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Elektromobilität : Bei Grün an die Ladesäule

  • -Aktualisiert am

Ladesäule: In Darmstadt wurde die Verbindung von Ökostrom und Elektroauto getestet. (Symbolbild) Bild: dpa

In einem Pilotprojekt des Bundesumweltministeriums testet der Energieversorger Entega die Elektromobilität in Darmstadt. Die Ergebnisse sind positiv.

          2 Min.

          Elektrofahrzeuge können tatsächlich einen wichtigen Beitrag zu Energiewende leisten. Das sagte Andreas Niedermaier, der im Vorstand des Energieversorgers Entega für Infrastruktur zuständig ist, bei der Vorstellung des Abschlussberichtes einer entsprechenden Studie. Es sei der Nachweis gelungen, „dass Elektromobilität die Versorgungssicherheit erhöhen kann“.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Entega hatte zusammen mit der Technischen Universität Darmstadt, der Frankfurter Fachhochschule, dem Institut Fraunhofer LBF und drei Unternehmen in einem Pilotprojekt getestet, ob und wie Elektrofahrzeuge in die regionalen Stromverteilungsnetze integriert werden können. Um das herauszufinden, hatte die Entega in ihrem Netzgebiet in Südhessen in den vergangenen drei Jahren 50 Elektroautos im Einsatz. Sie waren in ein virtuelles Kraftwerk integriert, das aus mehreren dezentralen Erzeugungsanlagen bestand, die zusammengeschaltet waren.

          Ökostrommenge vom Wetter abhängig

          Die Fahrer der 50 E-Mobile erhielten auf Basis von Wetter-, Einspeise- und Lastprognosen Hinweise, wann der beste Zeitpunkt war, ihr Fahrzeug mit Ökostrom, der in der Region erzeugt wurde, aufzuladen. Seit Oktober 2014 konnten Entega-Dienstfahrzeuge etwa an einer Stromtankstelle tanken, deren Ladesäule durch Rot-Grün-Phasen anzeigte, ob gerade viel grüner Strom zur Verfügung stand oder nicht. Geladen werden sollte möglichst bei grünem Signal. Während der Rot-Phasen war das zwar auch möglich, allerdings gab es dann nur wenig Strom aus regenerativen Quellen.

          Der Hintergrund dieser Forschung mit dem Titel „Well2Wheel“ („Von der Quelle bis zum Rad“) ist der Umstand, dass nach der Energiewende immer mehr Strom aus dezentralen, regenerativen Erzeugungsanlagen eingespeist wird. Die Strommenge aber ist im Gegensatz zur herkömmlichen Tankstelle, wo es ausreichend Sprit auch an windstillen und sonnenarmen Tagen gibt, vom Wetter abhängig. Was also, wenn im Jahr 2030 sechs Millionen Elektroautos durch die Gegend fahren, wie es die Politik gerne hätte, und an der Elektro-Ladestation herrscht gerade Flaute? Die Untersuchung der Frage, ob Elektrofahrzeuge durch gesteuertes Ladeverhalten über die Grenzen eines Netzbetreibers hinaus dazu dienen können, eine schwankende regenerative Energieerzeugung zu puffern, hat sich das Bundesumweltministerium 2,1 Millionen Euro kosten lassen. Das gesamte Projektvolumen betrug 3,4 Millionen Euro.

          Alltagstauglichkeit von Elektromobilität getestet

          Eingebunden in den Praxistest zur Elektromobilität war auch das Energie-Effizienzhaus der Technischen Universität. Das Haus verfügt über eine steuerbare Ladesäule, einen stationären Energiespeicher und ein Energiemanagementsystem, das zu jedem Zeitpunkt über den aktuellen Energieverbrauch informiert und auch die Ladevorgänge des angeschlossenen Elektroautos darauf abstimmt, ob der Sonnenstrom der Photovoltaik-Anlage des Hauses gerade zur Verfügung steht. Jutta Hanson von der Technischen Universität sprach vom „Wohnen der Zukunft“, das erprobt worden sei. Über Simulationsrechnungen habe man bei diesem Versuch die Auswirkungen von Elektrofahrzeugen auf Verteilernetze analysieren können. „Hieraus lassen sich Rückschlüsse ziehen, wie die Elektromobilität in Zukunft unsere Netze belasten wird und wie über geeignete Ladestrategien ein Netzausbau eventuell reduziert werden kann.“

          Eine weitere Frage, der nachgegangen wurde, war die nach der Alltagstauglichkeit von Elektromobilität. Beispielsweise, ob Nutzer mit Ladesäulen zurechtkommen, die Rot- und Grün-Phasen haben, und ob sie bereit seien, ihr Verhalten an die Bedingungen dezentraler regenerativer Stromerzeugung anzupassen. Petra Schäfer von der Frankfurter Hochschule, die das näher untersuchte, kommt zu einem positiven Ergebnis. Elektromobilität werde „im Grundsatz“ akzeptiert. Auch das Ladeverhalten lasse sich ohne Schwierigkeiten in den Alltag integrieren. Um den Anteil der Elektrofahrzeuge maßgeblich zu steigern, seien aber niedrigere Anschaffungskosten entscheidend.

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