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Grüner Knollenblätterpilz : Nichts deutet auf das tödliche Gift hin

Stehen lassen: der Verzehr des Grünen Knollenblätterpilzes ist lebensgefährlich Bild: dpa

Ein dramatischer Fall aus Frankfurt zeigt: Vor allem Zuwanderer erkennen vom Grünen Knollenblätterpilz ausgehende Gefahr nicht. Nun soll es Broschüren auf Arabisch geben.

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          Der Vater der Flüchtlingsfamilie aus Syrien, die mit einer Pilzvergiftung in die Universitätsklinik gebracht wurde,ist mittlerweile gerettet. Er hatte mit seiner Familie vom Grünen Knollenblätterpilz gegessen, einem der giftigsten Pilze in Deutschland. Bereits ein einziger Pilz enthält eine tödliche Menge von Amanitin, das die Leber schädigt.

          Ingrid Karb
          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es sind nicht die ersten Flüchtlinge gewesen, die diese Pilze verzehrt haben. Nachdem im September 2015 an der Uniklinik Hannover innerhalb weniger Tage 30 Flüchtlinge mit Vergiftungen behandelt werden mussten, nahm sich das Bundesinstitut für Risikobewertung in Berlin des Themas an. Dem Institut müssen alle Vergiftungen mit Chemikalien angezeigt werden, eine Meldepflicht für solche mit Pilzen gibt es nicht. Eine Umfrage ergab, dass 43 Flüchtlinge vor allem in Norddeutschland betroffen waren, drei von ihnen starben, sechs erhielten eine Lebertransplantation. Das Bundesinstitut hat daraufhin die Gesundheitsämter informiert und die Broschüre „Risiko Pilze“ ins Arabische übersetzt, um Flüchtlinge zu warnen. Sie kann im Internet heruntergeladen oder kostenlos bestellt werden.

          Nach Angaben von Experten entfallen zwar nur fünf Prozent aller Pilzvergiftungen auf den Grünen Knollenblätterpilz, das sind aber 80 Prozent der tödlich verlaufenden. Der Pilz hat zunächst einen halbkugelförmigen Hut, später ist dieser flach gewölbt und sechs bis zwölf Zentimeter breit. Der Stiel wird bis zu 15 Zentimeter hoch. Außen ist er meist grünlich-weiß, selten braun. Er riecht süßlich, der Geschmack wird als nussartig bezeichnet. Weil weder Geruch noch Geschmack abstoßend sind, wird er immer wieder von Zuwanderern gegessen. Hinzu kommt, dass er Pilzen ihrer Heimat ähnelt, unter anderem dem im Mittelmeerraum verbreiteten essbaren Eier-Wulstling, wie das Bundesinstitut mitteilt.

          Die wenigsten Zuwanderer informieren sich über hier wachsende Pilzarten. So berichtet der Pilzsachverständige Dieter Gewalt, er habe „noch nie einen Flüchtling in der Pilzberatung gehabt“. Seit 15 Jahren bietet der Siebenundsiebzigjährige in der Pilzsaison sonntags im Frankfurter Gesundheitsamt eine Sprechstunde an. Die erste in diesem Jahr findet am 10. September von 17 bis 20 Uhr statt. Alle Sammler können im Amt an der Breiten Gasse ihre Funde begutachten lassen.

          Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Koliken

          In die Sprechstunde kämen in der Regel kundige Pilzsammler, sagt Gewalt. In den vergangenen Jahren habe er nur einmal Giftpilze in größeren Mengen in einem Sammelkorb gefunden. Dabei habe es sich um Gifthäublinge gehandelt, die zwei Frauen mit Stockschwämmchen verwechselt hätten. Es habe sich um erfahrene Pilzsammlerinnen gehandelt, die eigentlich wegen anderer Pilze gekommen waren. Nur zufällig habe er sie so davon abhalten können, die Giftpilze zu verzehren.

          Im Wald habe er zudem eine Familie aus Thailand mit einem Korb voller Grüner Knollenblätterpilze getroffen. Er habe sie überreden müssen, damit sie den Korb ausleerten. Der Pilzberater ist in der Saison fast täglich im Wald unterwegs, bietet unter anderem bei der Volkshochschule in Dietzenbach Pilzlehrwanderungen an. Die Teilnehmer erfahren, worauf sie beim Sammeln achten müssen. Denn nicht nur Giftpilze können zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Koliken führen, sondern auch Esspilze, die nicht mehr frisch sind oder falsch aufbewahrt wurden. Schuld sind Bakterien- und Schimmelpilzbefall oder die fortgeschrittene Eiweißzersetzung. Bei Gesundheitsbeschwerden nach dem Verzehr von Pilzen sollte deshalb ein Arzt aufgesucht werden.

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