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Betrug an Senioren : Alte Menschen, leichte Beute

  • Aktualisiert am

Heimtückischer Anruf: Per Telefon werden Rentner oft Opfer von Betrügern. Bild: dpa

Ältere Menschen sind für Kriminelle eine lohnenswerte Zielgruppe. Deswegen sind Senioren zunehmend Betrugsversuchen ausgesetzt. Die Polizei in Hessen hält mit Präventionskampagnen dagegen.

          3 Min.

          Senioren geraten immer stärker in das Blickfeld von Kriminellen. Mit diversen Tricks versuchen sie, ältere Bürger zu betrügen oder zu bestehlen. „Sie werden häufiger durch Eigentums- und Vermögensdelikte geschädigt und sind bei Trickdiebstahl und Betrug überrepräsentiert“, sagt Christoph Schulte, Sprecher des Hessischen Landeskriminalamts (LKA).

          Senioren rückten als potenzielle Opfer immer stärker in den Fokus., und für Verbrecher seien sie in einer alternden Gesellschaft - Stichwort: demografischer Wandel - „ideale Opfer“, bewertet das LKA. Deswegen laufen in ganz Hessen Informationskampagnen der Polizei zur Vorbeugung. In Osthessen wird sie wegen des großen Erfolgs ausgeweitet, wie der Fuldaer Polizeipräsident Günther Voß der Deutschen Presse-Agentur sagte.

          Das LKA warnt mit Blick auf die Kriminalstatistiken: „Trickdiebstahl in Wohnungen ist nach dem Taschendiebstahl auf der Straße die vermutlich häufigste Straftat, von der ältere Menschen betroffen sein können.“ Den Kriminellen wird es dabei zuweilen auch leichter gemacht als früher: „Es ist verstärkt zu beobachten, dass Tricktäter vermehrt auch Seniorenwohnhäuser und -wohnanlagen aufsuchen, da die dortigen Pförtnerdienste in zunehmendem Maße abgebaut werden“, sagt Schulte.

          Geistige Fähigkeiten nehmen ab

          Warum Senioren für Kriminelle eine lohnenswerte Zielgruppe sind, erklärt das LKA so: Mit zunehmenden Alter nehmen körperliche und geistige Fähigkeiten ab. Das nutzen Täter gezielt aus. „Ältere Menschen erscheinen den Tätern aufgrund ihrer anerzogenen Hilfsbereitschaft, ihrer in der Regel fehlenden Rechtskenntnis, aber auch ihrer möglichen Leichtgläubigkeit und Hilflosigkeit verbunden mit einer Überforderung in der spontanen Tatsituation als „ideale Opfer“.“ Darüber hinaus leben ältere Menschen oft isoliert und sind - zumindest in der akuten Tatsituation - auf sich allein gestellt.

          Wegen des erhöhten Sicherheitsbedürfnisses von Senioren tut die Polizei mehr. Präventionsarbeit gewinne immer größere Bedeutung, sagt LKA-Sprecher Schulte. In Osthessen etwa sind die Erfahrungen damit sehr positiv. Die Beamten weiten dort eine Kampagne aufgrund großer Nachfrage aus. „Wegen der guten Rückmeldungen planen wir für das kommende Jahr eine Fortsetzung des Programms. Anfragen von Städten und Gemeinden liegen uns bereits vor“, sagte Voß.

          Bei den ersten drei Veranstaltungen in Fulda, Hünfeld und Alsfeld sei die Resonanz positiv gewesen, 400 Besucher seien gekommen. Sie wollten erfahren, wie sich ältere Menschen schützen können. Die Kampagne heißt: „Senioren sind auf Zack“. In den kommenden Wochen stehen drei weitere, bereits länger geplante Veranstaltungen auf dem Programm: am 23. August in Rotenburg an der Fulda, am 19. September in Bad Hersfeld und am 23. Oktober in Lauterbach. Dabei gibt es Fachvorträge, Expertengespräche und einen „Markt der Sicherheit“, wo sich Besucher über die Themen informieren können, die sie am meisten interessieren. „Großes Interesse und Informationsbedarf bestand bei den Vorträgen zum Thema „Sicherheit im Internet““, erklärte Voß.

          Schockanrufe und Enkeltrick

          Wesentlicher Auslöser für die Initiative der Polizei in Osthessen war, dass auch dort Senioren häufig Betrugsdelikten zum Opfer fallen. „Enkeltrick, falsche Microsoft-Mitarbeiter, Schockanrufer oder falsche Polizeibeamte sind Maschen, mit denen Betrüger am Telefon im Erfolgsfall hohen Vermögensschaden anrichten und Menschen um die Ersparnisse eines ganzen Lebens bringen“, erläuterte Voß.

          Seit dem Auftakt der Kampagne im Mai stellt die Polizei eine größere Sensibilität mit Blick auf die Verkehrs- und Kriminalprävention fest. „Dies gilt im Besonderen für viele Menschen in der Region, die sich über ihre persönliche Sicherheit Gedanken, vielleicht sogar Sorgen machen und daher unsere Veranstaltungen besuchen“, beobachtete Voß.

          Ältere Menschen werden für Ganoven als Zielgruppe immer interessanter. Während derzeit noch ein Fünftel der Bürger in Hessen über 65 Jahre ist, wird es im Jahr 2050 ein Drittel sein. Für Kriminelle stelle die „Generation 65 plus“ wegen körperlicher und geistiger Hemmnisse ein lohnendes Ziel dar, sagte Voß.

          Ehrenamtliche Sicherheitsberater helfen weiter

          Auch in anderen Landesteilen versucht die Polizei die Senioren-Sicherheit zu stärken. In allen sieben Polizeipräsidien wird das Thema durch Sicherheitsbeauftragte für Senioren (SfS) betreut. In Frankfurt zum Beispiel sind 26 von ihnen in den Stadtteilen aktiv. Die ehrenamtlichen Sicherheitsberater fungieren als Multiplikatoren der Polizei und informieren auf unterschiedliche Weise.

          Die Frankfurter Polizei hält in den Stadtteilen pro Jahr mehr als 60 Vorträge bei Senioren-Nachmittagen. Es gibt Bürgersprechstunden in den Revieren. Zudem gibt es - wie in anderen Städten auch - eine Kooperation mit Banken. Beim Programm „Letzte Chance Enkeltrick“ soll vermieden werden, dass Senioren Kriminellen kein Geld übergeben - um Verwandten aus einer vermeintlichen Notsituation zu helfen.

          Bilanz fällt positiv aus

          Auch in Nordhessen ist die Polizei aktiv auf diversen Wegen unterwegs. Die landesweite Einführung der Sicherheitsberater bezeichnet Polizeisprecher Torsten Werner als „Meilenstein in der Präventionsarbeit“. Fachberater der Kriminalpolizei lieferten pro Jahr in rund 100 Veranstaltungen konkrete Präventionstipps.

          Die Bilanz in Nordhessen fällt positiv aus: Immer mehr Tatversuche seine nicht von Erfolg gekrönt. Bei Betrügereien am Telefon sei immer häufiger festzustellen, „dass die Angerufenen sich richtig verhalten und einfach auflegen, wenn Unbekannte Geldforderungen stellen“.

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