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Kommentar : Bloß nicht wieder zuknöpfen

  • -Aktualisiert am

Kurznachrichtendienst: Twitter wird mittlerweile auch von der Polizei genutzt. Bild: AFP

Die Polizei agiert auf Twitter locker und offen. Das kommt gut an. Die rechtlichen Bedenken sollte sie zwar ernst nehmen, das heißt aber nicht, dass sie sich zuknöpfen muss.

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          Die Polizei macht auf Twitter das, was sie sonst nur selten tut: Spaß. Neulich schrieb ein Nutzer in dem sozialen Netzwerk die Frankfurter Beamten so an: „Von Südwest nähert sich eine Gewitterzelle! Bitte sofort festnehmen!“ Über das Humorniveau kann gestritten werden, aber die Polizei reagierte dem Kommunikationsmittel angemessen zuerst mit einem Smiley und schrieb dann: „Wir tun, was wir können. Stets zu Diensten!“

          Dieser Ton kommt an. Bei Twitter wird die Polizei regelmäßig für ihre Offenheit gelobt, 25.000 Menschen haben den Account abonniert - und lesen nicht nur Witzeleien, sondern vor allem Informationen, etwa Verkehrshinweise. Besonders intensiv twittern die Beamten bei Großereignissen wie der Blockupy-Demonstration im März. Solche Tage waren einer der Gründe, warum die Polizei das Experiment im sozialen Netzwerk gestartet hat: Die Beamten sollen an der Online-Diskussion mitwirken. Auf Twitter wird gerade bei Demonstrationen oft massive Kritik an der Arbeit der Beamten geübt.

          Fröhliches Duzen

          Auch an Blockupy-Tagen ist die Polizei im sozialen Netz locker im Ton. Sie duzt fröhlich und schreibt schon einmal ganze Sätze in Versalien, benutzt also das Geschrei des Internets. Die Kritik, die ein Frankfurter Jurist jetzt daran geäußert hat, mag kleinlich wirken. Doch die Vorwürfe - Verletzung des Neutralitätsgebots, unerlaubter Grundrechtseingriff - sind nicht konstruiert.

          Die Polizei muss nun genau überlegen, wie und was sie künftig twittern will. Was kann dabei herauskommen? Eine neu zugeknöpfte Behörde ohne Sinn für Humor? Das muss nicht sein. Den Einwänden wäre entsprochen, wenn die Polizei an wenigen Stellschrauben drehen würde, sie also Fotos von Demonstranten sorgfältiger verpixelt und sachlicher über Straftaten informiert.

          Alles andere, ein Ende des Experiments Twitter gar, wäre schade, nicht des Spaßes, sondern der relevanten und schnellen Informationen wegen.

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