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Tod durch Teufelsaustreibung : Zwei Stunden Schmerz und Qualen

  • -Aktualisiert am

Ein polizeiliches Siegel verschließt die Eingangstür des Hauses in Sulzbach Bild: Marcus Kaufhold

Nach dem tödlichen Exorzismus einer Koreanerin in einem Frankfurter Hotel, finden die Ermittler im hessischen Sulzbach ein weiteres Opfer – eingepackt in Frischhaltefolie. Die Nachbarn sprechen von stundenlangem Geschrei.

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          Wahrscheinlich bei einer Teufelsaustreibung ist am Samstag eine 41Jahre alte Koreanerin im Frankfurter Intercontinental Hotel ermordet worden. Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, hat das Amtsgericht gegen fünf Verdächtige Haftbefehl erlassen. Sie sind vermutlich auch für die schweren Verletzungen einer weiteren Frau verantwortlich, die nach der Bluttat in dem Hotel in einem Einfamilienhaus in Sulzbach gefunden worden war. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die fünf Inhaftierten wegen gemeinschaftlichen Mordes.

          Nach den bisherigen Ermittlungen checkten die mutmaßlichen Täter und ihr Opfer am Freitag in dem Hotel am Mainufer ein. Am Samstag sollten der Frau dann offenbar die „Dämonen“ ausgetrieben werden, von denen die Beteiligten sie besessen wähnten. Ob das Opfer in die grausame Prozedur eingewilligt hatte, ist bisher nicht klar.

          Handtuch in den Mund gesteckt

          Laut Staatsanwaltschaft fesselten die Täter die Frau ans Bett und schlugen ihr immer wieder heftig auf die Brust und den Bauch. Damit sie nicht schrie, sollen sie ihr ein Handtuch in den Mund gesteckt und ihr den Hals zugedrückt haben. „Nach derzeitigem Kenntnisstand fügten die Beschuldigten dem Opfer über einen Zeitraum von mindestens zwei Stunden Schmerzen und Qualen zu, wobei ihr Handeln von einer gefühllosen und unbarmherzigen Gesinnung getragen war“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

          Der Körper der Frau war von Hämatomen übersät, in ihrem Mund steckte ein mit Stoff bezogener Kleiderbügel. Laut einem Gerichtsmediziner ist sie erstickt. Ihre Peiniger riefen nach der Tat einen katholischen Pfarrer herbei, der die Hotelrezeption und die Polizei verständigte. Welcher Religion Täter und Opfer angehörten, ist noch nicht bekannt.

          Unter den Festgenommenen ist der 15 Jahre alte Sohn der Toten, ein Jugendlicher gleichen Alters, eine 44 Jahre alte Frau sowie deren 21 Jahre alter Sohn und 19 Jahre alte Tochter. Sie alle sollen in einem verwandtschaftlichen Verhältnis zueinander gestanden haben. Die Südkoreaner reisten den Ermittlungen zufolge vor etwa sechs Wochen nach Deutschland ein und bezogen das Einfamilienhaus in Sulzbach. In der Garage des Hauses fanden die Ermittler nach Hinweisen der Festgenommenen am Samstagabend die zweite Frau. Sie war den Angaben zufolge unterkühlt und fast dehydriert. Offenbar konnte sie sich nicht selbst helfen, da sie in Frischhaltefolie eingewickelt war.

          In dem Haus sollen nach Aussagen der Nachbarn außer den festgenommenen Frauen und Jugendlichen bis vor etwa drei Wochen auch mehrere Männer gewohnt haben. Zeugen berichten davon, dass diese die Einzigen gewesen seien, die etwas Deutsch gesprochen und immer wieder gesagt hätten, in dem Haus lebten Geister. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte gestern auf Anfrage, dass bisher nicht nach weiteren Verdächtigen gefahndet werde.

          Das Hotel Intercontinental in Frankfurt

          Die Koreaner lebten in dem Haus in Sulzbach offenbar sehr zurückgezogen. Die Rollläden waren nach Angaben der Nachbarn so gut wie immer heruntergelassen, alle Bewohner hätten jeden Vormittag gemeinsam das Haus in Richtung S-Bahn verlassen. Anfangs, als noch viele Männer mit in dem von einem Hofheimer vermieteten Haus gewohnt hätten, sei nachts stundenlang Gekreische aus dem Keller zu hören gewesen.

          Exorzismus, die Austreibung von Dämonen und Teufeln, ist ein in vielen Religionen traditionelles Ritual. In der katholischen Kirche war der Exorzismus von „Besessenen“ im Mittelalter üblich. Heute unterliegt er strengen Auflagen, erlaubt sind etwa das Besprengen mit Weihwasser, die Anrufung Gottes und das Handauflegen. Nach den Kirchenvorschriften darf die Teufelsaustreibung nur nach ausdrücklicher Genehmigung des Ortsbischofs durch einen Priester vorgenommen werden. Zuvor müssen medizinische oder psychiatrische Behandlungsmöglichkeiten genutzt werden.

          Fälle von verbotener und gewaltsamer Teufelsaustreibung werden in Deutschland selten bekannt. Daran gestorben war zuletzt 2009 eine 87 Jahre alte Frau. Ihr Sohn hatte mit einer Bibel auf sie eingeschlagen. In Frankfurt hat sich das Landgericht vor etwas mehr als einem Jahr mit Zuhältern beschäftigt, die vier junge Nigerianerinnen mit Voodoo-Schwüren bedroht und zur Prostitution gezwungen hatten.

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