https://www.faz.net/-gzg-9vvsm

Die etwas andere Gartenschau : Interkommunale Premiere in Hessen

Begründete Befestigung: Schon jetzt bieten sich an der Büdinger Stadtmauer gärtnerische Blickfänger. Bild: privat

Es wäre die erste dieser Art in Hessen: Elf Städte und Gemeinden in der Wetterau könnten die Landesgartenschau gemeinsam ausrichten. Blumen sollen bei dieser Veranstaltung allerdings nicht im Fokus stehen.

          3 Min.

          Die erste Bewerbung für eine interkommunale Landesgartenschau in Hessen könnte aus der östlichen Wetterau und dem südlichen Vogelsberg kommen. Einstimmig haben dieser Tage die Stadtverordnetenversammlungen von Ortenberg und Gedern sowie die Gemeindevertretung Hirzenhains in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, am Interessenbekundungsverfahren des Landes teilzunehmen, sozusagen die Vorstufe zur Bewerbung. Nun sollen entsprechende Beschlüsse weiterer Kommunen folgen. Von positiven Voten ist auszugehen, hatte sich doch schon der Verein Oberhessen, dem alle elf Kommunen der potentiellen Gartenschauregion von Limeshain bis Schotten, Nidda bis Büdingen angehören, einmütig für die Beteiligung an der ersten Stufe des Bewerbungsverfahrens ausgesprochen.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Damit verbunden ist der Auftrag für eine Machbarkeitsstudie, die als Grundlage dafür dient, ob die Wetterauer Kommunen im Rennen bleiben wollen oder nicht. Vorliegen soll sie im Sommer. Als wesentlicher Financier der Studie hat sich die Stiftung der Sparkasse Oberhessen bereitgefunden. Den restlichen Betrag übernehmen die Kommunen nach dem Einwohnerschlüssel. In der Studie geht es beispielsweise um Untersuchungen zur Beschaffenheit von Natur und Landschaft für mögliche Flächen der Schau, um Anbindungen an das überregionale Verkehrsnetz durch Straßen und Schienen sowie auch um Rad- und Wanderwege, welche die Kommunen und ihre jeweiligen Beiträge zur Gartenschau miteinander verknüpfen könnten. Unter die Lupe genommen wird, welche Angebote es für Besucher schon gibt. Es sollen in diesem Zusammenhang Vorschläge unterbreitet werden, was noch ausbaufähig ist, um beim großen Publikum gut anzukommen.

          Besonderer Lebensraum

          Was schon feststeht, ist, dass in der östlichen Wetterau eine Landesgartenschau in anderem Format stattfinden würde, wie es heißt. Also keine Veranstaltung, die vor allem als Blumenschau daherkommt. Vielmehr gehe es um die Präsentation einer vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft, wie Bernd-Uwe Domes von der Wirtschaftsförderung Wetterau, die das Vorhaben federführend begleitet, sagt. Das reicht von Einblicken in Land- und Forstwirtschaft, die diese Landschaft seit Generationen prägen, über Naturschutz bis zu Baudenkmälern, Ausflugs- und Urlaubszielen.

          So punktet beispielsweise das Vogelsbergstädtchen Schotten mit einzigartiger Natur und Landschaft, die vulkanischen Ursprungs ist. In den Feuchtgebieten von Nidda, Nidder, Seemenbach und Horloff hat sich dank Renaturierungen eine Auenlandschaft gebildet, mit Flora und Fauna, wie sie in Hessen in dieser Vielfalt kaum anzutreffen ist. Zuletzt ist bei Ortenberg in den Niederungen der Nidder ein vielbeachtetes Naturschutzzentrum entstanden, das mit den Besonderheiten dieses Lebensraums anschaulich vertraut macht.

          Vielfalt: Etliche Tier- und Pflanzenarten haben sich in den renaturierten Auen der Nidder angesiedelt.
          Vielfalt: Etliche Tier- und Pflanzenarten haben sich in den renaturierten Auen der Nidder angesiedelt. : Bild: Cornelia Sick

          Eine andere Attraktion ist der Kurpark im Niddaer Ortsteil Bad Salzhausen, einer der ältesten seiner Art in Deutschland. Überall lockt dieser Teil der früheren Provinz Oberhessen mit geschichtsträchtigen Ortschaften und Bauwerken aus vielen Jahrhunderten.

          Büdingen zum Beispiel hat einen fast lückenlos erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern vorzuweisen, der den Vergleich mit den bekanntesten Touristendestinationen dieser Art in Deutschland nicht zu scheuen braucht. Ortenberg besitzt ebenfalls eine sehenswerte Altstadt, am Gederner See lässt sich Freizeit in intakter Natur erleben. Mit dem Bonifatius-Weg und dem Vulkanradweg führen überregionale Ausflugsrouten durch die östliche Wetterau und den Vogelsberg. All das ließe sich einbinden und noch besser herausstellen in einer Gartenschau, die nicht an Stadtgrenzen endet, sondern die eine ganze Region als Bühne hat und die dafür einen Millionenbetrag als Investitionszuschuss vom Land erhielte und zudem bei der Vergabe von Mitteln aus verschiedenen Töpfen von der Verkehrsinfrastrukturförderung bis zum Denkmalschutz bevorzugt würde. Eine solche Großveranstaltung könne zum „Turbo für kommunale Entwicklungen“ in gleich einem knappen Dutzend Gemeinden werden, heißt es.

          Interkommunale Gartenschau

          Ermutigt sehen sich die Befürworter einer Landesgartenschau im Altkreis Büdingen durch das Beispiel im benachbarten Bundesland Baden-Württemberg. Dort hatte im vergangenen Jahr im Remstal eine interkommunale Gartenschau Premiere, an der sich 16 Städte und Gemeinden aus drei Landkreisen beteiligten. Die Organisatoren sprechen von einer Erfolgsgeschichte. Nicht nur hinsichtlich der vielen Besucher, sondern auch für die Menschen in dieser Region selbst. Die Veranstaltung und ihre Vorbereitungen seien identitätsstiftend gewesen. Es habe keine eingezäunten Bereiche gegeben, sondern eine große Natur- und Gartenlandschaft, was Einheimische wie Gäste gleichermaßen zu schätzen gewusst hätten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Tourismus : Ischgl ohne Après-Ski

          Der Corona-Ausbruch hat dem Tiroler Skigebiet zugesetzt. Knapp ein Jahr danach keimt in der Region neue Hoffnung. Wie wird die Skisaison mit Hygienemaßnahmen aussehen?

          Querdenker und Reichsbürger : Audienz bei König Peter I.

          Die Gruppe der „Querdenker“ grenzt sich öffentlich von Extremisten ab. Im Geheimen trafen sich Gründer Michael Ballweg und Mitstreiter jedoch mit einem Reichsbürger. In der Bewegung rumort es, der schillernde Pressesprecher nimmt seinen Hut.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.