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Mainzer Ludwigsstraße : Weg frei für Investoren

Gutenbergplatz und Ludwigsstraße: Um 1895 fuhr in Mainz die Pferdebahn. Bild: Stadt Mainz

Die Mainzer Ludwigsstraße ist nicht nur eine Einkaufsmeile: Bei großen Volksfesten gehört die „Lu“ den Bürgern. Nun gibt es wieder einmal Pläne zur Bebauung. CDU und FDP sind gespalten.

          Wer in der Ludwigsstraße eine reine Einkaufsstraße mit möglichst vielen schicken Läden sieht, lässt die städtebauliche Bedeutung der auf ein Dekret von Kaiser Napoleon I. aus dem Jahre 1804 zurückgehenden Mainzer Hauptachse außer Acht. Die von Bäumen gesäumte „Grande Rue Napoléon“ sollte geradewegs durch die verwinkelte Altstadt führen und den damals noch Dietmarkt genannten Schillerplatz mit dem 250 Meter entfernten rechteckigen Gutenbergplatz verbinden, von dort aus über einen oval angelegten Marktplatz am Dom vorbeigehen und schlussendlich mit zwei strahlenförmig angelegten Wegen am Rhein enden.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Die von Baumeister Eustache de Saint-Far seinerzeit umgehend in die Wege geleitete Planung ist zwar, weil die Franzosen 1814 abziehen mussten, wie so vieles andere, was später geplant wurde, nur Stückwerk geblieben. Dennoch haben sich Architekten früherer Tage erkennbar viel Mühe und sehr viele Gedanken gemacht, wie das von der Kathedrale überragte Quartier rund um die Prachtstraße am besten zu entwickeln wäre.

          Kein Interesse an Grundsatzdebatten

          Das zumindest meint der langjährige Mainzer Stadtplaner Rainer Metzendorf. Er hat die Geschichte der oftmals nur „Lu“ genannten Ludwigsstraße schon im Herbst 2011 in einem Beitrag für die Mainzer Vierteljahreshefte äußerst detailliert und sachkundig dargestellt. Deshalb empfiehlt er mit Blick auf die grundsätzlich positiv zu bewertenden aktuellen Baupläne für das Karstadt-Areal einen Architekten-Wettbewerb.

          Vor „Geschichtsvergessenheit“ warnt auch der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Er hat sich nicht zum ersten Mal öffentlich dafür ausgesprochen, an jener Stelle, an der sich der bis dato offenbar unverkäufliche „Eis-Pavillon“ befindet, einen historisierenden Neubau zu errichten. Dieser müsse sich an dem gegenüberliegenden WMF-Gebäude auf der Nordseite der Straße orientieren, um den Gutenbergplatz durch ein solches „Eingangstor“ so zu fassen, wie dies in den Plänen der Franzosen ursprünglich einmal vorgesehen gewesen sei.

          Eine „hervorragende Idee“, wie sogar FDP und CDU meinen, obwohl sie in der Mai-Sitzung des Stadtrats zusammen mit SPD und Grünen 14 Leitlinien für das Projekt beschlossen haben, in denen davon keine Rede ist. Für Grundsatzdebatten über die „Lu“ scheint es im Rathaus ohnehin kein Interesse zu geben. Von potentiellen Investoren wird lediglich gefordert, für eine ansprechende und einheitliche Gestaltung der Fassaden zu sorgen; im Gegenzug dürfen die bis zu zwölf Meter hohen Gebäude auf ganzer Linie deutlich nach vorne zur Fahrbahn hin verschoben werden.

          Pläne lassen wenig erkennen

          Bei dieser Lösung verweisen die Fachleute der Bauverwaltung auf die „Lu“ des 19. Jahrhunderts, die als Korridorstraße beidseitig mit bis zu fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshäusern bebaut gewesen sei. Davon werden vor allen die Ingelheimer J. Molitor Immobilien GmbH und die Hamburger ECE GmbH profitieren, die dem Deutsche-Bank-Gebäude noch eine Eingangshalle anfügen und das nebenan geplante Geschäftshaus bis zur Baumreihe vorziehen dürfen. Die Gestaltung eines offenbar vom Bistum Mainz erwogenen Wohnhauses wird dagegen davon abhängen, ob der eigentlich unverkäufliche „Eis-Pavillon“ in ein solches Bauvorhaben irgendwie zu integrieren wäre.

          Abgesehen von der gewünschten Ansiedlung neuer Läden, lassen die bisherigen Pläne aber nur wenig erkennen, worüber oder worauf sich die Stadt und ihre feiererprobten Bürger freuen können. Angesichts immer strengerer Sicherheitsauflagen bei großen Volksfesten, wie Fastnacht und Johannisnacht, könnte der Wegfall der etwa für Rettungskräfte wichtigen Freiflächen zwischen den zum Abriss freigegebenen Pavillons im ungünstigsten Fall sogar dazu führen, dass auf der Mainzer Partymeile in Zukunft deutlich weniger „Spass uff de Gass“ zu erleben sein wird.

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