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Frankfurter Café-Institution : Die Mutter schaut stolz vom Himmel herab

Denkmalgeschützt: Das Wacker’s am Uhrtürmchen an der Berger Straße Bild: Michael Kretzer

Wacker’s Kaffee gilt als eine Frankfurter Institution. Jetzt eröffnet der Familienbetrieb eine weitere Filiale in Sachsenhausen. Der Vermieter ist ein alter Stammkunde.

          Die meisten der altmodischen Schütten sind schon mit Kaffeebohnen gefüllt: Espresso Sicilia, Mexiko Maragogype, 1914 Jahrhundertmischung. Die gleichen Sorten wie im Stammhaus am Kornmarkt. Wenn am Samstag um 10 Uhr das neue Wacker’s-Café im Erdgeschoss des Eckhauses Städelstraße / Schweizer Straße in Sachsenhausen eröffnet, werden alle Schütten voll sein. Und in den Regalen stehen dann, abgepackt in goldglänzende Tüten, ein Dutzend weitere Kaffeesorten aus der Rösterei, die Hans-Walter Zülch in der Wacker’s-Rösterei an der Salzschlirfer Straße im Industriegebiet Riederwald fabriziert.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wann geht es endlich los?“ – Das werden er und seine Schwester Angelika Zülch-Busold von Stammkunden schon seit Wochen gefragt. Das Geschwisterpaar hat von der Mutter, der legendären Margarete Zülch, das Traditionsgeschäft am Kornmarkt und die drei Filialen an der Berger Straße, am Grüneburgweg und am Mittelweg übernommen. Dass sie jetzt auch in Sachsenhausen eine Filiale betreiben, ist Ergebnis einer günstigen Gelegenheit. Denn die Betreiberin eines Reformhauses im Erdgeschoss des Gebäudes an der Schweizer Straße gab ihr Geschäft aus Altersgründen auf. Das Vermieterehepaar bot daraufhin der Familie Zülch die Räume zur Vermietung an. Sie seien Stammkunden bei Wacker’s, sagen Karl und Yvonne Mühlberger. Doch sie hätten zum Kaffeetrinken immer den Main überqueren müssen. So seien sie auf die Idee gekommen, bei Wacker’s anzufragen. Bald waren sie sich einig mit der Familie Zülch.

          Das größte Problem war es, einen Notausgang einzurichten. Es konnte dadurch gelöst werden, dass die Mühlbergers bereit waren, den Raum des kleinen Senfgeschäfts neben dem Reformhaus mit zu vermieten. Damit besitzt das jetzt knapp 100 Quadratmeter große Geschäft zwei Eingänge, womit die Forderung des Brandschutzes erfüllt ist.

          Bekannte Leckereien im Angebot

          Die Architektin Tine Göllner ließ darüber hinaus zwei Toiletten einbauen, so dass Wacker’s an der Schweizer Straße ein vollwertiges Café mit etwa 50 Plätzen sein wird. Im Sommer sollen draußen Tische und Stühle aufgestellt werden. Ein ganzes Jahr hat es gedauert, bis das Café fertig war. Der Denkmalschutz machte für die Neugestaltung der Fassade hohe Auflagen, nun ist das Geschäft zur Straße hin rundum verglast, ohne dass die Optik des Gebäudes darunter leiden würde. Im Innern wurden die beiden früheren Geschäftsräume mehr oder weniger vollständig entkernt. Die Handwerker legten neue Leitungen, bauten eine Heizung und eine Klimaanlage ein, verlegten einen Parkettboden aus Eichenholz und errichteten eine große Ladentheke mit einem großen Glas-Buffet für Kuchen.

          Die vor zwei Jahren verstorbene Alt-Chefin Margarete Zülch, die das von ihren Eltern ererbte Kaffeegeschäft nach dem Krieg im Haus Kornmarkt 9 wiederaufgebaut hat, hoffte ihr ganzes Leben lang darauf, den Gästen einen Frankfurter Kranz anbieten zu können. Weil sie keinen Kühlschrank hatte, ging der Wunsch aber nie in Erfüllung. Erst mit der Restaurierung des Stammgeschäfts vor einigen Monaten hat sich die Lage geändert: Seither bieten Angelika Zülch-Busold und ihre Tochter Nicole, die das Café am Kornmarkt leiten, den Lieblingskuchen der Mutter beziehungsweise der Oma an.

          Mit Kronleuchten: Das neue Café des Familienunternehmens Wacker’s in Sachsenhausen bietet fast doppelt so viel Platz wie das Stammgeschäft am Kornmarkt.

          Auch in Sachsenhausen wird Frankfurter Kranz in der Kuchentheke stehen. Überhaupt sollen dort all jene Leckereien angeboten werden, für die Wacker’s bekannt ist: neben 35 Sorten Kaffee auch feine Schokoladen, Gebäckspezialitäten aus Frankreich oder England und andere Süßigkeiten. Für eine gute Bedienung der Kundschaft soll Fuad Khatabi sorgen, der schon seit vielen Jahren dabei ist. 70 Mitarbeiter zählte Hans-Walter Zülch jüngst bei der Weihnachtsfeier. Es ist kaum übertrieben, die Belegschaft eine große Familie zu nennen. Wacker’s ist bekannt für sein gutes Betriebsklima: Wer einmal dazugekommen ist, bleibt in der Regel lange.

          Der Nachwuchs steht in den Startlöchern

          „Die Mutter schaut jetzt gewiss vom Himmel stolz auf uns nieder“, sagt Angelika Zülch-Busold, und begutachtet noch einmal die Einrichtung im neuen Café. Tatsächlich wünschte sich Margarete Zülch nichts mehr, als dass ihre Kinder und Enkel allesamt im Betrieb eine berufliche Zukunft fänden. Ihre Tochter und ihr Sohn sind auf dem besten Weg, dieses Ziel zu erreichen. Nikolas, der älteste Sohn von Hans-Walter Zülch, arbeitet mit in der Rösterei, seine Schwester Anja leitet die Filiale am Grüneburgweg.

          Auch die 15 Jahre alte Giulia, die kurz im neuen Geschäft vorbeischaut, liebäugelt mit einem Eintritt in den Kaffeehandel. Als Aushilfe im Stammhaus und einer der Filialen hat die Schülerin schon erste Erfahrungen gesammelt. Auch ihren beiden jüngeren Geschwistern soll nach dem Willen des Vaters und der Tante der Weg zu Wacker’s offenstehen. Kein Wunder, dass die Zülchs die Möglichkeit beim Schopf gepackt haben, das Familienunternehmen um eine Filiale zu vergrößern.

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