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Rekordhalterin aus Offenbach : Die Meisterin der Nachkommastellen

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„Dadurch, dass ich so viele Reisen und Erlebnisse auf meiner Route habe, bewahre ich mir auch schöne Erlebnisse. Wenn ich die Route im Kopf abschreite, fühle ich so, wie ich mich damals gefühlt habe“, sagt Hippauf.

Pi kann entweder eine endlos lange Kombination von Zahlen sein, oder eine Geschichte, in der schöne Urlaubserlebnisse neu belebt werden. Es sei nicht allzu schwer, sich Letzteres zu merken, sagt Hippauf. „Der Knackpunkt an der Sache ist gar nicht so sehr das Memorieren, sondern diese große Anzahl von Ziffern ohne Dreher wiederzugeben.“

Keine Namen mehr vergessen

Auch ihren jetzigen Freund lernte Hippauf durch den Gedächtnissport kennen: bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr. Er wohnt in Kopenhagen und tritt ebenfalls bei Gedächtnismeisterschaften an. Auf bevorstehende Wettkämpfe bereiten sich die beiden gemeinsam vor. Beim Telefonieren sagen sie sich manchmal abwechselnd jeweils 100 Stellen der Kreiszahl auf.

Ein gutes Gedächtnis nutzt aber nicht bloß in der Freizeit. „Das hilft auch bei der Polizeiarbeit“, sagt Hippauf. In einem Gerichtsprozess hat sie, obwohl der Fall Monate zurück lag, durch Details dazu beitragen können, den Angeklagten zu überführen. Natürlich sei auch der Umgang mit Kollegen einfacher, wenn man sich in einem großen Polizeipräsidium, wie dem in Frankfurt, immer alle Namen merken könne.

Seit Oktober vergangenen Jahres arbeitet sie im Führungs- und Lagedienst des Polizeipräsidiums. Dort ist sie zuständig für 52 Mitarbeiter, die Tag und Nacht die Notrufe entgegennehmen. Wenn ihr jemand von einer geplanten Reise erzähle, könne sie sich auch ein halbes Jahr später noch daran erinnern. Das helfe beim Umgang mit den vielen Kollegen; die freuten sich, wenn beim nächsten Treffen nach den Erlebnissen im Urlaub frage.

Verwunderung bei den Freunden

In den vergangenen beiden Jahren ist Hippauf immer wieder zu Gedächtniswettbewerben gefahren. Das Pi-Merken ist nicht die einzige Disziplin, in der sich gemessen wird. In anderen Wettkämpfen merken sich die Teilnehmer die Namen bestimmter Personen oder fiktive historische Daten. Beim „Speed Numbers“-Wettbewerb muss unter Zeitdruck eine vorgegebene Zahlenreihe auswendig gelernt werden. Hippauf tritt auch immer wieder in anderen Disziplinen an, aber das „Pi-Memorieren“, wie es die Sportler nennen, liege eben „voll im Trend“, sagt die Polizistin.

Kollegen und Freunde verwundere ihr Hobby manchmal, aber neugierig seien die meisten dann doch. „Ich habe schon oft erlebt, dass die Leute das nicht so ganz verstehen.“ Dabei sei es eigentlich ganz einfach. Nicht abstrakte Zahlen könne man sich merken, sondern konkrete Bilder. So sei das Gedächtnistraining kinderleicht. Sie lerne jetzt Dänisch. Beim Sprachenlernen Eselsbrücken zu benutzen, mache es viel einfacher. Erfolgreiches Auswendiglernen sei eine Frage der Kreativität, und die habe jeder als Kind mal gehabt. Man müsse sie nur wiederbeleben.

Für den nächsten Wettkampf lernt die Polizistin schon. Am nächsten Wochenende steht wieder der Emder Pi-Wettbewerb an. Im September wurde Hippaufs deutscher Rekord überboten, sie will ihn sich zurück holen. Dafür lernt sie jetzt die ersten 16.000 Nachkommastellen von Pi auswendig. In fünf vollgeschriebenen Heften mit je 28 doppelseitigen Blättern ist ihre Route durch das Zahlenlabyrinth aufgeschrieben. „Am Ende wird es an meiner Konzentration liegen“, sagt sie. „Auswendig kann ich sie schon.“

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