https://www.faz.net/-gzg-9mmu2

Pop-Ikone Albert Hammond : Die wandelnde Jukebox

Auch mit 75 denkt Albert Hammond noch lange nicht ans Aufhören. Bild: David von Becker

Interpret, Songwriter oder Produzent: Albert Hammond ist einer der erfolgreichsten Akteure des Pop. Seit einigen Jahren geht er selbst auf Tournee.

          2 Min.

          Der Anruf erreicht Albert Hammond auf dem Sprung. Allerdings ist kein mit Champagner gefüllter Swimmingpool sein Ziel, obwohl man einen Musiker, der als Interpret, Songwriter oder Produzent an weit mehr als 350 Millionen verkauften Tonträgern beteiligt war, in einem solchen durchaus vermuten könnte. Der bald 75 Jahre alte Hammond will gerade aufbrechen, um seiner 99 Jahre alten Mutter einen Besuch abzustatten. Zu diesem Zweck weilt er in Spanien, liegen doch die Wurzeln seiner Familie auf der Iberischen Halbinsel. Entgegen einem weitverbreiteten Irrtum ist der Mann, der einst so eingängig davon sang, dass es in Südkalifornien niemals regne, nämlich kein Amerikaner, obwohl er viel Zeit in Los Angeles verbringt. Hammond ist Gibraltarer. Zwar am 18. Mai 1944 in London geboren, ist er in dem britischen Überseegebiet Gibraltar aufgewachsen, wo in den späten fünfziger Jahren auch seine musikalische Karriere begann. Der Kalksteinfelsen an der Südspitze Spaniens war für einen ambitionierten Musiker aber rasch zu klein, und nach ersten Erfolgen in Spanien ging Hammond in den sechziger Jahren zurück nach England, wo er 1966 den Radiomoderator Mike Hazlewood kennenlernte, mit dem gemeinsam er anfing, Songs für andere Interpreten zu schreiben.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dieses Songwriting ist Albert Hammond zur Lebensaufgabe geworden. Bis heute setzt er sich regelmäßig mit der Gitarre hin und lässt sich Lieder einfallen. „Und mir fällt auch meist etwas ein“, freut er sich im Gespräch: „Das ist eine Gabe, für die ich wirklich dankbar sein kann.“ Diese Gabe hat Hammond knapp drei Dutzend Welthits beschert, darunter etwa „The Air That I Breathe“, „One Moment In Time“, „When I Need You“ oder „Nothing’s Gonna Stop Us Now“. Weil diese Lieder aber stets mit ihren Interpreten The Hollies, Whitney Houston, Leo Sayer und Starship in Verbindung gebracht werden, ist ihr Schöpfer vielen Hörern allenfalls als Stimme aus dem Oldie-Radio bekannt, wo Hammonds selbsteingesungene Siebziger-Jahre-Hits wie „It Never Rains In Southern California“, „The Free Electric Band“, „I’m A Train“und „Down By The River“ noch zum Repertoire gehören.

          Keine Stimme der Vergangenheit

          Nurmehr eine Stimme aus der Vergangenheit wollte Hammond aber nicht sein, weshalb er vor gut sechs Jahren ein Comeback als Bühnenkünstler startete. Dafür wählte er allerdings nicht die Hallen in großen Städten, sondern entschied sich für die Tingelei durch die deutsche, britische und irische Provinz. Dort war zum einen die Gefahr geringer, dass man ihn mit seinem prominenten Sohn Albert Hammond jr., dem Gitarristen der einflussreichen Rockband The Strokes, verwechseln würde, zum anderen wäre der Kontakt zum Publikum näher, der Applaus vielleicht intensiver. Denn der Austausch mit seinen Zuhörern ist wohl Hammonds stärkster Antrieb, regelmäßig auf ausgedehnte Konzertreisen zu gehen. „Ich schreibe Musik für die Menschen, also möchte ich sie ihnen auch singen“, sagt er und grinst vermutlich bei jedem Konzert über jene verblüfften Gesichter, deren Mienen die Frage spiegeln: „Was, dieses Lied ist auch von dem?“ Nur eine wandelnde Jukebox will der Sänger auf der Bühne aber nicht sein. Also erzählt er Anekdoten zwischen den Liedern, scherzt mit dem Publikum und seiner Band und nimmt sich nach den Konzerten Zeit für seine Fans, wie etwa bei einem Auftritt Hammonds in Hanau zu beobachten war. Geduldig signierte er da Platten und Poster, stand für Selfies zur Verfügung und hatte für jeden Wartenden ein freundliches Wort, bis der Tourmanager ihn daran erinnern musste, dass sie noch eine weite Fahrt zum nächsten Auftrittsort vor sich hätten.

          Diese Fahrten werden in diesem Jahr noch länger sein, denn neben einer großen Tour durch Deutschland wird Hammond im September eine ausgiebige Konzertreise durch seine zeitweilige Wahlheimat Amerika unternehmen, wo seine jüngste Single „Hey St. Patrick“ mindesten so lautstarke Unterstützung bekommen dürfte wie in Irland, wo vergangenes Jahr der größte Chor der Welt beim Einsingen des Refrains half. Das alte Produzentenschlitzohr Albert Hammond hatte einfach bei all seinen Auftritten in Irland den Gesang des Publikums aufgenommen und diese Aufnahmen zusammengemixt: „Und schon hast du 15 000 Chorsänger“, lacht er, bevor er aufbrechen muss. Mutter soll schließlich nicht zu lange warten.

          Albert Hammond

          Albert Hammond tritt am Mittwoch von 20 Uhr an in der Hugenottenhalle in Neu-Isenburg auf.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.