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Eintracht Frankfurt : Akzeptiert und offen für alles

  • -Aktualisiert am

Mann mit Zukunft: David Kinsombi kann gut zuhören und seine Schlüsse daraus ziehen. Bild: WITTERS

David Kinsombi hat sich bei der Eintracht weiterentwickelt. Über einen Kurzeinsatz ist der stets positiv denkende Spät-Teenager zuletzt dennoch nicht hinausgekommen. Was will die Eintracht mit diesem Spieler?

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          Ja, es gibt ihn noch. Regelmäßige Besucher des Trainings wissen, dass Abwehrspieler David Kinsombi nach wie vor dem Profikader der Frankfurter Eintracht angehört. Da zählt er zu den fleißigsten Spielern. Allen anderen tat die Gedächtnisstütze gut, die ihnen Trainer Armin Veh am vergangenen Samstag verabreichte, als er Kinsombi beim 0:0 gegen Hoffenheim für die letzten Sekunden auf das Feld schickte. Zuvor hatte es der 19 Jahre alte Deutsch-Kongolese in dieser Saison zehnmal nicht geschafft, in den Kader zu kommen, einmal war er auf der Ersatzbank sitzen geblieben.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          Den Ball berührte Kinsombi bei seinem Kurzeinsatz nicht. Er erhielt auch keine Punktprämie, dafür hätte er mindestens 15 Minuten mitspielen müssen. Und dennoch tat ihm dieser Moment sehr gut: „Das zeigt doch, dass ich gut gearbeitet habe und dass ich jetzt wieder näher an die Mannschaft herangekommen bin“, sagt er. Was will die Eintracht mit diesem Spieler? Das fragten sich im vergangenen Sommer viele Beobachter, vergessend, dass sich der Verein zum Zeitpunkt seiner Verpflichtung noch eine Juniorenmannschaft U 23 leistete. Genau das richtige Auffangbecken für Talente, für die der Sprung zu den Profis auf Anhieb zu groß ist. Aber da dieses Team in den Bereich der Amateurabteilung fiel, die zu diesem Zeitpunkt in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten steckte, wurde die U 23 aufgelöst. Für Kinsombi ein Dilemma, denn schnell wurde deutlich, dass er nicht zu den Überfliegern zählt.

          Viel guter Wille, aber auch viele Missgeschicke

          Schnell, kampfstark, mit einem großen Leistungswillen: Seine großen Stärken relativierten sich durch seine Mängel in der Ballbehandlung und in seinem Stellungsspiel. Kinsombi beging in seinem Eifer viele Fehler. Trainer Thomas Schaaf mochte den Jungen, berief ihn 22 Mal ins Aufgebot und zweimal in die Startelf: In der Hinrunde in Hannover (0:1) und am zweiten Rückrundenspieltag gegen Wolfsburg (1:1).

          Seine Leistungen in den Spielen deckten sich mit den Eindrücken im Training: viel Einsatz, viel guter Wille, aber auch viele Missgeschicke. Schaaf verzichtete auf weitere Einsätze Kinsombis. Dessen Nachfolger Veh unterließ es sogar lange Zeit, ihn auch nur auf die Ersatzbank zu setzen. Dann überraschte der Trainer vor drei Wochen mit einem Lob. Er brachte den jungen Abwehrspieler zur Sprache, als er die relativ große Leistungsdichte im Kader betonte: „Auch Kinsombi könnte ich jederzeit reinwerfen. Ich traue ihm das zu. Es ist toll, wie er in jedem Training Gas gibt und sich entwickelt.“

          Kinsombi tut das Lob heute noch gut, fast so gut wie die Sekunden, die er gegen Hoffenheim spielen durfte: „Es liegt an jedem selbst, wie man mit so einer Situation umgeht. Ich habe für mich beschlossen, mich in jedem Training reinzuhauen. Alles andere liegt sowieso nicht in meiner Hand. Ich kann es dem Trainer aber schwermachen, mich nicht aufzustellen.“

          „Es war kein Fehler, zur Eintracht zu gehen“

          Seine Jugend erleichtert ihm, die positive Einstellung zu bewahren. „Wenn ich so einiges lese, habe ich das Gefühl, ich befinde mich schon in den Mittzwanzigern. Aber ich bin erst 19, ich sehe noch alle Möglichkeiten für mich. Es gibt keinen Grund, mich abzuschreiben.“ Kinsombi klingt für einen Spät-Teenager ausgesprochen vernünftig und wirkt sehr strukturiert und bewusst.

          Der Sohn kongolesischer Eltern wurde in Rüdesheim geboren und wuchs in Wiesbaden auf, wo er auch ein Gymnasium besuchte und die Reifeprüfung bestand. In der Jugend spielte er für Germania Wiesbaden und den SV Wehen Wiesbaden, bis ihn Mainz 05 holte. Er wurde sogar Mannschaftskapitän der A-Jugend. Da der damalige Bundesligatrainer Thomas Tuchel ihn jedoch nicht bei den Profis mitüben ließ, im Gegensatz zu anderen Talenten, erschien ihm die Eintracht für seine Zukunft vielversprechender. Eine Fehleinschätzung aus heutiger Sicht? „Ich würde nie sagen, dass es ein Fehler war, zur Eintracht zu gehen. Wer kann denn schon von sich behaupten, mit 18 sein Bundesliga-Debüt gegeben zu haben?“ Zudem spüre er, wie er im Training dazulerne. „Mein Stellungsspiel und meine Antizipation, wo der Ball hinkommen kann, sind schon viel besser geworden“, sagt er.

          Kinsombi ist in der Mannschaft akzeptiert, das spürt man als Trainingsbeobachter. Manchmal nehmen die Kollegen seinen Willen noch für die Tat, aber seine Fortschritte sind unübersehbar. Und seine positive Art macht es leicht, darüber hinwegzusehen, wenn ihm etwas nicht perfekt gelingt. Kinsombi sagt denn auch: „Ich kann mich nicht beschweren, dass ich nicht beachtet oder akzeptiert werde.“ Er würde gerne bei der Eintracht bleiben. Ob die Eintracht will? Für eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages sprechen seine Entwicklungsmöglichkeiten, seine Einstellung und seine Flexibilität. Kinsombi kann auf beiden Außenverteidigerpositionen eingesetzt werden, als Innenverteidiger oder im zentralen defensiven Mittelfeld. „In der U-18-Auswahl des DFB habe ich sogar mal im offensiven Mittelfeld gespielt“, erzählt er. Einen festen Karriereplan habe er nicht, wenn es mit der Eintracht nicht weiterginge: „Ich bin für alles offen. Wenn ich eines in den letzten anderthalb Jahren gelernt habe, dann das, dass Planung relativ ist.“

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