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Oberster Elternsprecher : Botschafter der Bildung

Oberster Elternsprecher: Korhan Ekinci vertritt die Interessen von rund 800.000 hessischen Schülern. Bild: Michael Kretzer

Korhan Ekinci weiß, was es heißt, aus einfachen Verhältnissen zu stammen. Fragen nach seiner Herkunft nimmt der Vorsitzende des Landeselternbeirats aber gelassen.

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          Der Vater ungelernter Schlosser, die Mutter Putzfrau. Korhan Ekinci stammt aus einer Familie, die statistisch vermutlich als „bildungsfern“ eingestuft würde. Doch das wäre nicht fair und recht besehen auch falsch. Denn den Eltern des heute Siebenunddreißigjährigen war der Wert höherer Bildung sehr wohl bewusst – gerade weil sie ihnen fehlte, weil sie sehr hart und körperlich arbeiten mussten und es trotzdem nur für eine Zweieinhalbzimmerwohnung reichte, in der der Sohn und seine beiden Schwestern die Hausaufgaben am Küchentisch erledigen mussten.

          Matthias Trautsch

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sein Vater, erinnert sich der gebürtige Berliner, habe ihm immer viel Freiheit gelassen. Aber er habe ihm auch eingeschärft: „Was immer du machst, du musst ein Diplom machen.“ Das sei eine einfache Vorstellung von Schul- und Berufswegen gewesen, aber die Botschaft sei bei ihm angekommen: „Bildung ist wichtig.“ Im Kern ist das dieselbe Botschaft, für die Ekinci heute als Vorsitzender des hessischen Landeselternbeirats eintritt.

          Spitze der hessischen Elternschaft

          Seit drei Monaten steht der Wirtschaftsinformatiker, der mit Frau und zwei Kindern in Taunusstein wohnt, an der Spitze der hessischen Elternschaft. Dass er einmal die Interessen von rund 800.000 Schülern und etwa doppelt so vielen Müttern und Vätern vertreten würde, war nicht von langer Hand geplant – aber das ist der Weg in die Elternarbeit wohl in den seltensten Fällen. In den meisten beginnt er spontan, manchmal auch nicht ganz freiwillig am ersten Elternabend mit der Gretchenfrage: Wer will sich wählen lassen?

          So war es auch, als Ekincis Tochter in den Kindergarten kam. Immerhin hatte sich schon eine Mutter für die Wahl als Elternsprecherin aufstellen lassen, es ging nur noch um den Stellvertreterposten. Ekinci ließ sich dann mit dem Argument überzeugen, er sei doch Dozent an der Mainzer Fachhochschule und deshalb mit Bildungsarbeit vertraut. Die Wahl zum stellvertretenden Kita-Gruppen-Sprecher war nur der erste Schritt, dem noch am selben Abend der zweite folgte. Denn anschließend sollte ein Elternsprecher für den ganzen Kindergarten bestimmt werden. Das sei nicht ganz einfach gewesen, erinnert sich Ekinci. Die scheidende Vorsitzende habe erzählt, wie viel Arbeit der Job mache und dass sich das eigentlich niemand antun wolle – mit dem Resultat, dass sich dann auch keiner nach vorn drängte.

          So ließ Ekinci sich wählen und stieg kurz darauf in den Gesamtelternbeirat von Taunusstein auf. Als seine Tochter vor gut einem Jahr in die Schule kam, wurde er gleich – die anderen Mütter und Väter kannten ihn ja bereits aus dem Kindergarten – zum Klassenelternbeirat und zum Elternbeiratsvorsitzenden der Grundschule gewählt. Von dort ging es direkt weiter in den Landeselternbeirat, der ihn dann Ende Mai zum Vorsitzenden wählte. Wenn Ekinci von diesem rasanten Aufstieg erzählt, wirkt er selbst noch ein wenig verwundert.

          Grabenkämpfe in der Elternvertretung

          Über die Zeit vor seiner Wahl, in der es in der hessischen Elternvertretung einige Konflikte, manche sprechen sogar von Grabenkämpfen, gab, will er sich nicht äußern. Er sagt, er wisse darüber nichts – „ich habe keine Vergangenheit mit irgendjemandem, für mich gibt es keine Fraktionen“. Wichtig sei ihm und dem ganzen Beirat, dass die Elternarbeit überparteilich sei. Dabei hat er selbst ein Parteibuch – die SPD hat ihn sogar als Kandidaten für die Bürgermeisterwahl in Schlangenbad aufgestellt, die am 28. Oktober zusammen mit der Landtagswahl stattfindet.

          Ekinci präsentiert sich als überparteilicher Bewerber. Er werde von den Grünen sowie einigen in der FDP unterstützt und werbe um Stimmen von CDU-Wählern. In der Funktion als Landeselternbeirats-Vorsitzender muss er ohnehin mit allen und insbesondere mit der schwarz-grünen Landesregierung sprechen. Über Kultusminister Alexander Lorz (CDU) äußert er sich überaus freundlich – in persönlicher Hinsicht, politisch lässt das Amt des Elternvertreters keine allzu große Nähe zu.

          Vor ein paar Tagen ließ Ekinci sich in einer Pressemitteilung des Landeselternbeirats ziemlich verärgert zitieren. Er warf den Staatlichen Schulämtern und mithin dem Kultusministerium vor, sie versuchten, den Lehrermangel zu verschleiern, indem sie Schulleitungen und Kollegien davor warnten, Informationen über Unterrichtsausfall an den Landeselternbeirat weiterzugeben.

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