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Hausdurchsuchungen : Polizei geht gegen Mainzer Fanszene vor

  • Aktualisiert am

Einsatz gegen die aktive Fanszene: Mainzer Anhänger sind im Visier der Polizei. Bild: Wonge Bergmann

Mit einem Großaufgebot hat die Polizei Wohnungen von Angehörigen der aktiven Fanszene des Bundesligavereins Mainz 05 durchsucht. Hintergrund sind Angriffe auf Fans anderer Mannschaften. Die Fanhilfe spricht von unverhältnismäßigen Eingriffen.

          Rund fünf Monate nach dem Angriff von Mitgliedern der aktiven Fanszene des FSV Mainz 05 auf Anhänger von Kickers Offenbach hat die Polizei neun Wohnungen durchsucht. Rund 60 Polizisten, darunter auch Spezialkräfte, seien am Dienstagmorgen unter anderem in Mainz und Mannheim im Einsatz gewesen, teilten die Mainzer Staatsanwaltschaft und das Polizeipräsidium Mainz am Mittwoch gemeinsam mit. Die Beamten beschlagnahmten mutmaßliche Tatbekleidung, eine gestohlene Stadionordnungstafel im Wert von etwa 500 Euro sowie Sturmhauben, Schlagwerkzeuge, Sprühdosen und diverse Pyrotechnik. Außerdem stellten die Beamten Betäubungsmittel, elektronische Geräte und diverse Speichermedien sicher. Festnahmen gab es keine.

          Insgesamt wurden laut Polizei neun Objekte in Mainz, Stadecken-Elsheim, Seibersbach, Ober-Olm, Mainz-Kastel und Mannheim durchsucht. Anlass dafür war eine Auseinandersetzung der Fangruppen im vergangenen Mai. Bei einem Auswärtsspiel ihrer Mannschaft bei Schott Mainz hatten die Fans des Regionalligaklubs OFC den Abschluss ihrer Saison feiern wollen.

          Das Spiel wurde aus Sicherheitsgründen vom eigentlichen Spielort des TSV Schott an den Bruchweg ins Stadion auf dem Trainingsgelände von Mainz 05 verlegt. Genau dort treffen sich vor Spielen die Mitglieder der aktiven Fanszene von Mainz 05, die an jenem Samstag wie vor Heimsspielen üblich zusammen vom Treffpunkt am Bruchweg aus zum gut zwei Kilometer Bundesligastadion laufen wollten. Die Anstoßzeit des Regionalligaspiels um 14 Uhr und die Abmarschzeit der Fans zum Spiel gegen Werder Bremen überschnitten sich unglücklich, was den Klubs, Fans und auch der Polizei im Vorfeld bekannt war. Eine zeitliche oder räumliche Verlegung des Spiels Schott Mainz gegen Offenbach wurde dennoch nicht erwogen, obgleich dieses Saisonabschlussspiel ohne sportliche Bedeutung für die Abschlusstabelle war.

          Bei Ankunft der Offenbacher Fans attackierten rund 130 Angehörige der Ultraszene des 1. FSV Mainz 05 die Besucher aus Hessen. Es kam nach Polizeiangaben zu „heftigen und tumultartigen Auseinandersetzungen“. Außerdem sollen einige Autos von Unbeteiligten beschädigt worden sein.

          Attacke gegen Kickers Offenbach

          „Mit den Durchsuchungen wollen wir ein Dunkelfeld erhellen“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Dabei gehe es aber nicht nur um den Angriff auf die Offenbacher Anhänger. Zudem habe es drei weitere Attacken gegeben, die man aufzuklären hoffe: Im Umfeld von Spielen des 1. FSV Mainz 05 sei ein Fan des VfB Stuttgart ebenso angegriffen worden wie Anhänger des VfL Wolfsburg. Außerdem sei ein Polizist attackiert worden, als er drei der Ultraszene zugrechnete Personen beim Sprühen von Graffiti ertappte.

          Vor den Durchsuchungen hatte die Polizei bereits zehn Personen ermittelt, die an den Attacken beteiligt gewesen sein sollen. Nun werde man die Ergebnisse der Durchsuchungen auswerten und weitere Tatverdächtige befragen, sagte der Polizeisprecher. „Das dauert und ist aufwendig.“

          Fanhilfe widerspricht Darstellung der Polizei

          Die Mainzer Fanhilfe als Verein, der Fans unterstützt, die in juristische Schwierigkeiten geraten sind, spricht in einem im Internet veröffentlichten Statement davon, dass Hausdurchsuchungen als Mittel der Polizei unverhältnismäßig gewesen seien, da sie selbst bei folgender Entlastung der Betroffenen wegen weitreichende Folgen hätten.

          Die Fanhilfe bezweifelt, dass der Einsatz gerechtfertigt sei. Sie verweist zudem darauf, dass die Auseinandersetzungen am Bruchweg auch Folge von Fehlverhalten der Polizei gewesen und zudem in der Darstellung der Polizei in den folgenden Pressemeldungen übertrieben dargestellt worden seien. So seien beispielsweise die Busse lediglich mit leeren Plastikflaschen beworfen worden und auch keine weiteren Fahrzeuge beschädigt worden. Die Polizei hätte ohnehin das Aufeinandertreffen der Fangruppen ohne großen Aufwand vermeiden können.

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