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Kriminalität in Frankfurt : „Man lernt, gelassen zu sein“

Der 3. Oktober wird ein harter Tag für ihn: Manfred Burkart Bild: Wolfgang Eilmes

Mehr als 7000 Einsätze im Jahr verzeichnet die Polizei in der Innenstadt. Manfred Burkart leitet das 1. Revier und hat es regelmäßig mit Demonstrationen, Trickdieben und Staatsbesuchen zu tun.

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          Als vor drei Monaten die Queen zu Gast war, stand Manfred Burkart in der Paulskirche und hoffte, dass dieser Tag ein guter wird. In diesem Moment waren sie wieder da, die vielen Gedanken, die sich fast ausschließlich mit der Frage beschäftigten, wie der Besuch der britischen Monarchin ohne Zwischenfälle verlaufen kann. Burkart ist einiges gewohnt. Auch den Dalai Lama hatte er in seinem Revierbezirk schon zu Gast. Deutsche Politiker sowieso. Nun aber, bei diesem Staatsbesuch, musste allein fast ein halbes Dutzend Protokolle eingehalten werden. Nicht nur die der Stadt Frankfurt, der hessischen Staatskanzlei und des Bundespräsidialamtes, sondern auch jene der britischen Botschaft und des Buckingham-Palasts. Burkart schweigt vornehm darüber, wie viele Stunden er vor dem Queen-Besuch damit verbracht hat, das Sicherheitskonzept abzustimmen. In seiner ruhigen Art sagt er, es habe „viele Gespräche“ gegeben, „sehr viele sogar“. Auch mit Scotland Yard sei geredet worden. Aber so etwas bringe ihn nicht aus der Ruhe. Er habe zwei Töchter im Teenageralter, „da lernt man, gelassen zu sein“.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das muss der 46 Jahre alte gebürtige Hesse auch. Seit anderthalb Jahren leitet er das 1. Polizeirevier an der Zeil, das mit einem Zuständigkeitsgebiet von 2,1 Quadratkilometern zwar das kleinste Revier in Frankfurt und wahrscheinlich sogar das kleinste in ganz Hessen ist. Dafür aber ist es mit 130 Polizisten personell eine der am besten ausgestatteten Polizeidienststellen - die allerdings auch rund 7000 Einsätze im Jahr bewältigen muss. Burkarts Revierbezirk wird es auch sein, in dem die Feiern zum Tag der Deutschen Einheit stattfinden - mit so viel politischer Prominenz, wie es sie sonst wohl nur auf internationalen Gipfeltreffen gibt. Der Polizist wird für die Sicherheit des Festakts in der Alten Oper zuständig sein. Seit fast einem Jahr bereitet sich die Polizei auf die Einheitsfeier vor, die auf die gesamte Stadt ausstrahlen wird.

          Weltgeschehen auch auf Frankfurts Straßen zu finden

          Im dritten Stock des gläsernen Gebäudes mit der Hausnummer Zeil 33 liegt Burkarts Büro. Es sieht aus, wie man sich das Dienstzimmer eines Revierleiters vorstellt. Ein Schreibtisch, leicht geschwungen, auf dem sich die Akten stapeln, ein runder Besprechungstisch, ein Kaffee-Vollautomat und ein Garderobenständer, an dem mehrere Uniformjacken hängen, für jeden Anlass eine.

          Vor allem die Winterjacke hat Burkart in diesem Jahr oft getragen. Als im Januar die montäglichen Kundgebungen der Pegida-Anhänger an der Hauptwache begannen, war der Polizeioberrat fast jedes Mal selbst draußen. Er stand in der Kälte und führte die Gespräche mit Anmeldern und Demonstranten, immer um Schlichtung bemüht, damit sich die Gewalt nicht weiter aufschaukelte. Es vergeht kein Wochenende, an dem in Burkarts Revier nicht irgendwelche Kundgebungen stattfinden. Das Weltgeschehen, sagt er, spiele sich im Kleinen früher oder später auch auf Frankfurts Straßen ab. Das war so, als im Sommer vergangenen Jahres fast jedes Wochenende Demonstrationen zum Nahost-Konflikt stattfanden. Und auch, als sich die Situation in Syrien durch die Greueltaten des „Islamischen Staats“ immer weiter zuspitzte. Künftig wird wohl auch die Flüchtlingskrise verstärkt Thema sein.

          Dauerthema Drogenkriminalität

          Burkart sagt, man müsse das mögen. Fast jedes Wochenende im Dienst sein, abends das Handy neben dem Bett liegen haben für den Fall, dass er angerufen werden muss. Als junger Polizist, kurz nach seiner Ausbildung, hat Burkart das 1. Revier kennengelernt. Damals ist er fast täglich auf der Zeil Streife gelaufen und hat sich irgendwann gedacht, dieses Revier wolle er einmal leiten. Dass es tatsächlich so weit kommen werde, damit hätte er im Leben nicht gerechnet, sagt er.

          Heute kennt er die Schwierigkeiten dort besser als viele andere. Taschen- und Trickdiebe, die immer neue Maschen ausprobieren - bevorzugt im Sommer und zur Weihnachtszeit. Auch die Drogengeschäfte rund um die Konstablerwache und im Allerheiligenviertel sind für die Beamten ein Dauerthema. „Diesen Problemen widmen wir uns mit hoher Energie“, sagt Burkart, der 1989 seine Polizeilaufbahn begonnen hat und zuletzt Geschäftsführer des Netzwerks gegen Gewalt im hessischen Innenministerium war. „Die Menschen wollen die Polizei sehen und nicht nur wissen, dass sie irgendwo in Zivil unterwegs sind“, meint er. „Die Kunst ist es, einen Mix hinzubekommen, dass beides funktioniert: verdeckte Ermittlungen und sichtbare Präsenz.“

          Die wird es auch morgen geben, wenn zur Einheitsfeier der Blick auf Frankfurt gerichtet sein wird. Danach beginnen die Vorbereitungen für die Weihnachtszeit. Bisher ist es gelungen, die Kriminalität in dieser Jahreszeit, in der besonders viele Taschendiebe unterwegs sind, einzudämmen. Das Konzept für die Weihnachtszeit steht schon. Daran denkt Burkart allerdings erst, wenn der 3. Oktober vorüber ist.

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