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Philosophicum Frankfurt : Die Kaaba von Bockenheim

Plan A: Die Architektur des Anbaus sollte mit hellen Klinkern und Fassadenbändern auf das denkmalgeschützte Philosophicum Bezug nehmen. Bild: Stefan Forster Architekten

Aus Angst vor Graffiti will der Bauherr den Anbau des Philosophicums mit einer schwarzen Blechhaut verkleiden. Die Aufregung ist groß.

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          Dass sich gelbe, weiße, hellblaue oder knallrote Schriftzüge von einer schwarzen Wand besonders gut abheben, scheint der Bauherr nicht bedacht zu haben. Aus Angst vor Schmierereien an der Fassade will er den Anbau des denkmalgeschützten Philosophicums in kompletter Höhe mit einer schwarzen Metallfassade verkleiden – statt mit der vom Architekten Stefan Forster geplanten und vom Denkmalschutz genehmigten Klinker- und Betonfassade, die zu dem benachbarten Baudenkmal passt. „Eine Metallfassade ist einfacher zu reinigen“, erläutert Rudolf Muhr auf Anfrage.

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Außerdem liefen die Kosten für den Umbau des Seminargebäudes in ein Studentenwohnheim ohnehin schon aus dem Rahmen. Muhr befürchtet offenbar, dass linke Demonstranten, etwa Anhänger der Initiative „Stadt für alle“, sein Gebäude beschmieren könnten. Die Gruppe hat, wie berichtet, schon an verschiedenen Gebäuden in der Stadt ihre Spuren hinterlassen und im Internet dazu aufgerufen, sogenannte Luxusimmobilien mit Schriftzügen zu „markieren“. In den Augen der Gruppe fällt wohl auch das Philosophicum in diese Kategorie – obwohl das Kulturdenkmal erhalten bleibt und ein Teil der Zimmer zu einem reduzierten Mietpreis vergeben wird. Es ist aber nicht auszuschließen, dass sich die Gruppe durch eine dunkle Gebäudehaut erst recht herausgefordert fühlt, Farbbeutel ans Philosophicum zu werfen.

          Philosophicum steht unter Denkmalschutz

          Erste Musterelemente der Fassade hängen schon: An einer Gebäudeecke des Anbaus hat Muhr schwarze Blechteile anbringen lassen – ohne die Stadt von seinen geänderten Plänen zu informieren. In der Stadtverwaltung ist man davon nicht begeistert. „Wir lassen uns nicht vor vollendete Tatsachen stellen. Jede Änderung ist genehmigungspflichtig“, sagt Stefan Timpe, stellvertretender Leiter des städtischen Denkmalamts. Er verweist auf das mit den Behörden abgestimmte denkmalpflegerische Konzept, das auch der Baugenehmigung zugrunde liege. Das Architekturbüro Stefan Forster hatte eine Fassade entwickelt, die mit hellen Klinkersteinen und Betonbändern auf den Altbau Bezug nimmt. „Ich bin mit der Fassade zufrieden, wie sie projektiert war. Das war das Ergebnis eines zähen Ringens“, sagt Timpe. Forster sagte auf Anfrage, er dürfe sich zu dem Thema nicht äußern.

          Die ABG, die für die Gestaltung des Kulturcampus Bockenheim verantwortlich ist, hatte das denkmalgeschützte Philosphicum an Muhr mit der Maßgabe veräußert, dem Denkmalschutz Rechnung zu tragen. Zuvor war eine Bürgerinitiative mit ihrem Plan gescheitert, das Gebäude als Wohnhaus umzunutzen. „Wir haben im Kaufvertrag ausdrücklich auf den Denkmalschutz hingewiesen“, sagt ABG-Geschäftsführer Frank Junker. Er hatte dem Bauherrn den Frankfurter Architekten Forster empfohlen, weil dessen Büro für einen guten Wohnungsbau und umsichtigen Umgang mit dem Denkmalschutz bekannt ist. „Wir fühlen uns dem Projekt weiterhin verbunden. Wenn das Philosophicum erhalten bleibt, dann muss es sich auch qualitätvoll ins gesamte Ensemble des Kulturcampus einfügen“, sagt Junker.

          Radermacher glaubte zunächst an einen Scherz

          Auch die Bauaufsicht hat mit der Blechfassade ihre Schwierigkeiten. „Man kann bei einem Kulturdenkmal nicht einfach die Fassade ändern. Das ist nach Hessischem Denkmalschutzgesetz genehmigungspflichtig“, sagt die Leiterin Simone Zapke. Ein solcher Antrag liege aber nicht vor. Falls erforderlich, werde die Bauaufsicht das Denkmalamt unterstützen, kündigt Zapke an. Dann könnte die Baustelle stillgelegt werden.

          Der Verschmutzung könnte man auch auf anderem Weg entgegenwirken, etwa indem die Fassade mit einer Schutzschicht gestrichen wird. Ein dunkler Anbau, der an die Kaaba in Mekka erinnert, würde auch aus Sicht des Stadtplanungsamts befremdlich wirken. Der stellvertretende Leiter Markus Radermacher glaubte zunächst an einen Scherz. „Wir können uns das nicht vorstellen“, sagt er.

          Der Bauherr will an Ort und Stelle Vertretern der Ämter seine Pläne erläutern. „Dann wird man sehen, ob sie denkmalverträglich sind“, sagt Timpe.

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