https://www.faz.net/-gzg-7xaw7

Violence Prevention Network : „Im Jugendvollzug werden viele Salafisten rekrutiert“

  • Aktualisiert am

Gegen Gewalt: Thomas Mücke (links), Mitbegründer und Geschäftsführer von Violence Prevention Network, und Innenminister Peter Beuth im Oktober 2014 Bild: Eilmes, Wolfgang

Das Violence Prevention Network kümmert sich um die Islamisten-Szene in den Gefängnissen. Dort ist Prävention besonders wichtig - doch jetzt fehlt Geld.

          Viele junge Salafisten radikalisieren sich nach Einschätzung von Fachleuten im Gefängnis. „Der Jugendvollzug ist eines der problematischsten Rekrutierungsfelder“, sagt der Geschäftsführer des Violence Prevention Networks (VPN), Thomas Mücke. Viele junge Straftäter „seien hochgradig gefährdet“. Sie hätten niedrige Bildungsabschlüsse, seien sehr gewaltbereit und suchten einfache Erklärungen für ihr Leben. Viele Syrien-Ausreisende seien zuvor straffällig gewesen. „Im Jugendvollzug sind daher Präventionsangebote besonders wichtig“, sagt Mücke. Allerdings fehle dafür das Geld.

          So sei derzeit völlig unklar, wie das bundesweite VPN-Programm „Abschied von Hass und Gewalt“ von 2015 an fortgeführt werden könne. „Die Finanzierung läuft Ende dieses Jahres aus.“ Zu dem über Modellprojekte finanzierten Programm gehört ein intensives viermonatiges Gruppentraining im Gefängnis und eine umfassende Betreuung nach der Entlassung.

          „Gezielt und alltagsnah“

          Bislang haben neun Justizvollzugsanstalten in Deutschland mitgemacht - darunter in Hessen das Gefängnis in Wiesbaden. Ziel ist es, „junge Menschen gezielt und alltagsnah in Arbeit und Gesellschaft zu integrieren und sie zugleich dabei zu unterstützen, Abstand zu gewinnen zu extremistischen Haltungen und Szenen sowie schädigenden Verhaltensweisen“, ist in dem Programm zu lesen.

          Neben dem Trainingsprogramm seien noch andere Präventions- und Bildungsangebote zum Thema Salafismus in den Jugendgefängnissen notwendig, sagte Mücke. Außerdem müsse die islamisch-muslimische Seelsorge in den Haftanstalten installiert werden. Darüber werde auch die nächste Islamkonferenz auf Bundesebene sprechen.

          217.500 Euro vom Land

          In Hessen ist VPN als Träger des ersten landesweiten Präventionsnetzwerks gegen Salafisten auch in Gefängnissen aktiv. „Wir nehmen mit allen bekannten Fällen Kontakt auf, einzeln und direkt“, sagte Mücke. Dies gelte auch für Kreshnik B. nach seiner Verurteilung.

          Kreshnik B. war am Freitag im ersten deutschen Prozess gegen einen Syrien-Rückkehrer zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung des Frankfurter Oberlandesgerichts hatte sich der 20 Jahre alte Deutsche in der Terrormiliz „Islamischer Staat im Irak und Groß-Syrien“ („Islamischer Staat“/IS) beteiligt.

          Die Landesregierung in Wiesbaden unterstützt das Präventionsnetzwerk mit rund 217.500 Euro in diesem und 400.000 Euro im nächsten Jahr. Für das Anti-Gewalt und Kompetenztraining in den Gefängnissen gibt es aber kein eigenes Geld.

          Weitere Themen

          Im Sog radikaler Reflexe

          50 Jahre 1968 : Im Sog radikaler Reflexe

          Mit einiger zeitlicher Verzögerung brachte die Achtundsechziger-Revolte auch in der Frankfurter Kommunalpolitik die Verhältnisse zum Tanzen. Erst gärte es in der SPD, dann stand die CDU vor einer Zerreißprobe.

          Nicht alle sind verschwiegen

          Koalitionsgespräche in Hessen : Nicht alle sind verschwiegen

          Hessens CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier hat am womöglich doppelten Grund zu feiern: Seinen 67. Geburtstag und die Einigung mit den Grünen über eine Fortsetzung der Regierungskoalition.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.