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Diebstahl auf Kuba : Pilot versteckt Kunstwerk im Hosenbein

Eingeflogen: Der Kopilot hat das Kunstwerk im Hosenbein an Bord gebracht. Bild: dpa

Bei einem Aufenthalt in Havanna hat ein deutscher Pilot ein Kunstwerk von der Wand seines Hotels gestohlen. Der geständige Täter ist nun vor dem Amtsgericht verurteilt worden.

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          Es war ein ganz normaler Arbeitstag. Der Kopilot hatte seinen Dienst getan: Ein Linienflug nach Kuba, Übernachtung in Havanna, am Abend sollte es zurück nach Deutschland gehen. Der Crewbus stand schon bereit, da ging der Einunddreißigjährige nochmal durch den Hotelflur. Da hing es, mit einem Perlenband um eine Lampe gehängt: Ein Bild, das plötzlich etwas in ihm auslöste. Erst jetzt fiel es ihm auf. Zwei Vögel, die sich umeinander bewegen, wie in einer Beziehung. Eine einfache, schlichte Darstellung. Aus einem Impuls heraus tat der Pilot etwas, das er sich im Nachhinein nur als „Aktion der geistigen Umnachtung“ erklären kann – er nahm den Rahmen von der Wand, ging auf die Toilette, nahm das Bild heraus, rollte es zusammen und versteckte es im Hosenbein. Am nächsten Tag war es in Deutschland.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der kubanische Staat, dem das Bild des zeitgenössischen Künstlers Roberto Fabelo gehört, brauchte nicht lang, um dank Überwachungsbildern auf den Diebstahl aufmerksam zu werden. 18.000 Dollar sei es wert, teilte er den deutschen Strafverfolgungsbehörden mit. Ob das stimmt, ist unklar. Aber Vertreter des Innenministeriums reisten an, um es abzuholen. Der Pilot verlor seinen Job, lebt mittlerweile von Arbeitslosengeld und zog zurück zu seinen Eltern, um die Schulden aus der Pilotenausbildung abzahlen zu können. Schon im Crewbus auf dem Weg zum Flughafen plagten ihn schlechtes Gewissen und Angst, sagt er vor dem Amtsgericht, wo er sich am Dienstag verantworten muss. Aber da war es schon zu spät. Als der Anruf vom Arbeitgeber kam, gestand er sofort alles. Am liebsten, sagt er, hätte er das Bild persönlich zurück nach Kuba gebracht. Er hatte es einfach für sich haben wollen. Ahnung von Kunst hat er nicht. Schrecklich peinlich ist ihm seine Tat, aber er sagt: „Ich weiß, dass ich Schuld habe.“

          Vor Gericht geht es für ihn um alles. Ist er vorbestraft, verliert er seine Lizenz und hat keine Chance, wieder in seinem Beruf zu arbeiten. „Sein Schaden, beruflich wie privat, ist jetzt schon immens“, sagt sein Verteidiger. Doch die Staatsanwaltschaft sperrt sich gegen eine Einstellung des Verfahrens gegen Geldauflage und plädiert auf 8000 Euro Geldstrafe. Der Vorsitzende Richter findet schließlich einen Mittelweg: Eine Verwarnung mit dem Vorbehalt jener Geldstrafe und 3000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung. „Er hat eine zweite Chance verdient.“

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