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Berufsschulen in Frankfurt : Noch viel Arbeit für Bildungs-Gerechtigkeit

Moderne Berufsschule: Die Heinrich-Kleyer-Schule in Frankfurt bietet verschiedene Berufsschulformen und zahlreiche Ausbildungsgänge an. Bild: Frank Röth

Von dem weiten Spektrum an Ausbildungsmöglichkeiten in Frankfurter Berufsschulen profitiert die ganze Region. Die Stadt legt nun einen überfälligen Entwicklungsplan vor, der sich sehen lassen kann. Doch eine Verwirklichung der Vorhaben bringt noch jede Menge Arbeit mit sich.

          Das B in „Schulentwicklungsplan B“ steht keineswegs für Nachrangigkeit, sondern für „beruflich“, so wie das A in „Schulentwicklungsplan A“ für „allgemeinbildend“. Warum das der Erwähnung wert ist? Weil auch ansonsten oft der Eindruck aufkommt, die beruflichen Schulen seien nicht so wichtig.

          Wenn öffentlich über Bildung geredet wird, dann geht es um G8 oder G9, Unterrichtsausfall in der Grundschule, zunehmend auch um Kinderbetreuung, aber nur selten um die Berufsschulen. Das liegt daran, dass bei ihnen die ansonsten lautesten Akteure im Bildungsdiskurs, die Eltern und insbesondere die Akademiker unter ihnen, längst nicht so präsent sind wie in anderen Schulformen.

          Weites Spektrum an Branchen und Ausbildungen

          Wie wertvoll die duale Ausbildung für Wirtschaft, Gesellschaft und vor allem für individuelle Bildungschancen ist, wird spätestens beim Blick in Länder klar, die dieses System nicht kennen. Wobei die beruflichen Schulen noch viel mehr bieten – von den Intea-Klassen für Migranten über berufliche Grundbildung und berufsbegleitende Weiterqualifizierung bis hin zum Abitur mit beruflichem Profil.

          Dass es in Frankfurt all das für ein weites Spektrum von Branchen gibt, ist ein wenig beachteter Standortvorteil. Von ihm profitiert die ganze Region: Mehr als die Hälfte der Berufsschüler sind Einpendler, manche kommen sogar aus angrenzenden Bundesländern. Für die Stadt ergibt sich daraus auch eine Verpflichtung. Sie muss die Berufsschulen den demographischen, technischen und gesellschaftlichen Veränderungen anpassen. Das kostet nicht nur viel Geld, sondern ist auch mit erheblichem Planungs- und Steuerungsaufwand verbunden.

          Zusammenarbeit wird sich lohnen

          Der jetzt vorgelegte SEP-B ist der erste seit fast zwei Jahrzehnten und somit längst überfällig. Aber der Entwurf kann sich sehen lassen. Auch wenn man über einzelne Vorhaben streiten kann, zeugt er insgesamt von der Ernsthaftigkeit, mit der die Stadt sich der Aufgabe annimmt. Das beginnt bei der Einbindung der verschiedenen Akteure, insbesondere der Berufsschulen selbst, und reicht bis zur akribische Detailarbeit der Fachleute, die sich jeden einzelnen Klassenraum angeschaut haben, um Kapazitäten und Potentiale der Standorte zu bewerten.

          Wenn die Stadtverordneten den Plan beschließen, ist die Arbeit nicht erledigt. Dann beginnt die mühevolle und auch finanziell herausfordernde Verwirklichung. Doch das Vorhaben ist den Schweiß der Edlen wert. Denn die beruflichen Schulen erfüllen das mit Leben, was in Sonntagsreden gern als „Bildungsgerechtigkeit“ bezeichnet, oft aber mit „Abitur für alle und um jeden Preis“ verwechselt wird.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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