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Pfungstädter Brauerei : Die Zweifel am Investor bleiben

Auf dem Trockenen: Die alte Brauerei soll abgerissen werden und Wohnhäusern Platz machen. Bild: Michael Kretzer

Mutmaßungen über gescheiterte Geschäfte des Brauerei-Investors Krück irritieren den Pfungstädter Verwaltungschef Koch nicht. Man habe sich erkundigt – und abgesichert.

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          Für die Mitglieder der beiden Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung, die sich heute im historischen Rathaus treffen, dürfte die Anwesenheit der M&A-Agentur Imap aus Mannheim beim Tagesordnungspunkt Eckpunktepapier „Pfungstädter Brauerei“ nicht unwesentlich sein. Denn diese Agentur hatte die Suche und die Überprüfung möglicher Investoren übernommen, die an einer Übernahme und Fortführung der Traditionsbrauerei interessiert sind. Dabei war sie auf den Bad Homburger Investor Uwe Dieter Krück gestoßen. Mit ihm hat die Stadt jene Eckpunkte für den Neubau eines neuen Brauereibetriebes auf dem Grundstück des ehemaligen Schwimmbades und die Konversion des alten Brauereigeländes zu einem Wohngebiet verhandelt (F.A.Z. vom 28. November), die heute erstmals öffentlich zur Diskussion stehen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Die Anwesenheit der M&A-Agentur ist insofern wichtig, da inzwischen allerlei Behauptungen über Krück kursieren, der Geschäftsführer der Immobilien- und Unternehmensbeteiligungsfirma Spectrum Frankfurt und der Crugers Brau GmbH München ist. Über den Namen wollte sich vergangene Woche weder Brauerei-Geschäftsführer Stefan Seibold äußern noch Pfungstadts Bürgermeister Patrick Koch (SPD). Krück selbst ist außer bei einem Treffen mit Stadtverordneten öffentlich bislang nicht in Erscheinung getreten.

          „Modernste Brauerei der Welt“

          Dass er derjenige ist, der in Südhessen die „modernste Brauerei der Welt“ bauen möchte, hat Koch nun immerhin bestätigt. Gleichzeitig hat der Bürgermeister versichert, dass er trotz der durch Presseberichte der vergangenen Tage entstandenen „Irritationen“ nach wie vor „tiefenentspannt“ sei: „Nichts von dem, was ich gelesen oder gehört habe, hat mich schockiert. Krück ist solvent, sonst würden wir mit ihm über ein solches Projekt überhaupt nicht reden.“ Es ist dennoch zu erwarten, dass in der Ausschuss-Sitzung die Agentur zu einigen Vorwürfen befragt werden wird, die in einem Artikel des „Darmstädter Echos“ angeführt sind. In dem Beitrag wurde zum Beispiel auf einen älteren Bericht der „Rhein-Neckar-Zeitung“ verwiesen, wonach Krück 2016 in Heidelberg das MLP-Hochhaus eines Finanzberatungsunternehmens kaufte, um es zu einem Wohnturm mit Mikroapartments für Studenten und Wissenschaftler umzubauen. Dieser Deal sei dann, so die RNZ, geplatzt, weil Krück die vereinbarte Zahlung nicht geleistet habe – angeblich wegen arglistiger Täuschung „in einer ungeklärten Altlastenfrage“, was das Finanzberatungsunternehmen wiederum bestreite. Mit Berufung auf Artikel in anderen Zeitungen oder Agenturen ist außerdem von einem Gerichtsverfahren in Salzburg die Rede, in das Krück involviert gewesen sei, oder von einer seiner Gesellschaften, die 2006 in Konkurs gegangen sei.

          Koch sagte gestern dazu, die Stadt habe sich natürlich selbst kundig gemacht und überdies Erkundigungen beim Oberbürgermeister der Stadt Bad Homburg eingezogen. Diese Recherchen ließen das Heidelberger Hochhausprojekt als „ganz normales Geschäft“ erscheinen und seien auch sonst positiv ausgefallen. „Krück hat die neue Brauerei zunächst in Bad Homburg bauen wollen und dort schon im August entsprechende Pläne vorgelegt“. Auch diese seien alle „schlüssig und in Ordnung“ gewesen, wie ihm der Oberbürgermeister im Taunus versichert habe. Die Stadt, sagte Koch, sichere sich außerdem durch das gewählte Verfahren „so gut wie irgend möglich ab“. So würde zum Beispiel das Grundstücksgeschäft obsolet, wenn Krück die Brauerei nicht wie erklärt auf dem Schwimmbad-Areal baue.

          Die mit dem Investor verhandelten Eckpunkt sind von der Stadt inzwischen auf ihre Homepage gestellt worden und somit öffentlich. In dem fünf Seiten umfassenden Papier ist das weitere Procedere detailliert geregelt. So soll parallel zum Erwerb der Brauerei als Voraussetzungen für deren Verlagerung auf das Schwimmbad-Grundstück ein Kaufvertrag und ein städtebaulicher Vertrag verhandelt werden, der die planungsrechtlichen Schritte für das neue „Wohnquartier Brauerei“ auf dem alten Firmengelände regelt. Zur Ermittlung des Kaufpreises soll ein Verkehrswertgutachten erstellt werden.

          Vertrag soll März 2020 aufgesetzt werden

          Mit Blick auf das neue Wohnquartier auf dem alten Brauereigelände wird eine Bebauung von bis zu vier Vollgeschossen plus Staffelgeschoss angestrebt. Die Vertragsangelegenheiten sollen koordiniert und „zeitnah“ geklärt werden: „Dazu wird angestrebt, spätestens in der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 9. März 2020 Beschlussfassungen über den Grundstückskaufvertrag beziehungsweise den Städtebaulichen Vertrag herbeizuführen“, heißt es in dem Papier, in dem weiter ausgeführt wird, dass Krück den Vertrag zum Erwerb der Pfungstädter Brauerei mit deren Eigentümern parallel abschließt. Zum Tragen kommt das freilich nur, wenn die Fraktionen den Weg zur Umsetzung dieser Pläne in ihrer Sitzung am 16. Dezember durch einen Grundsatzbeschluss frei machen.

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