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Jürgen Habermas : Offen und unverstellt

Herrschaftsfreier Diskurs: Jürgen Habermas 1968 mit Studierenden der Goethe-Universität. Bild: Lutz Kleinhans

Auch Frankfurter Erfahrungen prägten sein Denken. In der Stadt entwickelte Jürgen Habermas sich zum Weltphilosophen. Heute wird er 90 Jahre alt.

          3 Min.

          Frankfurt sei die heimliche Metropole der alten Bundesrepublik gewesen, pflegt Jürgen Habermas zu sagen. Dass er deren Philosoph gewesen ist, lässt sich heute weniger bestreiten denn je: Das Unaufgeregte, Sachliche, Vernünftige, gesellschaftspolitisch Effiziente und in der Repräsentation Bescheidene eines Staatswesens, das nach der großen geschichtlichen Katastrophe entstanden war und sich aller Pathosformeln enthielt, fand in dem Universitätsgelehrten und Linksintellektuellen seinen kongenialen Vordenker und Ermutiger. Dass er im nüchternen, oft skeptischen, von allzu viel öffentlicher Wohlgeformtheit nicht abgelenkten Frankfurt lehrte, hat da geradezu etwas Folgerichtiges.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          1956 war Habermas von Bonn ans Institut für Sozialforschung gekommen. Er sei damals, sagt er, „intellektuell in ein neues Universum eingetreten“. Er spricht vom „Offenen, Transitorischen, Unverstellten der Konflikte“ in Frankfurt. In den Mauern dieser Stadt habe er die aufregendsten Zeiten seines erwachsenen Lebens erfahren. Sie besteche Flaneure nicht durch ihre Schönheit, man müsse schon in ihr wohnen. Für Habermas wurde sie der Erfahrungsgrund seiner Philosophie. Dass diese nur als Gesellschaftstheorie betrieben werden könne, war die Grundüberzeugung der Frankfurter Schule.

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