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Drohung per E-Mail : Politiker bekommt Hassbotschaft über mutmaßlichen Polizeiaccount

Drohung per E-Mail: Maurice Conrad hat eine Hassbotschaft über einen mutmaßlichen Polizeiaccount bekommen (Archivbild). Bild: Francois Klein

Ein Mainzer Kommunalpolitiker hat über E-Mail eine Hassbotschaft erhalten. Der Anfangsverdacht fällt dabei auf die Polizei als möglichen Absender. Doch Ermittlungen kommen zu einem anderen Ergebnis.

          2 Min.

          Die Warnung, die am Sonntagabend mit dem Betreff „Deine Hetze über die Polizei“ bei ihm eingegangen ist, hat den Mainzer Stadtrat Maurice Conrad von der Fraktion Piraten & Volt lange nicht schlafen lassen. Schließlich empfahl ihm der Verfasser „das allabendliche Gebet, dass wir zwei uns niemals über den Weg laufen. Wäre gesünder.“ Die klar zu lesende Mail-Adresse, ein Name mit dem Zusatz @polizei.hessen.de, ließ zumindest vermuten, dass es sich bei dem Absender um einen in Hessen tätigen Polizisten handeln könnte.

          Markus Schug

          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Ob die Nachricht tatsächlich vom offiziellem Mail-Account der Polizei verschickt wurde oder ob es sich womöglich um einen Fake - also etwa um Mail-Spoofing - handelte, hat das Hessische Landeskriminalamt im Laufe des Montags überprüft. Am Abend kam Entwarnung: Demnach stehe zweifelsfrei fest, „dass die besagte Mail nicht von der angezeigten Mail-Adresse der hessischen Polizei versendet wurde“. Wie es in der gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Wiesbaden herausgegebenen Erklärung weiter hieß, „laufen die Ermittlungen zur Identifizierung des Urhebers noch“. Der 20 Jahre alte Conrad hatte es ebenfalls von Anfang an für möglich gehalten, dass mit der von ihm inzwischen über den Kurznachrichtendienst Twitter und andere Kanäle veröffentlichten Nachricht etwas nicht stimme.

          Angst vor der Drohung

          Gleichwohl wolle er noch am Montag, nach seiner Rückkehr nach Mainz, Anzeige erstatten, sagte er am frühen Nachmittag dieser Zeitung: Dann werde er der Polizei auch den Namen des vermeintlichen  Absenders als Verdächtigen nennen.

          Der Klimaaktivist, der sich unter anderem für die Fridays for Future-Bewegung einsetzt und 2021 gerne auf einer Klimaliste für den rheinland-pfälzischen Landtag kandidieren möchte, ist zwar immer mal wieder mit Kommentaren und bisweilen ironisch gemeinten Bemerkungen in den sozialen Netzwerken unterwegs; und auch das Thema Polizeiarbeit in Deutschland hat er dabei in der Vergangenheit nicht ausgespart. Von einer „persönlichen Vorgeschichte“, die das Schreiben von Sonntag erklären könnte, weiß er allerdings nichts zu berichten.  Er habe schon ein bisschen Angst, wenn ihm körperliche Gewalt angedroht werde. Das sei „definitiv eine Bedrohung“.

          Im Netz selbst habe er die in solchen Fällen üblichen Reaktionen erhalten: von kritischen Nachfragen über Unterstützung und Sympathiebekundungen bis hin zu Beschimpfungen. Der Mail-Schreiber selbst war ebenfalls nicht zimperlich und ließ den in Mainz-Gonsenheim aufgewachsenen Abiturienten seine Missachtung deutlich spüren: „Ich wusste gar nicht, dass man mit prekärer Bildung Stadtrat wird. Kein Wunder, Mainz, Drecksloch auf der anderen Rheinseite.“

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