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Kirchen-Verfahren läuft noch : Priester wegen Kinderpornos verurteilt

Verdunkelt: Die Statue des heiligen Bonifatius steht vor einem regenschweren Himmel in Fulda Bild: dpa

Wegen des Besitzes von Kinderpornographie sowie wegen Nötigung hat ein Gericht einen Priester aus dem Main-Kinzig-Kreis verurteilt. Der Mann war laut Bistum zuvor schon auffällig geworden.

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          Das Amtsgericht Gelnhausen hat einen 52 Jahre alten Priester aus dem Bistum Fulda wegen des Besitzes von Kinder- und Jugendpornographie sowie wegen Nötigung und Beleidigung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe mit vierjähriger Bewährung verurteilt. Ein entsprechender Strafbefehl sei kürzlich ergangen, sagte ein Sprecher des Bistums auf Anfrage. Der Priester, Martin K. aus Marborn im Main-Kinzig-Kreis, habe nun bis zum 18. August Zeit, um dagegen vorzugehen.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Verdacht gegen den Mann war im Januar öffentlich geworden. Damals leitete die Staatsanwaltschaft in Hanau Ermittlungen gegen K. ein, weil sie ihn verdächtigte, kinder- und jugendpornographische Schriften zu besitzen. Das Bistum suspendierte den Mann daraufhin und verbot ihm bis auf weiteres, jegliche priesterliche Tätigkeit auszuüben.

          Seit Monaten in einer Klinik

          Vor Gericht war der Priester jüngst nicht erschienen. Er hält sich nach Bistumsangaben seit Monaten in einer Klinik auf, wo er eine Therapie macht. Diese muss er laut Gericht nun um mindestens 60 Sitzungen verlängern.

          Die Nötigung und die Beleidigung ergibt sich dem Bistumssprecher zufolge aus einem Chatverlauf. Dort habe sich der Priester als Achtzehnjähriger ausgegeben und Kontakt zu einer damals Minderjährigen gesucht. Als das Mädchen seine Annäherungen nach einiger Zeit zurückwies, beleidigte und beschimpfte er sie, unter anderem soll er sie als „dreckiges Miststück“ tituliert haben. An die mittlerweile 19 Jahre alte Frau muss der Priester deshalb 800 Euro Schmerzensgeld zahlen.

          „2004 schon einmal auffällig geworden“

          Sobald der Strafbefehl rechtskräftig ist, will das Bistum das kirchenrechtliche Verfahren fortsetzen. „Wir wollen schnell, gerecht und transparent entscheiden“, äußerte der Bistumssprecher. Bislang ist Martin K. suspendiert. Am Ende der internen Ermittlungen, die schließlich für eine Entscheidung nach Rom geschickt würden, könne auch eine Entlassung aus dem Klerikerdienst stehen.

          Der Umgang mit Martin K. wird auch deshalb genau beobachtet, weil der Priester nach Bistumsangaben vom Januar im Jahr 2004 schon einmal auffällig geworden war. Damals sei er der sexuellen Beleidigung beschuldigt worden. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft habe K. damals eine Geldstrafe auf Bewährung erhalten.

          Später sei der Mann dann trotz seiner Vorgeschichte „unter Auflagen“ in Marborn eingesetzt worden. Dort war K. seit 2007 als Pfarradministrator tätig. Eigentlich ist ein Administrator nur mit der vorübergehenden Leitung einer Pfarrei betraut. Beobachter sehen darin einen frühen Hinweis auf Zweifel der Bistumsführung an der Eignung des Priesters.

          trö.

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