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Eintracht-Film : Krasser als jeder Krimi

Pokalfieber im Kinosessel: Eintracht-Fans erleben den Sieg nochmal auf der großen Leinwand. Bild: Carlos Bafile

Es sind Momente voller Emotionen eingefangen in einer abendfüllenden Vorführung: Fans der Frankfurter Eintracht erleben im Kino nochmals die Emotionen vom Pokaltriumph

          Im Dunkeln lassen sich Gefühle besser verbergen. Bevor Marc den Saal 6 im Frankfurt Kinocenter Metropolis verlässt, nutzt er den Schutz des Dämmerlichts noch schnell aus und wischt sich mit dem Ärmel des Hoodies über das Gesicht. Seine Freundin grinst. Er müsse sich nicht schämen, sagt sie. „Du bist nicht der Einzige, der geheult hat.“

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie recht sie hat. Als der Kinofilm „Die Rückkehr des Pokals“ über den Triumph der Frankfurter Eintracht im DFB-Pokalfinale im vergangenen Mai vorüber ist, fühlt es sich ähnlich an wie damals in Berlin. Jubel brandet auf im mit 626 Männern und Frauen voll besetzten Kinosaal. Viele Besucher tragen Schals, Pullover, Mützen, Shirts und Trikots in den Farben ihres Lieblingsclubs, vor der Leinwand hat der Fanclub „Schobberobber“ ein Transparent mit seinem Logo ausgerollt, und die meisten Zuschauer scheinen nach der 89 Minuten langen Dokumentation emotional zum 19. Mai zurückversetzt.

          „Hoffnung, Angst, Gänsehaut, Tränen“

          So wie Marc, der dabei war beim Triumph im Olympiastadion. „Ich habe alles noch mal erlebt – Hoffnung, Angst, Gänsehaut, Tränen“, erzählt der 39 Jahre alte Frankfurter. „Und jetzt bin ich gerade einfach nur leer.“ Gut acht Monate nach dem Finalspiel ist ganz Frankfurt abermals im Eintracht-Fieber. Eigentlich sollte der vom Verein gemeinsam mit Warner Bros. produzierte Streifen nur in ein paar ausgewählten Kinos laufen, doch längst ist er ein Kassenschlager, der Tausende anlockt – sogar in Berlin und auch in München, der Stadt, der 3:1 geschlagenen Bayern. „Alles ausverkauft“, sagt der Mann an der Kasse im Metropolis und meint zwei große Säle in dem Frankfurter Kino.

          Der Film schafft etwas, was die Besucher an diesem Sonntagnachmittag, aber auch in anderen Vorstellungen zu Tränen rührt: Er gibt denen, an die er sich richtet, das Gefühl, einen Teil zum großen Ganzen beigetragen zu haben. Die Fans, ob in Berlin beim Spiel, im Frankfurter Waldstadion, auf den Straßen und auf dem Römer beim Empfang tagsdrauf, werden in einigen der zahlreichen Interviews und Tonmitschnitten in höchsten Tönen gelobt, immer wieder – ob von Anführer Kevin Prince Boateng, von Trainer Niko Kovac, von Präsident Peter Fischer. Es gibt jede Menge Gänsehautmomente, die den Film zwar eher nicht zum Meisterwerk der Filmgeschichte, aber sehr wohl zum Dokument sportlicher Zeitgeschichte machen, das für einen Eintracht-Fan von besonderem Wert ist.

          „Und er läääääuft“

          Drei Jungs im Grundschulalter hüpfen nach der Vorstellung vor dem Kino auf und ab, „und er läääääuft“, ruft einer und imitiert jenen Radiokommentator aus dem Film, dessen Stimme sich kurz vor dem entscheidenden 3:1 von Mijat Gacinovic nach dessen Lauf über fast das ganze Spielfeld mehrmals überschlägt. Christian, 37 Jahre, und Georg, 62, wirken sprachlos. „Hollywoodreif“, schwärmt Georg. Vater und Sohn erzählen, sie seien während des Endspiels auf Gran Canaria gewesen – „wer hätte denn mit sowas gerechnet“ – und dann, wie zuvor zu Hause versprochen, „nach dem Sieg nackisch in den Pool gesprungen“. Das, sagt Christian, „würde ich am liebsten jetzt wieder tun“.

          In anderthalb Stunden gelingt den Machern der Dokumentation, jenen Spannungsbogen wieder aufzubauen, der den Pokalsieg zu etwas Besonderem macht, und der all jene, die dabei waren, auch in Berlin begleitet hat. Es ist jene emotionale Achterbahnfahrt, die als klarer Außenseiter gegen den haushohen Favoriten beginnt, sich in eine kämpferische Trotzreaktion verwandelt und in nervenaufreibenden 90 Minuten zur Gefühlsexplosion verdichtet, die Tausende im Stadion und vor den Bildschirmen 30 Jahre nach dem letzten Eintracht-Titel zu Tränen rührt. „Das war heute krasser und intensiver als jeder Krimi“, findet Marc. Dann will er heim. Beim Rausgehen flüstert seine Freundin noch: „Ich musste ihm vor Aufregung den ganzen Film über die Hand halten.“

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