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Kollisionen vermeiden : Polizei besorgt wegen Drohnen am Flughafen

Größere Drohnen können ernste Schäden verursachen, wenn sie mit einem Flugzeug zusammenstoßen. Bild: Imago

Drohnen stören in Hessen immer häufiger den Flugbetrieb. Die Sicherheitsbehörden arbeiten derzeit an neuen Strategien, um Kollisionen mit Flugzeugen zu verhindern. Sie planen eine digitale Plattform, auf der die Flugroboter sichtbar wären.

          Nach den jüngsten Vorfällen mit Drohnen am Frankfurter Flughafen haben die Sicherheitsbehörden ihre Vorkehrungen verschärft. Wie aus Sicherheitskreisen zu hören ist, wird inzwischen nicht mehr ausgeschlossen, dass die Fluggeräte bewusst in den Luftraum über den Airport gelenkt werden, um dort größeren Schaden zu verursachen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Insbesondere die Drohne, die in der vergangenen Woche den Flugverkehr für etwa eine Stunde lahmgelegt hatte, sei „keine Spielzeug-Drohne“ gewesen, heißt es. Sie hätte von ihrer Größe her ausgereicht, um bei einer Kollision mit einem Flugzeug erhebliche Schäden verursachen. Auch andere Szenarien, etwa dass per Drohne gefährliche Gegenstände auf dem Rollfeld abgelegt werden könnten, ziehen die Behörden in Betracht.

          Einzelheiten zu den verschärften Vorkehrungen nennt die Bundespolizei „aus taktischen Gründen“ nicht. Dem Vernehmen nach werden inzwischen jedoch sowohl technische Geräte eingesetzt als auch speziell ausgebildete Beamte bereitgehalten, um auf mögliche Angriffe zu reagieren. Ein Sprecher sagte, man habe „auf die Gefahr umgehend reagiert“. Auch werde konsequent nach den Personen gefahndet, die Drohnen in die Verbotszone am Flughafen gesteuert hätten. Dies gilt als „gefährlicher Eingriff in den Luftverkehr“ und kann mit bis zu zehn Jahren Haft bestraft werden.

          Abschuss der Drohnen ist keine Option

          Die Sicherheitsbehörden rechnen damit, dass sich Vorfälle dieser Art häufen werden. Schon nach Sichtung der großen Drohne am Donnerstag hatten sie befürchtet, dass bald wieder Ähnliches geschehen werde. Die Sorge bestätigte sich, als am Freitag abermals ein größeres Fluggerät beobachtet wurde. Mutmaßlich handelte es sich um dieselbe Drohne wie am Vortag. „Nach wie vor gibt es kein zu hundert Prozent verlässliches und vollumfängliches System für Flughäfen, das Drohnen detektieren oder ausschalten könnte“, so der Sprecher der Bundespolizei weiter.

          Auch ein Abschuss der Geräte sei über dem Flughafen schwierig, „weil das Risiko bei einem so dichten Flugverkehr nicht zu kalkulieren wäre“. Das gleiche gelte für sogenannte Jammer, die das Signal der Drohnen stören und sie auf diese Weise zum Absturz bringen könnten. „Aber auch diese Technik“, so der Sprecher, „ist an einem Flughafen schwer zu kalkulieren, weil es am Ende in Teilen einen größeren Kollateralschaden an anderer Sicherheitstechnik auslöst als es Nutzen bringt.“

          Die Deutsche Flugsicherung warnt schon seit langem vor der Gefährdung des Luftverkehrs durch Drohnen. Sie arbeitet mit der Deutschen Telekom schon seit 2016 daran, Drohnen mit Hilfe des Mobilfunknetzes sichtbar zu machen. Derzeit entwickelt sie eine digitale Plattform zur Registrierung von Drohnen. Das Problem besteht allerdings darin, dass Drohnenbesitzer ihr Fluggerät entsprechend ausrüsten müssen, wie eine Sprecherin der Flugsicherung erläuterte. Böswillige Leute würden das natürlich nicht tun. Die Flugsicherung selbst darf in der Drohnenabwehr nicht aktiv werden, das ist alleine Sache der Polizei, wie die Sprecherin weiter sagte. Natürlich arbeite man eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen.

          Tatsächlich ist die Zahl der gemeldeten Behinderungen des Flugverkehrs durch Drohnen auch am Frankfurter Flughafen gestiegen. 2018 waren es 31 Meldungen und damit 16 mehr als im Jahr davor. Auf den 14 größten Flughäfen in Deutschland wurden 2018 rund 125 Behinderungen gezählt. Darunter ist zu verstehen, dass Piloten eine Drohne sichten und das der Flugsicherung melden. Die Schwierigkeit ist, dass Drohnen vom Radar nicht erfasst werden und für Lotsen so unsichtbar sind.

          Die Flugsicherung kann keine Angaben darüber machen, ob es vor allem kleine Hobbydrohnen oder eher größere Geräte waren, die von Piloten gesichtet wurden. Die Meldungen werden an die Bundespolizei weitergegeben, es gibt in der Regel aber keine Rückmeldung nach der Aufklärung.

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