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Prügelei nach Kopftuch-Debatte : „Wir lassen uns nicht verbieten, zu diskutieren“

Eine Frau mit Kopftuch sitzt während einer Veranstaltung an der Uni Frankfurt im Publikum. Bild: dpa

Nachdem es bei einer Podiumsdiskussion in Frankfurt zum Thema „Verschleierung“ zu Handgreiflichkeiten kam, ermittelt nun die Polizei. Und die Beteiligten geben sich gegenseitig die Schuld.

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          Auch wenn die Kulturwissenschaftlerin Naïla Chikhi und der Stadtverordnete Uwe Paulsen (Die Grünen) inhaltlich weit auseinander liegen, so sind sie sich doch in einem Punkt einig.  Beide werben dafür, weiter fair und offen über die Symbolik des Kopftuchs, aber auch über Themen wie Rassismus zu diskutieren.

          Mitglieder der Gruppe „Studis gegen rechte Hetze“ hatten eine Podiumsdiskussion lautstark unterbrochen, um mit Plakaten und Zwischenrufen auf Vorfälle rassistischer Gewalt hinzuweisen. Nachdem sie trotz mehrfacher Aufforderung den Raum nicht verlassen, sich aber auch nicht auf eine inhaltliche Diskussion einlassen wollten, kam es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen. Schließlich musste die Polizei schlichten. Sowohl gegen Mitglieder aus dem Umfeld der Veranstalter, als auch gegen solche der Gruppe „Studis gegen rechte Hetze“ soll nach Angaben einer Referentin des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) am nächsten Tag Anzeige erstattet worden sein.

          Die Veranstalter, darunter Mitglieder der Gruppe „Terre des femmes“, der Asta selbst sowie die Gruppe „Migrantinnen für Säkularität und Selbstbestimmung“, schienen von den Protesten überrascht. Sicherheitsvorkehrungen, wie es sie zuvor bei anderen Veranstaltungen zu diesem Thema gegeben hatte, waren keine vorgesehen.

          Protest war als friedliche Aktion gedacht

          In einer am Freitag veröffentlichten Pressemitteilung bezeichnen die Störer die Aktion als „Performance“, mit der sie auf die Opfer von „antimuslimischem Rassismus“ hinweisen wollten. Auch kritisierten sie, dass es sich bei der Podiumsdiskussion um die dritte universitäre Veranstaltung handele, die sich auf die im Frühjahr in Frankfurt gezeigte Ausstellung „Contemporary Muslim Fashion“ bezogen habe, bei der das Podium jedoch abermals „auffallend einseitig besetzt“ gewesen sei. Man habe auf die Gefährlichkeit der sogenannten Kopftuch-Debatte aufmerksam machen wollen, heißt es in der Mitteilung. „Wenn wir als Uni einen wissenschaftlichen Anspruch haben, ist es die Aufgabe der Veranstalter, sowohl Vertreter der muslimischen Community, als auch der Islamwissenschaften einzuladen“, so eine Sprecherin der Gruppe. Der Protest sei als friedliche Aktion geplant gewesen. „Wir waren geschockt von der Aggressivität vor Ort.“ Das Anliegen der Gruppe sei es gewesen, auf die „reale Gewalt gegen Muslime in Deutschland aufmerksam zu machen“, so die Sprecherin weiter.

          Auf dem Podium saß neben Naïla Chikhi und Uwe Paulsen auch Ingrid König, Publizistin und ehemalige Schulleiterin in Frankfurt-Griesheim. Moderiert hatte Asta-Referentin Fatma Keser.

          Paulsen wehrt sich gegen die Darstellung, auf dem Podium seien keine Gegenpositionen zugelassen worden. Er selbst habe während der Debatte eine durchaus liberale Haltung vertreten, betont der Pädagoge, der etwa ein pauschales Kopftuch-Verbot für Lehrerinnen ablehnt. Die Diskussion am Donnerstagabend wurde fortgesetzt, nachdem die Polizei für Ruhe gesorgt hatte. „Hätten wir abgebrochen, hätten wir den anderen das letzte Wort überlassen. Wir können uns nicht verbieten lassen, zu diskutieren“, sagt Chikhi. Protestaktionen schüchtern die aus Algerien stammende Kulturwissenschaftlerin nicht mehr ein. Schon lange macht sie sich für das umstrittene Berliner Neutralitätsgesetz stark, welches das Tragen von religiösen Zeichen im öffentlichen Dienst verbietet.

          Die Moderation des Abends, Asta-Referentin Fatma Keser, überlegt ebenfalls, Anzeige zu erstatten. Nicht wegen des Vorfalls im Studierendenhaus, sondern weil die Gruppe „Studis gegen rechte Hetze“ schon in der Vergangenheit Flugblätter verteilt habe, auf denen sie namentlich als Rassistin betitelt worden sei. „Ich möchte mich auf dem Campus weiter sicher fühlen können.“

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