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Positionskämpfe : Millionensummen bewegen die Eintracht

  • -Aktualisiert am

Manager Bruno Hübner hätte gerne neue Spieler. Bild: Wonge Bergmann

Wird das Minus der Fußball-AG deutlich größer als gedacht? Wie offensiv darf Manager Hübner noch einkaufen? Frankfurt erlebt Positionskämpfe.

          3 Min.

          Das Gesicht der Fußballmannschaft von Armin Veh soll sich alsbald ändern. Spätestens bis Mitte der zweiten Januar-Woche will der Trainer der Eintracht zusammen mit Sportdirektor Bruno Hübner den Kader soweit verändert haben, dass er personell gestärkt in die zweite Saisonhälfte geht. Nach dem Ende der Hinrunde in der zweiten Liga liegen die Frankfurter aussichtsreich im Rennen, aber nur noch auf dem dritten Tabellenplatz. Dem Team ging im Schlussspurt vor der Weihnachtspause spürbar die Puste aus. Es musste in vier Partien zwei Niederlage hinnehmen und kam zu Hause gegen den unmittelbaren Konkurrenten Fürth nicht über ein torloses Remis hinaus. Veh, dem im Vergleich mit den Mitbewerbern der mit dreißig Mann größte Kader zur Verfügung steht, erhofft sich daher „für alle Mannschaftsteile“ neue Leute, um die Qualität zu steigern und den Aufstieg wie gewünscht in Angriff nehmen zu können. Sie sollten, wenn möglich, schon mit ins Trainingslager vom 14. bis 24. Januar nach Qatar reisen.

          Besonders ins Interesse der Frankfurter Verantwortlichen sind zwei Profis gerückt, die kürzlich von ihren bisherigen Klubs in der ersten Liga aussortiert wurden: Hanno Balitsch und Heiko Butscher. Balitsch, dreißig Jahre alt und als laufstarker Mittelfeldmann bekannt, hat in Leverkusen nach einem Zerwürfnis mit Trainer Robin Dutt keine Zukunft mehr. Heribert Bruchhagen, der Vorstandsvorsitzende der Eintracht, soll sich, so meldete es die Zeitung „Express“, schon bei seinem Bayer-Kollegen Wolfgang Holzhäuser nach den Konditionen des gebürtigen Hessen erkundigt haben. Bei Balitsch, der aus Alsbach im Odenwald stammt, würde Leverkusen mit sich reden lassen, hieß es von Holzhäuser, der den Defensivallrounder am liebsten komplett von der Gehaltsliste gestrichen sähe, zumal er als nicht immer teamfähig und unter Kollegen als Mann gilt, der von egoistischen Motiven getrieben, wird.

          „Der Etat ist gänzlich ausgereizt“, verkündete Bruchhagen

          Balitsch könnte bei der Eintracht neben Schwegler auf der Sechserposition vor der Viererkette spielen, was Veh die Option böte, Sebastian Rode auf Rechtsaußen zu versetzen. Einen neuen Klub muss sich auch Heiko Butscher suchen, der beim SC Freiburg aussortiert wurde. Der 31 Jahre alte Abwehrspieler war zuletzt Kapitän der Elf aus dem Breisgau und wäre dem Vernehmen nach für eine „geringe Ablöse“ zu haben. Dies käme der Eintracht gelegen, denn ihre finanzielle Situation will nicht zu recht zu ihren Ambitionen passen.

          „Der Etat ist gänzlich ausgereizt“, verkündete Bruchhagen vor seiner Abreise in den Silvesterurlaub auf die Nordseeinsel Juist, und er mahnte Hübner dringlich, zunächst Spieler zu veräußern, bevor er mit der Bitte um Neuverpflichtungen an den Vorstand der Fußball-AG herantrete: „Erst muss Bewegung in den Kader.“ Spielerverkäufe sollen im Winter frisches Geld einbringen und zugleich Bewegungsfreiheit für gezielte Nachbesserungen schaffen. Kandidaten gibt es mit Caio, Bellaid, Clark, Korkmaz, Alvarez, Schmidt oder Tzavellas. Offiziell hält der Klub zwar an seiner Prognose aus dem Herbst fest, dass das Minus sich in dieser Saison auf rund fünf Millionen Euro belaufen wird. Intern macht aber längst eine Prognose die Runde, wonach sich der Fehlbetrag in dem von 67 auf 40 Millionen reduzierten Budget wohl auf das Doppelte belaufen wird. Damit wären im Juni auch die letzten Rücklagen aufgebraucht. Wilhelm Bender, der Aufsichtsratsvorsitzende, wünschte den Verantwortlichen in der AG angesichts der tiefroten Zahlen schon „schlaflose Nächte“.

          Der Druck werde erhöht

          Bruchhagen hatte in einem Interview mit dieser Zeitung Anfang September Hinweise auf grundsätzliche und gravierende finanzielle Schwierigkeiten in dieser Spielzeit dementiert. „Der Verein ist nicht im Ansatz gefährdet“, lautete seine Kernaussage, und er fügte seinerzeit an: „Die Eintracht ist grundsolide.“ Selbst das „Horroszenario“, das Verpassen des Aufstiegs, sei wirtschaftlich verkraftbar, denn der Klub habe seine Zukunft nicht verkauft. Sprich: Anders als mancher Mitbewerber befinde sich die Eintracht nicht im Griff von Investoren, sie sei von keinem Mäzen abhängig und habe auch keine künftigen Einnahmen verpfändet. Bruchhagen versicherte nun abermals, dass die Eintracht stark genug sei, „dass sie auch ein zweites Jahr zweite Liga überstehen würde“. Allerdings gäbe es weitere Einbußen vor allem im Sponsoring.

          Auch aus Hübners neuester Mitteilung lässt sich der Hinweis heraushören, dass die Spielräume eng geworden sind. Der Fünfzigjährige räumte gegenüber der „Frankfurter Rundschau“ ein, „dass wir im Budget für die Lizensierung ein bisschen hinten dran sind“. Dies erhöhe den Druck. In der winterlichen Transferperiode gehe es nun darum, das Aufgebot zu verkleinern, um Geld zu sparen, gleichzeitig müssten aber neben dem Ghanaer Mohammed Abu weitere Zugänge verpflichten werden, um die Mannschaft im Wettstreit mit Düsseldorf, Fürth und St. Pauli konkurrenzfähig aufzustellen. Hübner plädiert dabei für mehr Mut zum Risiko: „Wenn wir nicht aufsteigen“, mahnte er auch an Skeptiker in den eigenen Reihen, „wäre das viel teurer als alles andere, das muss jedem klar sein.“ Seine Rechnung: Ein Verpassen der Rückkehr in die erste Klasse koste rund dreißig Millionen Euro.

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