https://www.faz.net/-gzg-8htyl

Mittelrheintal : Badeschiffe, Wassertaxis und schwimmende Gärten

Erfolg in Koblenz: Seit der Bundesgartenschau verbindet eine Seilbahn das Deutsche Eck mit der Festung Ehrenbreitstein. Bild: Michael Kretzer

Das Mittelrheintal beschäftigt sich mit einer Bundesgartenschau in 15 Jahren. In einer Vorstudie gibt es kühne Ideen, wie der Fluss, der das Tal trennt, 2031 zu überwinden und zu nutzen ist.

          Das Mittelrheintal ist eine an Burgen und Schlössern ungewöhnlich reiche Region. Doch die vor 14 Jahren zum Unesco-Welterbe erhobene Kulturlandschaft ist zugleich arm an Bürgern. Sie leidet aber nicht nur unter dem demographischen Wandel und dem Wegzug junger Talbewohner. Der Region fehlen wirtschaftliche Impulse. Auch gutlaufenden touristischen Unternehmen mangelt es nicht selten an Nachfolgern. Und der Investitionsstau in den Orten am Strom ist für jeden aufmerksamen Besucher der Region an vielen Ecken gut erkennbar.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Zwar gibt es einen Masterplan, der Wege aus der Krise weist, doch die sind beschwerlich. Einen Befreiungsschlag könnte die Organisation einer ungewöhnlichen Bundesgartenschau (Buga) sein, die nicht eine Stadt als zentralen Veranstaltungsort hat, sondern eine ganze Region. Eine Region, die getrennt ist nicht nur durch den Rhein, durch viele Kreisgrenzen und sogar eine Ländergrenze. Eine langfristig angelegte Schau könnte aber das Instrument sein, eine regionale Entwicklungsstrategie zu verwirklichen.

          Mäßige Erfolge in der Havelregion

          Dieser Ansicht ist nicht nur Jochen Sandner, der Geschäftsführer der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft, sondern auch der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD), der mit dem Vorschlag vor einem Jahr an die Öffentlichkeit ging und seither viel Zuspruch erntet. Lewentz erinnerte damals an die positiven Erfahrungen mit der Landesgartenschau in Bingen im Jahr 2008 und der Bundesgartenschau in Koblenz drei Jahre später. Die südliche und die nördliche Eingangspforte in die Welterberegion Oberes Mittelrheintal profitierten seinerzeit nachhaltig von einer modernisierten Infrastruktur, und sie können bis heute auf steigende Gästezahlen verweisen.

          Koblenz zählte damals fast 3,6 Millionen Besucher, Bingen immerhin 1,3 Millionen. In Bingen wurde das langgezogene Rheinufer in eine attraktive Flanierzone verwandelt, die heute einer der großen Pluspunkte der Stadt ist. In Koblenz wurden unter anderem das Deutsche Eck, die Festungen Ehrenbreitstein, das Kurfürstliche Schloss und das Konrad-Adenauer-Ufer saniert und aufgewertet.

          Ob sich ein solcher Nutzen auch für eine ganze, immerhin 67 Kilometer lange Region links und rechts des Rheins gewinnen lässt, muss erst noch erwiesen werden. Die Bundesgartenschau in der Havelregion war 2015 die erste dezentrale ihrer Art. Der Erfolg war mäßig. Es kamen weit weniger Besucher als erhofft, und das Defizit fiel mit mehr als zehn Millionen Euro höher aus als befürchtet. Der Transport der Gäste von einem Ort zum nächsten erwies sich als schwer zu meisternde Hürde, obwohl nur fünf Kommunen beteiligt waren. Im Rheintal sind es viel mehr.

          Impuls für das gesamte Tal

          Laut Sandner gibt es dennoch einen Trend zu dezentralen, interkommunalen Großveranstaltungen. Das sei die Folge eines „tieferen Verständnisses dafür, dass sich viele Probleme nur in größeren Entwicklungszusammenhängen mit den Nachbarn lösen lassen“. Gerade in Zeiten leerer Kassen müsse man „über den eigenen Kirchturm hinausschauen“. Für die Havelregion seien „signifikante, nachhaltige touristische Effekte und ein enormer Schub beim Selbstwertgefühl in der Bevölkerung“ erreicht worden. Allerdings habe auch „Lehrgeld“ gezahlt werden müssen bei der Besucherführung, wenn es keinen zentralen Veranstaltungsort gebe, gibt er in einem Interview für die Studie zu.

          Rheinland-Pfalz nimmt das Vorhaben jedoch in Angriff, und Hessen, das lediglich mit den beiden Kommunen Rüdesheim und Lorch beteiligt ist, unterstützt diese Anstrengungen. Mit der Vorstudie werden vor allem die „zentralen Fragen“ aufgeworfen, die in einen Diskussionsprozess in den Kommunen und in einen Dialog mit den Bürgern münden sollen. Daran müsste sich im Jahr 2017 eine vertiefende Machbarkeitsstudie anschließen, die Standorte definiert und die Kosten einigermaßen verlässlich abschätzt. Schon 2018 könnte die Gartenbaugesellschaft dann über die Vergabe entscheiden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.