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Polizistenmord an der Startbahn West : Blutiges Ende eines verlorenen Kampfs

  • -Aktualisiert am

Vor 25 Jahren wurden bei einer Demonstration an der Startbahn West zwei Polizisten erschossen. Die Tat löste Entsetzen aus, der Protest blieb fortan friedlich.

          Der gewaltsame Tod von zwei Polizeibeamten am Abend des 2. November 1987 ist bis heute nicht wirklich aufgeklärt und wird vielleicht für immer Fragen offenlassen. Zwar ist ein Täter ermittelt und 1991 verurteilt worden. Andreas E., der mit Pistolenschüssen das Leben des 43 Jahre alten Hauptkommissars Klaus Eichhöfer und des 23 Jahre alten Polizeimeisters Thorsten Schwalm ausgelöscht hat, wurde wegen Totschlags schuldig gesprochen. Er hat seine Strafe längst verbüßt.

          Diskutierte mit einem Gegner des Ausbaus der Startbahn West: der  damalige Ministerpraesident in Hessen, Holger Boerner (rechts).

          Das Frankfurter Oberlandesgericht, das diesen Spruch nach zweijähriger Hauptverhandlung gefällt hat, ist später vielfach kritisiert worden, weil es sich zu einer Verurteilung wegen Mordes außerstande sah. Zudem konnte nicht ermittelt werden, was genau den Angeklagten E. zu dem Verbrechen getrieben hat. Der Nachweis einer auch nur ideologischen Beziehung zwischen dem Verurteilten und den Gruppierungen, die in den achtziger Jahren mit unterschiedlicher Vehemenz gegen den Bau der Startbahn 18 West gekämpft hatten, steht ebenfalls aus. War der Mann ein waffentragender Wirrkopf oder eingebunden in ein System von „Revolutionären Zellen“, denen manche auch die tödlichen Schüsse auf den hessischen Wirtschaftsminister Heinz-Herbert Karry zuordnen? Indizien sprechen jedenfalls dafür, dass es so etwas wie eine sich selbst zum Schweigen verpflichtende Politmafia in Deutschland gegeben hat. Auch dafür, dass eine Reihe von Mitläufern und auch Tätern bis heute unentdeckt geblieben ist.

          Die Schüsse fielen, als es nichts mehr zu streiten gab

          Das Verbrechen an der Startbahn geschah, als die Piste schon mehr als drei Jahre in Betrieb war. Der Protest hatte die feste Form der sogenannten Sonntagsspaziergänge angenommen. Demonstranten versammelten sich regelmäßig an einem Betonzaun, der die Startbahn abschirmte, und wurden von der Polizei daran gehindert, die Sperre zu beschädigen oder gar zu zerstören. Ebenfalls regelmäßig kam es zu mehr oder minder heftigen Rangeleien. Einen politischen Wert hatten die Versammlungen wohl nicht mehr.

          Einfach dagegen: Demonstranten bewegen sich entlang der Betonmauer an der Startbahn West des Flughafens.

          Die tödlichen Schüsse fielen im Grunde zu einem Zeitpunkt, als es nichts mehr zu streiten gab. Die Bahn war gebaut und in Betrieb. Die Demonstration, aus der heraus die tödlichen Schüsse fielen, sollte an die Räumung des sogenannten Hüttendorfs erinnern, gegen das am 2. November 1981 starke Polizeikräfte vorgegangen waren. Damals hatte der Beginn der Bauarbeiten bevorgestanden. Das Datum wurde zu einem Bestandteil des Protestkalenders und das Dorf später wie ein ähnliches Hüttenlager bei Brokdorf zu einem sozioarchitektonischen Meisterwerk verklärt.

          „Gewaltfrei, aber aktiv“

          Die Schüsse sechs Jahre später aber lösten Entsetzen aus. An der Trauerfeier für die Opfer nahmen höchste Vertreter des Staates teil. Abgesehen von zynischen Bemerkungen auf anonymen Flugblättern der alleräußersten Linken, herrschte die Empfindung vor, dass der Protest völlig außer Kontrolle geraten war. Die Versammlungen, Kundgebungen und Schlägereien am Startbahnrand hörten auf. Es spricht für die unterschiedlichen Anti-Startbahn-Bewegungen, dass auch sie nach dem Tod der Polizeibeamten nur noch friedlich demonstrierten. Die Schüsse hätten auch den Protest erledigt, war einmal zu lesen.

          .. auch die Steine fliegen: während der Demonstration  gegen die Startbahn West des Frankfurter Flughafens.

          Spätere Protestbewegungen bis hin zur erfolgreichsten von allen, der Bürgerbewegung, die das DDR-Regime gestürzt hat, haben sich strikt an die Devise „Keine Gewalt“ gehalten. Das war bei den Startbahngegenern nicht immer der Fall. Formulierungen wie „gewaltfrei, aber aktiv“ oder „gewaltfrei mit Helm“ waren zumindest nicht eindeutig und mit Absicht auf Missverständnisse hin formuliert. Darin unterschied sich der von vielen weltanschaulichen Debatten geplagte Protest gegen die Startbahn West von dem breiten Bürgerunmut über die im vorigen Jahr fertiggestellte Nordwestlandebahn. Die Lärmgegner wollen nicht die Welt verändern, sondern ihre Ruhe haben. Das wäre damals als läppisch empfunden worden. Letztlich haben beide Bewegungen den Flughafenausbau nicht verhindern können, aber der Krach, der heute geschlagen wird, hat - siehe Nachtflugverbot - mehr Wirkung als die verbale Militanz der alten Tage.

          Umeinander besorgt: Ein Polizsit widmet sich nach den Auseinandersetzungen seinem Kollegen.

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