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Porzellan Museum Höchst : Als Schokoladetrinken noch unzüchtig war

Im Barock und Rokoko setzten sich die exotischen Getränke durch, die wir so gerne trinken: Tee, Kaffee und Kakao. Ein Besuch im Porzellan Museum Höchst.

          Marie Antoinette hat es auf die Spitze getrieben. Im Garten des kleinen Schlosses „Trianon“ nahe Paris ließ sich die französische Königin im 18. Jahrhundert ein kleines Dorf bauen. Hirten und Bauersfrauen wandelten in einer pastoralen Landschaft und spielten der Königin wie auf einer Bühne ein idealisiertes Landleben vor. Die „Königin des Rokoko“ hatte mit diesen Einfällen, exotische Lebensweisen nachzubilden, einen großen Einfluss auf den adligen Lebensstil in ganz Europa.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die wichtigste Mode des Rokoko, die uns noch heute so maßgeblich beeinflusst, hat die schillernde Königin jedoch nicht ausgelöst. Exotische Getränke, wie Tee, Kaffee und Kakao, verbreiteten sich spätestens im Europa des 18. Jahrhundert in rasanter Geschwindigkeit. Heute, mehr als 200 Jahre später, können Besucher im „Porzellan Museum“ in Höchst anhand von Porzellantassen diese Revolution im Trinkverhalten des „Alten Europa“ nachempfinden.

          Schokolade war sehr viel teurer

          Ihren Wunsch nach Exotik befriedigten die Adligen des Rokoko schon vor dem Aufstehen. Aufrecht saßen sie in ihren riesigen Betten und nahmen die erste Mahlzeit des Tages zu sich. Bis in die Zeit des Barock und Rokoko löffelten sie eine heiße Würzbiersuppe, bis sich im 17. Jahrhundert alles änderte. Bald belieferte der ganze Globus eine winzige adlige Schicht mit exotischen Produkten. Kaffee aus dem Orient, Tee aus China und die Kakaobohne aus Südamerika etablierten sich in Windeseile.

          Im Vergleich zu heute war Schokolade sehr viel teurer. Die Kakaobohne musste mit dem Schiff aus Südamerika transportiert werden. Zudem wertete man den Kakao im 18. Jahrhundert mit weiteren Zutaten auf, um ihm einen exotischeren Geschmack zu verleihen: Orangenschalen, Jasmin und sogar Chili waren unverzichtbare Zutaten der Schokolade des 18. Jahrhunderts.

          Aufwendige Tassen für Eheleute

          Natürlich hätte es dem Stand eines Adligen nicht entsprochen, den morgendlichen Kakao aus einer gewöhnlichen Steintasse zu schlürfen. Stattdessen trank man aus teuren Porzellangefäßen mit feinen Verzierungen.

          Besonders schön gestaltet sehen im Höchster Porzellan-Museum die Tassen aus, die man Paaren zu ihrem Hochzeitstag schenkte. Diese Tassen waren Unikate und enthielten Details, die auf die Eheleute hinwiesen. So findet sich zum Beispiel auf einem Exponat das Profil der Eheleute in einem Scherenschnitt.

          Clou gegen Zittern beim Trinken

          Die Porzellanhersteller mussten beim Design ihrer Tassenkollektionen aber auch die Schwierigkeiten einplanen, die ein Kakaokonsum im Bett mit sich brachte. Gerade aufgewacht, zitterten die Hände von Adligen beim Halten einer vollen Tasse. Wie leicht verschüttete man einige Tropfen des teuren Morgentrunks, die dann direkt auf die seidige Bettwäsche fielen. Daher integrierten die Porzellanhersteller in der Untertasse einen erhöhten Ring, damit die Tasse auch bei zittrigen Bewegungen in ihrer Umrandung blieb.

          Beim nachmittäglichen Kakaokonsum setzte sich die Trinkweise aus der tiefen Untertasse durch. Große Gefahr ging dann allerdings nicht vom Zittern aus, sondern wenn unverheiratete Frauen und Männer miteinander Schokolade tranken. Das galt wegen der aphrodisierenden Wirkung als unzüchtig und sorgte für Aufsehen in der adligen Gesellschaft.

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