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Uni Frankfurt : Schon morgens ist oft kein Platz mehr frei

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Volle Räume

Auch das Tuca, eigentlich Turmcafé, das seinen Namen noch vom längst gesprengten Bockenheimer Uni-Turm hat, ist so ein Ort, den Studenten besetzt haben. Dort stehen Sofas, Sessel und Tische, man kann raus auf die Terrasse, es gibt günstigen Kaffee und andere Getränke. Viele Leute kommen hierher, um einen Raum zu haben, den sie einfach so nutzen können – sei es, um mit Freunden zusammenzusitzen oder zu arbeiten. „Die Raumsituation am Campus ist prekär. Das liegt auch an der Raumpolitik, die betrieben wird. Die studentischen Räume, die es gibt, haben sich die Studierenden aktiv angeeignet“, sagt die Politikstudentin Luise Brunner. „Sogar hier war es lange Zeit umstritten, ob die Teeküche und Terrasse so von uns genutzt werden dürfen.“ Da die Uni selbst aber keine solchen Räume zur Verfügung stelle, bleibe nur dieser Weg – der von der Hochschulleitung im Moment geduldet wird.

An den anderen Standorten der Goethe-Universität sind die Studenten noch stärker auf die Bibliotheken angewiesen. So zum Beispiel auf dem Campus Riedberg, wo die Naturwissenschaftler studieren. „Im Sommer lernen oft Schüler hier. Dann ist die Bibliothek so voll, dass wir auf den Westend-Campus ausweichen“, berichten Kai Künzler und Jonathan Eisert. „Andere Räume gibt es hier auf dem Campus nicht. Sonntags hat die Bibliothek zu und samstags nur bis 16 Uhr geöffnet – das ist zu wenig“, finden die beiden angehenden Biochemiker.

Ähnlich unzufrieden sind die Studenten am Universitätsklinikum in Niederrad. „Die Bibliothek hat seit April am Wochenende komplett zu. Das ist sehr ärgerlich für uns, weil wir auf die Lehrbücher angewiesen sind, die es nur hier gibt“, sagt Rami Hamed, der Zahnmedizin studiert. „Es heißt immer, dass wir Mediziner lernen sollen, aber wo sollen wir denn lernen?“ Sein Kommilitone David Reinhart stimmt ihm zu. „Auch, dass hier seit Jahren eine Mensa gebaut wird und wir keinen Ersatz dafür bekommen haben, ist sehr ärgerlich“, fügt er hinzu.

Beliebte Bücherei

Nachdem mittlerweile fast alle geisteswissenschaftlichen Fachbereiche auf den Westend-Campus umgezogen sind, wurden immer mehr Bestände von der Zentralbibliothek in die entsprechenden Fachbibliotheken ausgelagert. Dennoch ist die Universitätsbibliothek am alten Bockenheimer Campus nach wie vor beliebt. Vermutlich wird die Bibliothek auch noch weitere zehn Jahre an diesem Standort bleiben, bis der geplante, wohl mehr als 100 Millionen Euro teure Neubau auf dem Westend-Campus fertiggestellt sein wird.

„Im ersten Stock gibt es eigentlich immer freie Plätze, deswegen komme ich gerne hierher“, sagt Jan Meyer, der auf dem Westend-Campus Politische Theorie studiert. Auch Steffen Raguse ist am liebsten in der Zentralbibliothek. „Ich studiere Judaistik, und eigentlich ist die gesamte Literatur, die ich brauche, hier in Bockenheim.“ Natürlich sei das Gebäude nicht gerade modern, aber die Arbeitsatmosphäre sei in Bockenheim einfach deutlich besser als beispielsweise in der BSP. Darin sind sich die beiden Studenten einig.

Viele sind also nicht richtig zufrieden mit den Lernorten, die ihnen die Uni zur Verfügung stellt, vor allem, was Arbeitsplätze und Öffnungszeiten anbelangt. Immerhin werden in der BSP auf dem Westend-Campus gerade weitere Arbeitsgelegenheiten geschaffen – 42 neue Sitzplätze sollen dort entstehen. Einen Geheimtipp gibt es außerdem noch: das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, das Ende des vergangenen Jahres seinen Neubau an der Ecke von Miquel- und Hansaallee bezogen hat. Die helle und freundliche Bibliothek dort steht Studenten ebenfalls offen. Und während einige hundert Meter weiter die Leute einen Platz suchen, ist diese Bibliothek an diesem Mittag noch menschenleer.

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