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„Playsonic Festival“ : Musikalischer Spieltrieb

Einfach mitmachen: Das „Playsonic Festival“ verbindet Musik und Spiele. Bild: Hansjörg Rindsberg

Das „Playsonic Festival“ will zeitgenössische Musik spielerisch nahebringen. Besucher verwandeln sich in wackere Piloten und irre Sektenmitglieder. Dabei soll auf unterhaltsame Weise auch ernsthafte Musik entstehen.

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          Die kleine Passagiermaschine ist schon in der Luft, als plötzlich der Pilot ausfällt. Ein Laie muss das Flugzeug notlanden und erhält dazu Anweisungen aus dem Tower. Was man aus Filmen kennt, wird an diesem Wochenende zur Ausgangssituation für ein Musikspiel: beim „Playsonic Festival“, das die Alte Oper in Kooperation mit dem Ensemble Modern und der Musikhochschule erstmals ausrichtet.

          Guido Holze

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die Deutsche Bank Stiftung fördert das Ganze finanziell und hat das Dreierbündnis aus Veranstalter, Ausführenden und Ausbildungsstätte angeregt unter der Vorgabe, mit zeitgenössischer Musik möglichst viele Zuhörer zu erreichen. Das gelingt ja bekanntlich selten, da diese in ihrer klassischen Ausprägung von vornherein als schwer zugänglich gilt.

          Vielversprechende Verbindung

          Bei Recherchen erwies sich die Verbindung aus Spiel und Musik als vielversprechend. Ins Blickfeld rückte das Netzwerk „Invisible Playground“, ein Zusammenschluss von Spieleentwicklern und Künstlern, der den öffentlichen Raum mit Spielen künstlerischen Anspruchs erschließen will. In Zusammenarbeit mit freien Theatergruppen hat das Netzwerk schon Festivals im Ruhrgebiet, in Berlin und Krakau unter dem Titel „Playpublic“ organisiert. Zeitgenössische Musik stand dabei jedoch noch nie im Vordergrund.

          Es folgte eine Arbeitsphase, die im Januar in einen „Game Jam“ in der Musikhochschule mündete. Das ist ein in der Spieleentwicklung übliches Treffen, bei dem die Entwickler mit freiwilligen Versuchspersonen mehr oder weniger spontan verschiedene Spielideen ausprobieren. Vier „Fokus-Teams“ hatten sich dazu gebildet, bestehend jeweils aus einem Komponisten, wie etwa dem an der Musikhochschule lehrenden und auf dem Gebiet der elektronischen Musik erfahrenen Orm Finnendahl, sowie je einem Spiele-Designer und einem Künstler anderer Sparten – von der Kostümbildnerin bis zur Videokünstlerin.

          Kosmisches Hintergrundrauschen

          Das Team „Ensemble“ setzte sich zum Ziel, mit der größten Musikerbesetzung auch das größte Publikum zu erreichen und mit diesem viele Räume, Foyer und Säle der Alten Oper zu erkunden. Neben der Flugzeug-Notsituation wurden dazu zwei weitere Ideen umgesetzt, zu denen der Komponist Daniel Moreira eine Musik lieferte, die von den Zuhörern wie in einem Puzzle neu zusammengesetzt werden kann. Im Mozart-Saal können sich die Besucher unterdessen mit bunten Kutten in Mitglieder einer Weltuntergangssekte verwandeln. Ihr Tempel verspricht dazu, eins zu werden mit dem kosmischen Hintergrundrauschen. Wem das suspekt ist, der kann das Treiben von der Empore aus auch nur als Zuhörer verfolgen.

          Im Pfitzner-Salon geht es ohnehin um den Einzelnen. Wer mag, kann dort nämlich einen Text laut vorlesen in dem Wissen, dass eine Aufnahme davon elektronisch bearbeitet, mit weiteren gemischt und zugespielt wird. So entsteht im Laufe des Festival-Wochenendes ein ganzer Stimmen-Chor. Auf dem Opernplatz laufen derweil sogar Passanten Gefahr, in ein Musikspiel verwickelt zu werden, etwa wenn ihnen jemand plötzlich eine „Ereigniskarte“ unter die Nase hält, mit der sie dann zu einem Musiker gehen sollen. Oder indem sie sich für die Klangfelder einer „mobilen Architektur“ interessieren, die dort aufgebaut sein wird.

          Laut Sebastian Quack vom Netzwerk „Invisible Playground“, der das Festival als Spiele-Designer mit seinem Kollegen Josa Gerhard kuratiert hat, sollen in den vier Projekten „verschiedene Aspekte des Wechselspiels von Musik und Spiel“ deutlich werden. Vor allem sollte dabei auf unterhaltsame Weise doch auch ernsthafte Musik entstehen und nicht nur pure Gaudi, wie Christian Fausch, der künstlerische Manager des Ensemble Modern, formuliert hat. Im Idealfall könnte das sogar der Fall sein bei der „Playsonic Party“, die am Samstag von 21 Uhr an in der Jugendkulturkirche Sankt Peter steigt und bei der die Gäste über Klanginstallationen auch kreativ tätig werden dürfen.

          PLAYSONIC FESTIVAL

          25. Mai, 17–21 Uhr, 26. Mai, 12–22 Uhr, 27. Mai, 12–18 Uhr, Frankfurt, Alte Oper, detailliertes Programm unter www.playsonic.de

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