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„Pulse of Europe“ in Frankfurt : Flagge zeigen für Europa

Mit Herz und Sternen: Demonstranten erheben auf dem Frankfurter Goetheplatz und in vielen anderen Städten jeden Sonntag um 14 Uhr ihre Stimme und viele Flaggen für Europa. Bild: Maximilian von Lachner

Vom Frankfurter Sofa auf die Plätze vieler Städte: Aus der Idee, nach Brexit-Votum und Trump-Wahl für den Erhalt der Europäischen Union auf die Straße zu gehen ist eine Bewegung geworden, die zunehmend die Politik interessiert.

          Der Frühling lässt sein blaues Band flattern. Und nicht nur so, wie es Mörike der Aufbruchsstimmung in der Natur zuschrieb, sondern auch in Form von Europa-Flaggen, die an jedem Sonntag in immer mehr Städten geschwenkt werden. Blaue Bänder auch an den Armen derjenigen, die sie halten: Die Silikonringe mit Herz und Stern weisen ihre Träger als Unterstützer der Bewegung „Pulse of Europe“ aus, die auch zeitgeistgemäß unter „#pulseofeurope“ firmiert.

          Patricia Andreae

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Name ist das Programm für Daniel Röder und seine Frau Sabine. Im vergangenen November, nach dem Votum der Briten, die Europäische Union zu verlassen, und nach den ersten Demonstrationen in Reaktion auf die Donald Trumps hatten sie beschlossen, dass sie nicht erst aktiv werden wollten, wenn es zu spät wäre. Ihre Sorge damals: ein Auseinanderbrechen der Europäischen Union nach den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich.

          Für, nicht gegen etwas auf die Straße

          Als sie darüber nachdachten, wie sie ihre Initiative nennen wollten, habe er das Bild einer siechenden Kranken mit schwachem Puls vor sich gehabt, sagt Röder, der kein Arzt ist, sondern promovierter Jurist. Diesen Pulsschlag zu erhöhen und so kräftig werden zu lassen, dass er unüberhörbar wird: Das haben die Röders mit einer Hand voll Mitstreiter und vielen begeisterten Europa-Freunden geschafft. In fast 70 Städten wird inzwischen deutschland- und europaweit sonntags demonstriert.

          Zum ersten Mal hatten sie für den Nachmittag des ersten Advents 2016 zu einer „Pulse of Europe“-Demonstration auf der Frankfurter Europa-Allee mit E-Mails im Bekanntenkreis aufgerufen. Entgegen allen Erwartungen kamen bei schmuddeligem Novemberwetter rund 200, um ihr Einstehen für Europa zu demonstrieren, Hand in Hand in einer Menschenkette. Dieser Erfolg bestätigte die Organisatoren, zu denen außer dem Ehepaar Röder Stephanie Hartung, Jens Pätzold und Hans-Jörg Schmitt gehören, alles Juristen, außerdem Karl-Burkard Haus, der als Texter arbeitet, und seine Frau Karin. Sie entschlossen sich weiterzumachen, im Zentrum Frankfurts. Und zugleich, organisiert von Röders Freund und Kollegen Moritz Pohl, auch in Freiburg.

          Seit dem 15. Januar schlägt das Herz der Bewegung in Frankfurt auf dem Goetheplatz. An jenem Tag sind es rund 400 Leute, die sich zu den Klängen des italienischen Schlagers „Insieme“ von Toto Cutugno die Hand reichen und mit lang ausgestreckten Armen einen großen Kreis um den Platz mit der Statue des Dichterfürsten in der Mitte schließen. Insieme, zusammen, wollen sie dort stehen und demonstrieren. Nicht gegen, sondern für etwas auf die Straße zu gehen, das ist ihnen besonders wichtig. Auf dem zu einer Bühne umfunktionierten gemieteten Lastwagen treten die Initiatoren, alle in den Vierzigern, ans Mikrofon und erläutern ihre Beweggründe.

          „Come back and stay“

          Fast alle bekennen, noch nie zuvor demonstriert zu haben. Nun aber, nach den Erfolgen der Populisten in Großbritannien und Amerika, wollten sie nicht länger tatenlos zusehen. Die Wahlen in den Niederlanden und Frankreich im Visier, werben sie für den Zusammenhalt in Europa. An das offene Mikrofon treten dann Leute aus dem Publikum, die ihre Verbundenheit mit Europa und dem, was ihnen die Union bietet, schildern. Darunter sind ehemalige Stipendiaten des Erasmus-Programms, Leute, die erzählen, wie es war, als man noch bei jeder Urlaubsfahrt nach Holland, Frankreich, Österreich oder Italien an Schlagbäumen anhalten und Geld wechseln musste. Es sprechen aber auch immer wieder noch Ältere, die an die Zeiten erinnern, als Frieden in Europa kaum denkbar schien.

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