes Bundesland selbst definieren kann. Hessen folgt der Muster-Verordnung des Bundes. Danach gilt: Kurze Privatbesuche naher Angehöriger in Risikogebiete und aus Risikogebieten sind auch ohne Quarantäne möglich. Verwandte ersten Grades ebenso wie die nicht dem gleichen Hausstand angehörigen Ehepartner oder Lebensgefährten können sich sogar 72 Stunden in einem Risikogebiet aufhalten, ohne dass sie anschließend einen Test machen müssen. Sind sie länger unterwegs, reicht wie bisher ein negativer PCR-Labortest bei oder direkt nach der Einreise. Dieser ist auch bei Besuchen von Verwandten zweiten Grades nach einem 72-Stunden-Aufenthalt vorgeschrieben. Bis zum Ergebnis gilt stets die Pflicht, sich selbst zu isolieren. Ob kurzer oder längerer Aufenthalt: In beiden Fällen sollte das Gesundheitsamt über die Reise informiert werden. Fragen dazu beantworten die Mitarbeiter der hessischen Corona-Hotline unter (08 00) 5 55 46 66 oder des Bürgertelefons der Hessischen Landesregierung unter      06 11/32 11 10 00.

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