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Aussagen zur Homosexualität : Vatikan verweigert Priester das Rektorenamt

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Positive Aussagen zur Homosexualität: Dem Vatikan ist Pater Ansgar Wucherpfennig ein Dorn im Auge. Bild: Helmut Fricke

Im Februar noch war der Jesuitenpater für eine weitere Amtszeit als Rektor der katholischen Hochschule Sankt Georgen gewählt worden. Doch positive Aussagen zur Homosexualität haben Ansgar Wucherpfennig nun den Job gekostet.

          Positive Aussagen zur Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare haben eine weitere Amtszeit des Rektors der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen, den Jesuitenpater Ansgar Wucherpfennig, verhindert. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und die „Frankfurter Rundschau“ berichten, verweigert die Bildungskongregation im Vatikan dem Geistlichen das „Nihil Obstat“ (Unbedenklichkeitserklärung) und verlangt einen öffentlichen Widerruf seiner Positionen. Im Februar sei Wucherpfennig für eine dritte zweijährige Amtszeit mit großer Mehrheit wiedergewählt worden. Nach Sicht des Vatikans stimmen diese Äußerungen „nicht mit der Lehre der Kirche“ überein, heißt es in einer gemeinsamen Presseerklärung des Jesuitenordens und des Bistums Limburg.

          Wucherpfennig bestätigte auf Anfrage, dass er Ende September die Hochschulkonferenz über den Vorgang unterrichtet habe. Der Limburger Bischof Georg Bätzing und das Oberhaupt des deutschen Jesuitenordens, Johannes Siebner, wollen an Wucherpfennig jedoch festhalten. Siebner sagte den Zeitungen, er stehe uneingeschränkt hinter Wucherpfennig. In einem Antwortschreiben habe er sich „befremdet“ über das römische Vorgehen gezeigt. „An Pater Wucherpfennigs Expertise, seiner Loyalität und damit auch an seiner Eignung für das Rektorenamt bestehen für mich nicht die geringsten Zweifel.“

          Unerträglicher Vorgang

          Bätzing und Siebner hoffen, dass der Vatikan Wucherpfennigs Bestätigung als Rektor doch noch zustimmen wird. „Ich kann mir, ehrlich gesagt, gar nichts anderes vorstellen, als dass es sich um ein Missverständnis handelt. Ansonsten wäre es ein empörender Vorgang“, erklärte Siebner. Bischof Bätzing hat seine Zustimmung zur Wiederwahl Wucherpfennigs bereits erklärt. Der Limburger Bischof habe auch in Rom deutlich gemacht, dass „Bistum und Jesuitenorden gut beraten sind, an der bewährten Hochschulleitung festzuhalten“. Man gehe jedoch auch weiterhin von einer gütlichen Lösung aus.

          Der Vorsitzende des Bundes der katholischen Jugend (BDKJ), Thomas Andonie, nannte die geplante Absetzung einen „unerträglichen Vorgang“. „Hier missbrauchen Akteure der Kirche ihre Macht“, sagte er. Auch die katholische Laienbewegung „Wir sind Kirche“ rief zum Widerstand gegen die Entscheidung des Vatikans auf.

          2016 hatte Wucherpfennig, Professor für Neues Testament, die biblischen Verurteilungen der Homosexualität in einem Interview als „tiefsitzende, zum Teil missverständlich formulierte Stellen“ bezeichnet, wie die Zeitungen berichten. Wucherpfennig, der im katholischen Stadtdekanat Frankfurt auch als Homosexuellen-Seelsorger wirkt, sprach sich demnach für eine stärkere kirchliche Anerkennung von gleichgeschlechtlich Liebenden aus.

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